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Schrobenhausen

27.09.2015

Erfundene Vergewaltigungen: Unbekannte hetzen gegen Flüchtlinge

Bild: Ralf Lienert

Verleumdung im Internet: Unbekannte beschuldigen Asylbewerber regelmäßig der Vergewaltigung. Alles Blödsinn, sagt die Polizei - und räumt auch mit weiteren Anschuldigungen auf.

„Das ist alles Blödsinn, da steckt nichts dahinter.“ Der Leiter der Polizei Schrobenhausen, Klaus Rewitzer, dementiert mit aller Entschiedenheit die Gerüchte, die unlängst in sozialen Netzen im Internet für Aufruhr gesorgt haben. Demnach hätte es drei Vergewaltigungen von Frauen durch Asylbewerber in Schrobenhausen gegeben – und Polizei und Presse hätten einen Maulkorb verpasst bekommen. In der Kreistagssitzung am Donnerstag nahm Rewitzer dazu Stellung und sagte: Die Informationen seien schlichtweg falsch, denn es gab in Schrobenhausen keine Sexualübergriffe durch Flüchtlinge.

Seit drei Monaten habe die Schrobenhausener Polizeiinspektion mit Asylsuchenden zu tun, seitdem habe es aber nur zwei Vorfälle gegeben, die die Polizei verfolgt habe: Am Mittwoch und am Donnerstag seien jeweils ein Mann bei Ladendiebstählen erwischt worden. Der „gravierendste“ Schaden sei dabei entstanden, dass einer der Männer bei seinem Fluchtversuch über ein Auto getürmt sei und Kratzer im Lack hinterlassen habe. Beide Männer wurden gefasst.

Asylbewerber: Anmache ja, Sexualdelikte nein

Darüber hinaus seien der Polizei Schrobenhausen zwei, drei Fälle gemeldet worden, in denen sich Frauen belästigt gefühlt haben. Dabei handelte es sich um Anmachversuche, die allerdings strafrechtlich nicht relevant wurden. „Da gab es zum Beispiel einen Fall, dass ein Asylbewerber einer Frau sein Handy gezeigt habe, auf dem ,Ich liebe dich’ stand“, verdeutlicht Rewitzer die Situation.

Erfundene Vergewaltigungen: Unbekannte hetzen gegen Flüchtlinge

Auch ein weiterer Fall blieb bislang ohne Folgen – allerdings aus dem Grund, weil die Polizei Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Betroffenen hat. „Angeblich soll eine Frau von einem Asylbewerber angegrapscht worden sein. Allerdings macht sie dazu keinerlei Angaben und kooperiert überhaupt nicht mit uns“, sagte Rewitzer in der Kreistagssitzung. Darüber hinaus sei ihm der Freund der Frau, der die Sache angezeigt habe, bekannt. Der Mann hätte bei der Anti-Moschee-Demo in vorderster Front aufseiten der Pro Bewegung Bayern gestanden. „Ich rechne ihn deshalb der rechten Szene zu.“ Beide Fakten zusammengenommen geht Rewitzer deshalb davon aus, dass der Vorfall schlichtweg erfunden wurde.

Im Internet kursierte darüber hinaus ein weiteres Gerücht, dass Discounter in Schrobenhausen angeblich Wasserflaschen an Asylbewerber verschenken würden, die das Wasser dann vor dem Eingang ausgeschüttet hätten, um sofort das Pfand zu kassieren. Außerdem hätten Supermärkte vorübergehend schließen müssen, weil sich Flüchtlinge derart aufgeführt hätten. „Beides stimmt nicht ansatzweise“, betonte Rewitzer. Weder hätten Supermärkte Wasser verschenkt, noch hätten welche schließen müssen. „Die Mitarbeiter haben uns sogar versichert, dass sich die Asylbewerber besser benehmen als so mancher Deutscher.“

Polizei will Verleumdung im Internet strenger kontrollieren

Für die Polizei ist es schwierig bis unmöglich, den Urhebern solcher fremdenfeindlicher Gerüchte im Internet auf die Spur zu kommen. Nichtsdestotrotz will sie die sozialen Netzwerke künftig besser im Auge behalten, um früher gegensteuern zu können.

Seit in Schrobenhausen Asylbewerber untergebracht sind, hätten die Beamten der Schrobenhausener PI in der Tat mehr Arbeit, gab Rewitzer zu. Allerdings liege das ausschließlich daran, dass sie zusätzliche Patrouillen zu den Asylunterkünften und bekannten Treffpunkten in der Stadt fahren würden. Die Polizeipräsenz soll einerseits den Bürgern ein subjektives Sicherheitsgefühl geben und andererseits die Asylbewerber vor Anschlägen fremdenfeindlicher Gruppierungen schützen.

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