1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Eine „fette Taube“

Landkreis Eichstätt

02.03.2014

Eine „fette Taube“

In diesem Steinbruch ist der Archaeopteryx gefunden worden, von dem es derzeit keine Abbildung gibt.
Bild: Foto: Gerstner

 In Schamhaupten ist der 12. Archaeopteryx weltweit gefunden worden

Es ist die Nummer 12, der zwölfte offizielle Urvogel weltweit. Gefunden in einer Talsohle, im Plattenkalk der Jura-Steinbrüche des Schambachtals im Landkreis Eichstätt. Rosi und Franz Gerstner aus Schamhaupten sind nun zu 50 Prozent Besitzer dieses Wirbelfossils, das weltweit zu den begehrtesten überhaupt zählt.

Das freut die Gerstners. Sie haben den Urvogel zwar nicht entdeckt, aber ihnen gehört der Steinbruch. Dem Finder, der unbekannt bleiben möchte, aber in der Branche durchaus bekannt ist, gehören die anderen 50 Prozent. Hadrianische Teilung. So läuft das bei „Schatz“-Funden in Bayern. Halbe, halbe.

Was die Gerstners nicht so freut. Was nicht daran liegt, dass sie dem Finder, der sich der Platzordnung ihres Steinbruchs gemäß bei ihnen gemeldet und den Fund angezeigt hat, seine 50 Prozent missgönnen. Es liegt auch nicht daran, dass er ihnen erst drei Jahre nachdem er 2010 fündig geworden war, Bescheid gab. Nein, aber er, der Nürnberger, möchte das Stück gerne für sich behalten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Gerstners hingegen sehen sich der Wissenschaft verpflichtet und möchten das Fossil gerne der Welt zeigen. In einem Museum, in Eichstätt vielleicht. Der alte Vogel ist schließlich ein schützenswertes Kulturgut.

Und damit beginnen die Probleme mit dieser kleinen Sensation, die damals in etwa ausgesehen haben muss, wie eine „fette Taube“ mit Zähnen. Das sagt Prof. Dr. Eberhard Frey vom Naturkundemuseum Karlsruhe. Unterwegs war der Archaeopteryx in der Erdgeschichte vor 152 bis 145 Millionen Jahren, in der Zeit des Oberjura.

Frey hat das zweite Gutachten zu dem Fossil erstellt. Er sagt, es sei nicht a priori klar gewesen, dass das Fossil tatsächlich einer der Vögel gewesen sei. „Es ist ziemlich hin, obwohl der Finder nach den Regeln der Kunst beim Bergen alles richtig gemacht hat. Es ist in einem schlimmen Zustand und man muss es erst präparieren.“ Es sei ein „verhältnismäßig kleines Tier“. Eines der kleinsten, das bisher bekannt ist. „Die Knochen sind weiß meliert erhalten. Es ist von einer Kluft durchzogen“, sagt Frey.

Es gibt Menschen, die würden viel, viel Geld zahlen, um in den Besitz dieses Fundstücks zu kommen. Aber auch Frey äußert sich nicht zum Preis, den es wert sein könnte, könnte man es auf dem freien Markt handeln. Auch die Gerstners nennen keine Zahlen. Aber sie verweisen auf die Mineralienbörse vom vergangenen Oktober. Da sei der Versicherungswert für Vergleichbares im zweistelligen Millionenbereich gewesen.

Auch das ist ein Grund dafür, dass die Zahl der Raubgräber enorm zugenommen hat. Händler aus dem Landkreis Eichstätt können vogelwilde Geschichten erzählen, was auf dem Fossilienschwarzmarkt so los ist. In Asien stehe man ganz enorm auf das, was hierzulande versteinert ist.

Der Fund von Schamhaupten ist vielleicht offiziell die Nr. 12 auf der Welt. Man ist sich aber sicher: Es wurden schon mehr fette Tauben erlegt.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
IMG_5504(1).JPG
Neuburg/Königsmoos

Nach dem Tierdrama: Alle wollen den geretteten Hunden helfen

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden