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13.08.2014

Er prägte die Ökumene in Neuburg

Straßenserie: Johannes-Zwanzger

Pfarrer Johannes Zwanzger (*4. Januar 1905 †29. November 1999) war vom 1. Mai 1946 bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand am 31. Oktober 1972 evangelischer Stadtpfarrer an der Christuskirche in Neuburg und hat die Geschicke und die Entwicklung in der Stadt Neuburg, vor allem, was die Ökumene betrifft, über Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt.

Weil er in seiner früheren Pfarrei in Thüngen/Unterfranken über drei Pogrome, die er selbst erlebte, öffentlich von der Kanzel schimpfte und sich damit selbst in Gefahr brachte, versetzte ihn 1938 der Landesbischof nach München zur Inneren Mission. Seine neue Aufgabe war es, als Leiter der neu eingerichteten „Hilfsstelle“ Christen mit „nichtarischer Herkunft“ (Juden) zu helfen. Diese schwere Aufgabe bestand darin, den genannten Personenkreis zu beraten, den Betroffenen praktisch und seelsorgerlich beizustehen, vor allem aber ihnen Hilfe bei der Auswanderung zuteilwerden zu lassen. In zahlreichen Fällen konnte Pfarrer Zwanzger entscheidend dazu beitragen, dass die Ausreise gelang. Seinem gefährlichen Dienst verdanken viele Menschen ihr Leben. Nach seiner Versetzung 1946 an die Christuskirche in Neuburg hat er sich neben seinen seelsorgerlichen und administrativen Verpflichtungen als Stadtpfar-rer mit endlos viel Ausdauer und Hingabe unter anderem der großen Zahl an Heimatvertriebenen und Flüchtlingen gewidmet, war ihnen in den schweren Nachkriegsjahren als Seelsorger und Helfer eine lebenswichtige Stütze.

Landesbischof D. Dr. Hanselmann lobte das Bemühen von Johannes Zwanzger, ihm sei es zu verdanken, dass die Schlosskapelle, der früheste Sakralbau im deutschen Protestantismus, nach der Freilegung der Kunstwerke ab 1955 wieder dem gottesdienstlichen Leben zugänglich gemacht wurde. In die Amtszeit von Pfarrer Johannes Zwanzger fallen außerdem der Neubau des Gemeindezentrums Christuskirche und der Neubau der Apostelkirche mit Gemeindezentrum. Große Aufgaben, die neben der Seelsorge viel Kraft gekostet haben.

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Nach dem Urteil von maßgeblichen Kirchenvertretern wird Pfarrer Zwanzger heute schon wegen seines Einsatzes für „nichtarische“ Christen im Dritten Reich zu den wichtigsten Persönlichkeiten der bayerischen Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts gerechnet.

Der Bauausschuss hat am 21. Mai 2014 beschlossen, eine der vier neuen Erschließungsstraßen im Baugebiet Neuburg-West am Donauwörther Berg „Johannes-Zwanzger-Straße“ zu nennen.

Die kleine Serie erscheint immer mittwochs.

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