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Umweltschutz

10.01.2014

„Eine ganz besondere Methode der Gänsejagd“

Landesbund für Vogelschutz kritisiert Jagdpraxis am Bertoldsheimer Stausee

Neuburg/Ingolstadt Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) kritisiert die Jagd auf Graugänse im Umfeld des Bertoldsheimer Donaustausees, eines euröpäischen Vogelschutzgebietes.

Vorwürfe erhebt Rudolf Wittmann, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Ingolstadt, konkret gegen eine Gruppe von Jägern, die in dem Areal am nördlichen Seeufer vergangenen Samstag Graugänse abschossen. Er sei mit anderen Vogelschützern dort unterwegs gewesen, so Wittmann, um Singschwäne zu zählen und nach überwinternden Seeadlern Ausschau zu halten. Am Parkplatz des Segelheims sei man Zeuge einer „ganz besonderen Methode der Gänsejagd“ geworden. Einer der Jäger habe mit seinem Geländewagen eine große Gänseschar, die sich dort ruhend versammelt hatte, aufgescheucht und dadurch in die Richtung eines kleinen Gehölzes getrieben. Dort hatten sich andere Waidmänner versteckt positioniert und dann wild auf die Vögel los geschossen. Dabei trafen die Schützen nicht alle Gänse tödlich, einige der Vögel wurden nur angeschossen und seien flügellahm über die Äcker gelaufen. Diese Tiere hätten die Jäger dann noch mit einem finalen Schuss aus kurzer Distanz getötet.

„Wir finden dieses Vorgehen nicht waidgerecht“, argumentiert Wittmann. In Fachkreisen sei es mittlerweile unstrittig, dass durch die Bejagung die Gänseproblematik nicht gelöst werden könne. Die Beunruhigung führe nur zu einem erhöhten Energiebedarf und so müssten die Gänse deutlich mehr Nahrung aufnehmen. „Zudem hat der Bertoldsheimer Donaustausee den Status eines Ramsarschutzgebietes für Wat- und Wasservögel und ist, auf der Grundlage der Europäischen Vogelschutzrichtlinie, Teil des Vogelschutzgebietes Lechmündung bis Ingolstadt.“ Die Jagd habe außerhalb des deklarierten Schutzbereiches, etwa 250 Meter von der Schutzgebietsgrenze entfernt, stattgefunden. Für die Vogelschützer sind die Ruhe- und Nahrungsflächen im Umfeld der Schutzgebiete faktisch aber Bestandteile dieser Gebiete.

Der LBV hatte gestern nicht nur beim hiesigen Jagdverband, sondern auch beim Landesjagdverband in Feldkirchen und bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt interveniert. Der örtliche Jagdverbands-Vorsitzende Hans Eisenschenk räumte Gesprächsbedarf ein und versprach, dass man sich zusammensetze. An einem runden Tisch sollen dann auch Vertreter des Bauerverbandes als Grundeigentümer sitzen. (nel)

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