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Kommunalwahl 2020

27.03.2020

Erdrutschsieg für Harald Reisner in Schrobenhausen

Herausforderer Harald Reisner wurde von den Schrobenhausenern mit überwältigender Mehrheit ins Rathaus gewählt.
Bild: Studio Krammer

Plus Der OB-Kandidat der Freien Wähler gewinnt gegen den CSU-Amtsinhaber in Schrobenhausen mit 80,2 Prozent. Die Enttäuschung stand Karlheinz Stephan ins Gesicht geschrieben.

„Die breite Mehrheit der Wählerinnen und Wähler will den Wechsel im Bürgermeisteramt, das habe ich zu akzeptieren und das tue ich auch“, kommentiert der bisherige Amtsinhaber Karlheinz Stephan (CSU) das Ergebnis der Bürgermeister-Stichwahl in Schrobenhausen am Sonntag. Mit 80,2 Prozent wurde Herausforderer Harald Reisner (FW) zum neuen Rathauschef gewählt, für Stephan stimmten 19,8 Prozent. Damit ergibt sich ein ähnlich deutliches Bild wie vor zwei Wochen: Während es der Amtsinhaber auf 22,2 Prozent der Voten gebracht hatte, war es Reisner mit 42,6 Prozent gelungen, fast doppelt so viele Wähler für sich zu gewinnen.

Bisheriger OB von Schrobenhausen Karlheinz Stephan gab sich betrübt

Die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Dass Karlheinz Stephan in seiner womöglichen schwersten Stunde als Kommunalpolitiker coronabedingt in seinem Büro alleine war, verlieh diesem Abend einen besonders erbarmungslosen Charakter. Und er versuchte auch gar nicht, seine Gemütsverfassung zu überspielen. „Es ist natürlich eine heftige Watschn“, gestand Stephan. „Ich hatte jetzt 14 Tage Zeit, mich auf dieses Szenario einzustellen. Nach dem Wahlergebnis am 15. März war mir fast klar, dass das nichts mehr wird.“ Dennoch betonte er: „Dass ich die Geschicke meiner Heimatstadt in den letzten knapp 14 Jahren lenken durfte, empfinde ich als Ehre.“

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Die Amtsgeschäfte Anfang Mai in einer derart schwierigen Zeit übergeben zu müssen, „ich wünschte, dass das unter anderen Vorzeichen über die Bühne ginge“, sagt Stephan. Noch den ganzen April hindurch, bis zu Reisners offiziellem Amtsantritt am 1. Mai, werde die Coronapandemie das beherrschende Thema sein. „Ich dränge mich Harry Reisner nicht auf, aber ich biete ihm an, meinen Beitrag zu leisten, dass wir gemeinsam diese gewaltige Herausforderung bestehen, auch, dass wir die Übergabe der Dienstgeschäfte bestmöglich hinbekommen“, sagte Stephan.

Kommunalwahl 2020 in Schrobenhausen: Reisner setzte sich durch

Beruflich dürfte es für den promovierten Chemiker nun zurück ins Bayerischen Staatsministerium gehen. „Da werde ich die nächsten Tage mal anklopfen“, hat sich Karlheinz Stephan vorgenommen. „Grundsätzlich bin ich ja als Staatsbeamter der Stadt Schrobenhausen nur ausgeliehen.“

Trotz allen Frustes lag Stephan am Herzen, seinem Nachfolger zum Wahlsieg zu gratulieren. „Es war ein wohltuend anständiger Wahlkampf zwischen Harry Reisner und mir. Das ist eine gute Basis für einen Neuanfang unter geänderten Vorzeichen.“

Karlheinz Stephan wurde nach 14 Jahren im Amt als Schrobenhausener Bürgermeister abgewählt.
Bild: Ute de Pascale

Wo auf der einen Seite bittere Enttäuschung herrschte, dürften auf der anderen Seite die Schampuskorken knallen – oder? „Ich bin nicht so der Champagnerfan“, wiegelte Harry Reisner ab – „wenn, dann eher Weißbier“. Der 58-jährige Finanzbeamte versicherte: „Für Karlheinz tut es mir schon ein bisschen leid“, aber das sei nun mal der Wählerwille.

Während sein Ergebnis vor zwei Wochen schon „eine Riesenüberraschung“ gewesen sei, habe sein Stichwahlergebnis noch eins draufgesetzt. „80 Prozent, das ist der Wahnsinn!“, jubelte Reisner. Einen derart grandiosen Wahlerfolg empfand der Vater dreier erwachsener Töchter „als eine Herausforderung, die ich zu 100 Prozent annehmen will“. Auch wenn er das Zepter in schwierigen Zeiten übernehmen müsse, ein ganz klein wenig Feiern war an diesem Abend dennoch angesagt: „Eine Halbe geht heut schon“, meinte Reisner schmunzelnd.

Stichwahl 2020: Lesen Sie dazu auch unseren Live-Blog.

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