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Volksschule Rennertshofen

31.07.2008

"Eine Koryphäe verlässt die Schule"

Angelika ist an allem schuld. Sie war es schließlich, die ihren Mann Alfred Ehrnstraßer nach Rennertshofen gelockt und ihn seit inzwischen über 30 Jahren nicht mehr weg lässt. Gestern war es für den Rektor der Rennertshofener Volksschule an der Zeit, "Pfia Gott" zu sagen.

Von Claudia Stegmann

Rennertshofen. Angelika ist an allem schuld. Sie war es schließlich, die ihren Mann Alfred Ehrnstraßer nach Rennertshofen gelockt und ihn seit inzwischen über 30 Jahren nicht mehr weg lässt. Gestern war es für den Rektor der Rennertshofener Volksschule an der Zeit, "Pfia Gott" zu sagen, denn ab heute verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Nach 39 Dienstjahren und 33 Jahren an der Volksschule in Rennertshofen habe er ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit - gegenüber "dem Herrgott, dass alles gut gegangen ist und natürlich meiner Familie und insbesondere meiner Frau Angelika". Man merkt, dass sich der Klos im Hals an dieser Stelle etwas enger schnürt. Trotzdem ist ihm das Aufhebens um seinen Abschied unangenehm. Alle Klassen und das Kollegium haben sich Tänze, Lieder und Glückwünsche für den Rektor einfallen lassen. Drei Stunden lang sagten alle auf ihre Weise "servus" - und Ehrnstraßer war "tief berührt und beeindruckt", wie er sagte. "Wer hätte geglaubt, dass die Lehrer so einen Tanz um mich machen", scherzte er.

Und in der Tat haben sich Ehrnstraßers Kollegen in Lederhosen und Dirndl geworfen und ihm einen Bändertanz vorgeführt. Auch die Erstklässler kamen in Tracht, um ihrem Rektor mit bayerischen Volkstänzen eine Freude zu machen. Bayerisches Kulturgut - das lag Ehrnstraßer immer am Herzen. Deshalb sei er auch nie müde geworden, den Schülern zu sagen: "Das heißt ,Servus¿ und nicht ,Tschüß¿!", wie eine Lehrerin während der Pause verrät.

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"Eine Institution und Koryphäe verlässt die Schule", meinte Elternbeiratsvorsitzender Roland Seifert. Er hoffte, dass er Ehrnstraßer nachträglich den Wunsch erfüllen könne, einen Förderverein für die Volksschule zu gründen. "Und ich hoffe, dass Sie dann auch Mitglied werden - wenn Sie neben Ihren Hobbys überhaupt noch die Zeit dazu finden."

Dass Ehrnstraßer der Abschied von "seiner Schule" nicht leicht fällt, wusste auch Ernst Gebert. "Ein Stück Ihres Herzens bleibt an dieser Schule zurück", sagte der Rennertshofener Bürgermeister, schließlich habe Ehrnstraßer seinen Beruf als Berufung und Lebensaufgabe gesehen.

Dem schloss sich auch Schulamtsdirektor Gerhard Preisler an. Er bezeichnete Ehrnstraßer als einen "der profiliertesten Schulleiter des Landkreises" und dankte ihm für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, seine herausragenden Leistungen sowie das "mustergültige menschliche Miteinander". Dass dieses menschliche Miteinander nicht nur dem Schulamt oder der Gemeinde Rennertshofen galt, sondern auch den Kollegen und vor allem den Schülern, zeigte sich bei der Verabschiedungsfeier. Lehrer und Schüler hatten sich große Mühe gegeben, Ehrnstraßer eine "schöne, kurzweilige Feier", wie Gebert betonte, zu präsentieren.

Um den Abschied von der Schule zu erleichtern, wie Konrektorin Brigitte Clemens sagte, schenkten ihm Gemeinde, Elternbeirat und Kollegium einen Bahn-Gutschein und ein Buch, in dem sich alle Lehrer mit persönlichen Worten von ihrem Chef verabschiedet haben. "Die spürbare Zuneigung berührt mich tief und ich werde sie alle in mein Nachtgebet einschließen", sagte Ehrnstraßer. "Herr, vergib ihnen, dass sie so gelogen haben, und verzeih¿ mir, dass ich es so gerne gehört habe."

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