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Jazz

21.01.2019

Er gibt sich dem Zauber des Augenblicks hin

Der Münchener Pianist Claus Raible trat im Birdland auf.
Bild: Tobias Böcker

Der Münchner Pianist Claus Raible setzte im Birdland Tradition und Moderne in eine große Klammer

Art of Piano 204 – und wieder ein Meister ganz eigener Klasse! Der Münchener Pianist Claus Raible ist einer der Musiker, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen im Neuburger Birdland Jazzclub auftreten. Immer wieder in unterschiedlichen Besetzungen, mal als Leader, mal als Begleiter, immer mit bleibendem Eindruck, sei es im Duo, im Sextett, mit seinem Bop’chestra oder wie diesmal im Trio.

Mit dem elastisch groovenden Bassisten Giorgios Antoniou und dem quirligen Schlagzeug-Altmeister Alvin Queen spielte Raible so inspiriert und leichtgängig zusammen, dass es eine wahre Freude war. Da watschelte „The Pinguin“ munter übers Eis, erkundeten „Little Freddies Steps“ in munterer Neugierde die Welt, ließen Standards wie „I Remember April“ oder Smoke Gets in Your Eyes“ alte Frische aufleben und etliche noch unbetitelte Eigenkompositionen die Fans im Jazzclub aufhorchen.

Wer „richtigen“ Jazz hören will, der mit Klasse Tradition und Moderne in einer großer Klammer zusammenhält, ist bei Claus Rauble genau richtig. Die alten Kämpen des Harlem Stride sind ihm ebenso Referenz wie die Gipfelstürmer des Bebop. Pete Johnson und Willi „The Lion“ Smith zählt er ebenso zu seinen Vorbildern wie Budd Powel oder Tadd Dameron. Dass er dabei kein Gestriger ist, sondern sich mit offenem Visier der Gegenwart stellt und dem Zauber des Augenblicks hinzugeben weiß, bewies einmal mehr dieser Januarabend im Birdland. Quicklebendig, hellwach und hoch konzentriert erfüllte Claus Raible den Jazzkeller mit profunder Musikalität. Bei aller äußerlichen Lässigkeit, mit der er den Klavierhocker zugunsten einer Stuhllehne verschmähte: Der Pianist war mit Leib und Seele bei der Sache, wartete immer wieder mit geistreichen Überraschungen und Wendungen auf und zeigte mit Verve, was der Bösendorfer auf der Pfanne hat, nicht zuletzt in Dizzy Gillespies „Night in Tunesia“. Das sprudelte nur so, perlte und prickelte ungemein lebendig, fantasievoll und authentisch wie ein belebender Jungbrunnen. (tb)

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