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Neuburg

30.08.2016

Eine Oper markant interpretiert

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2 Bilder
Energievoll: das Chor- und Solistenensemble.
Bild: Johannes Seifert

Simon-Mayr-Chor und Concerto de Bassus präsentieren eine gelungene Darbietung von „I Cherusci“ im Kongregationssaal. Was besonders gefiel.

Bereits zu Lebzeiten war Giovanni Simone Mayr – er gilt als Vater der italienischen Oper – ein gefeierter Künstler. Dennoch blieb der Siegeszug seiner Werke doch weitgehend hinter Rossini oder auch Donizetti zurück. Vielleicht auch deshalb, weil die Notationen des 1763 in Mendorf bei Altmannstein geborenen Komponisten weit mehr gewagt waren, als die seiner Zeitgenossen.

In seiner Heimat hat sich der Simon-Mayr-Chor seit 2003 zur Aufgabe gemacht, das musikalische Erbe des Künstlers zu pflegen und zur Wiederaufführung zu bringen.

Mayrs „Dramma per musica“, „ I Cherusci“, präsentiert vom Simon-Mayr-Chor, Mitgliedern des Chores der Bayerischen Staatsoper München und dem Orchester Concerto de Bassus – mit Theona Gubba Chkheidze als Konzertmeisterin – entwickelte sich unter der umsichtigen und stets präsenten Gesamtleitung von Franz Hauk, der ebenso am Cembalo glänzte, am Sonntagabend zu einem intensiven und markanten Opernerlebnis.

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Natürlich ist das Publikum bei rein konzertanten Aufführungen entsprechend gefordert. Trotz allem kommt gerade bei diesen Darbietungen die Musik in exzellenter Manier zur Geltung.

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Kongregationssaal verdeutlichte das auf Instrumenten gemäß historisch informierter Aufführungspraxis agierende Orchester mit energiegeladenem Spiel, wie vielseitig und wohlklingend die Musik des großen Sohnes unserer Heimat nun einmal ist: melancholisch, innig, arios, nuancenreich, leidenschaftlich, temperamentvoll, gleichermaßen dezent und einfühlsam.

Auch der Chor interpretierte tadellos, transparent und in herausragender Balance.

„I Cherusci“ benennt einen alten germanischen Stamm, der im Harz zwischen Elbe und Weser lebte. Die Handlung spielt in der römischen Antike. Es geht um die von den Druiden gefangene, dem Tod geweihte Cheruskerin Tusnelda. Ein Befreiungsversuch ihres Geliebten Tamaro scheitert.

Das Werk des in Bergamo lebenden Komponisten, nach einem Libretto von Gaetano Rossi, ist überaus romantisch gehalten. Besonders die einzelnen Szenen sind sehr affektvoll angelegt und verlangen von den Solisten höchste stimmliche Präsenz. Mit den ausgezeichneten Tenören Markus Schäfer (Treuta), Uwe Gottswinter (Carilo), Markus Zeitler (Dunclamo) und Harald Thum (Araldo), den agogisch treffend und überlegen disponiert agierenden Sopranistinnen, Yvonne Prentki (Tusnelda), Andrea Lauren Brown (Tamaro) und Katharina Konradi (Ercilda) sowie dem grandiosen Andreas Mattersberger (Bass) konnte Franz Hauk ein Solistenensemble präsentieren, das in dieser Konstellation wohl selten zu erleben ist.

Mayrs höchst anspruchsvolle Komposition kann sicherlich noch ein wenig feierlicher, drängender und eine Spur rasanter dargeboten werden. Doch Hauk, dies wurde deutlich, strukturiert mit Übersicht, ohne Details zu vernachlässigen. Jede noch so kleine Nuance steht in Beziehung zum Ganzen, wirkt wohl austariert, fantastisch intoniert. Dennoch ist Mayrs Oper für das Publikum vor allem auch hinsichtlich der Zeitdauer etwas schwer verdaulich.

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