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09.01.2008

Entgleisungen und falsch gestellte Weichen

Am Samstag, 15. August 1874, dampfte die erste Lokomotive, mit ein paar grünen Tannenzweigen geschmückt, über die neu gebaute Donautalbahnstrecke zwischen Ingolstadt und Donauwörth. Das erste Malheur ereignete sich wenige Tage nach der Eröffnung der Linie.

Am 20. August 1874 dampfte um 20.20 Uhr wieder ein Personenzug von Ingolstadt in Richtung Donauwörth. Aber schon zwischen Haunwöhr und Weichering entgleisten mehrere Waggons. Ein Wagen wurde auf den Bahndamm geschleudert, der andere quer über die Schienen geworfen. Eine Bahnwärterin aus Unterhausen und der Bremser erlitten leichte Verletzungen, vier Personenwagen und ein Postwagen wurden unbrauchbar.

Rund zehn Jahre später kam es laut dem Tagebuch der Donautalbahn zum nächsten Unfall. Am 7. Juli 1884 durchbrach ein scheuendes Pferd samt leerem Heuwagen bei Kunding eine geschlossene Bahnschranke. Der Zug erfasste das Tier an den Hinterbeinen und schleifte den Heuwagen einige Meter mit und zertrümmerte ihn.

Vier Wochen später, am 11. August 1884, kam es bei Burgheim zu einem ähnlichen Vorfall. Zwei Frauen und zwei Kinder waren mit ihrem einspännigen Wagen unterwegs als plötzlich ihr Pferd scheute. Es sprang über die Bahnschranke. Der Wagen mit seinen vier Fahrgästen blieb jedoch hängen. Während eine Frau mitgeschleift wurde und einen Doppelrippenbruch erlitt, wurden die anderen Insassen vom Wagen geschleudert, kamen aber mit leichten Verletzungen davon. Weitaus glimpflicher lief 1898 in Burgheim eine falsche Weichenstellung ab. Dabei fuhr ein Zug am 15. November auf einen Bahndienstwagen auf und beschädigte diesen. Verletzt wurde niemand.

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Ein tragischer Unfall ereignete sich jedoch am 7. Januar 1900. Eine wahrscheinlich schwerhörige und kurzsichtige Frau betrat am Neuburger Bahnhof das Gleis, obwohl der Zug bereits einfuhr. Sie wollte offenbar einen Verwandten, der in den falschen Zug eingestiegen war, nochmals zurückholen. Sie wurde daraufhin zwischen Lokomotive und Tender eingequetscht. Die Frau wurde mit zwei gebrochenen Füßen und schweren Kopfverletzungen noch ins Neuburger Krankenhaus eingeliefert werden, verstarb dann jedoch wenig später.

Das größte Zugunglück auf der Strecke Ingolstadt-Donauwörth ereignete sich wohl am 5. Juni 1970 vor Maxweiler. Ein Eilzug von Regensburg nach Ulm erfasste dabei einen Tanklaster, der den unbeschrankten Bahnübergang überquerte. Der Aufprall der schweren Diesellok war so heftig, dass der Öllaster von der Straße gerissen und gegen ein blechernes Kontrollhäuschen geschleudert wurde. Das Fahrerhaus flog 40 Meter durch die Luft, der Motor lag etwa 30 Meter vom Unfallort entfernt. Der Fahrer des Lasters überlebte den Unfall nicht. Der Eilzug kam erst nach 400 Metern zum Stehen, obwohl beim Zusammenprall zwei Räder der Lokomotive aus dem Gleis sprangen. Wie durch ein Wunder kippte der Zug nicht über die drei Meter hohe Böschung. Die Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon und wurden kurze Zeit später mit dem Bus weiter befördert.

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