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Stadttheater

13.03.2017

Eine klassische „Unterwasserbeziehung“

Streiten sich gerne ausgelassen: Joana und Valentin (Michaela May und Michael Roll). Da hat Therapeut Harald (Ingo Naujoks) große Mühe, die beiden zu versöhnen.
Bild: Silke Federsel

Prominente Besetzung der Komödie

„Sind Sie sicher, dass Sie zu mir wollen?“, fragt Therapeut Harald (Ingo Naujoks) leicht irritiert, denn Joana (Michaela May) und Valentin (Michael Roll) denken nicht einmal daran, zu Beginn der Paartherapie nebeneinander Platz zu nehmen. Stattdessen wird erst einmal genüsslich über den jeweils anderen hergezogen. Affären werden aufgerollt, Fehler in der Beziehung breitgetreten. Beide sind eben erfahrene Streiter und genau von diesem wechselnden Schlagabtausch lebt auch die von Daniel Glattauer verfasste Komödie „Die Wunderübung“.

Was auch immer der eine sagt, bestreitet der andere sofort, es hagelt Sarkasmus und Seitenhiebe, die auch richtig wehtun können. Dabei nutzen sie brillant rhetorische Tricks um den anderen zu verletzen und bloßzustellen. Witzige Wortgefechte zum Mitfiebern und Mitlachen eben, denn das Premierenpublikum im Stadttheater amüsierte sich köstlich darüber. Und der leicht entnervte und mehr und mehr hilflos wirkende Therapeut muss bei einer solch an die Wand gefahrenen Beziehung schon tief in die Trickkiste greifen, um diese heftigen Spannungen zu lösen. Denn seine sonstigen Paarübungen scheinen keinen Erfolg zu zeigen, obwohl doch immer wieder langsam aufblitzt, wie schön die Romanze von Joana und Valentin begonnen hat – bei einem Tauchgang in Ägypten hatten die beiden sich lieben gelernt. „Wir waren eben eine klassische Unterwasserbeziehung“, sagt Valentin. „Wir hätten nie auftauchen sollen“, sagt Joana. „Zumindest nicht gemeinsam“, meint Valentin.

Doch nach der Pause ändert sich alles – der Streit ist vorerst vergessen, denn plötzlich erscheint Therapeut Harald verstört auf der Bühne und erzählt aufgelöst, dass seine Frau ihn verlassen hat. Nun ist er plötzlich derjenige, der Hilfe braucht und das Thema Rollentausch, das vorher zum Therapieprogramm gehört hat, bekommt jetzt eine ganz andere Bedeutung, denn aus Klienten werden Therapeuten – eine echte „Wunderübung“ eben.

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Die schauspielerische Leistung der drei lässt keine Wünsche offen, Gestik und Mimik passen perfekt. Klasse deshalb gerade die Szene, als Valentin in die Rolle seiner Frau schlüpfen muss und deren Eitelkeit betont, in dem er dick roten Lippenstift aufträgt, während sie sich lümmelhaft in den Schritt greift. Die Dialoge sind bissig, machen manchmal auch nachdenklich und lassen die Zuschauer mitleiden, allerdings nie zu sehr, denn die „Wunderübung“ bleibt stets eine amüsante Komödie.

„Lieber dreimal verglühen als einmal erfrieren“, hält Joana schließlich fest – ein bisschen Streit hat ihrer Meinung nach also noch keiner Beziehung geschadet, allzu viel Harmonie sei tödlich.

Vom Publikum gab es für die drei Schauspieler viel Beifall an diesem Abend. Vielleicht hat auch das ein oder andere Pärchen sich im Laufe des Stückes wiedererkannt – die vielen Lacher lassen es zumindest vermuten.

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