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Justiz

12.05.2015

Erinnerungsstückwerk

Das Berufungsverfahren wegen des falschen Einsatzberichtes eines Polizisten bleibt mühevoll

Zweiter Verhandlungstag in dem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Ingolstadt in Sachen falscher Einsatzbericht eines Polizisten nach Schlagstockgebrauch.

Auf der Anklagebank sitzt – wie mehrfach berichtet – ein Beamter der Ingolstädter Inspektion. In erster Instanz war der Familienvater im Oktober vergangenen Jahres vom Amtsgericht Ingolstadt zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden. Ihm droht, aus dem Staatsdienst entfernt zu werden und seine Pensionsansprüche zu verlieren.

Der Mann hatte nach Überzeugung von Amtsgerichtsvizedirektor Christian Veh einen dienstlichen Bericht über einen Schlagstockeinsatz geschrieben, der nicht den Tatsachen entsprach. Es geht um ein Fußballspiel zwischen dem FC Ingolstadt II und Eintracht Bamberg im Sommer 2013. Bamberg hatte verloren und eine aus Franken angereiste Gruppe sogenannter Fans war danach schlecht drauf. Schon am Stadion hatte es Ärger gegeben. Am späten Abend nach dem Spiel sollten die „Fans“ am Hauptbahnhof – möglichst ohne weitere Zwischenfälle – von den Polizisten durch die Unterführung ans richtige Gleis gebracht und in den Zug zurück nach Bamberg gebracht werden. In aufgeheizter Stimmung eskalierte die Situation dann an der Treppe des Hauptbahnhofs runter zur Unterführung. Der Polizist hatte in dem fraglichen Einsatzbericht einen Anhänger der Bamberger Mannschaft beschuldigt, ihn von hinten in den Rücken getreten und ihn daraufhin mit einer abgeschlagenen Bierflasche bedroht zu haben. Daraufhin hatte er den Schlagstock gegen den 24-jährigen Studenten eingesetzt. Ein Handyvideo zeigt aber, dass sich diese entscheidende Szene anders zugetragen haben muss. Eine Bierflasche hatte der Student zwar in der Hand. Die wird aber nirgendwo zerbrochen und als Waffe eingesetzt, sondern ein Polizist entwendet sie dem jungen Mann. Auch das steht nicht in dem Einsatzbericht.

Er hatte vor Gericht gesagt, er könne sich die offensichtliche Diskrepanz zwischen Bericht und Video nur damit erklären, dass er in dieser eskalierenden Ausnahmesituation möglicherweise zwei Szenen an jenem Abend als eine abgespeichert habe: „Ich habe mit Sicherheit niemanden falsch beschuldigt.“

Die Staatsanwaltschaft hat daran aber ihre Zweifel: Eine Überreaktion im Einsatz ist das eine, aber solche Unterschiede zwischen Erinnerung, Bericht und Video?

Von den gestern vom Gericht befragten Zeugen – allesamt Polizeibeamten – gaben nun mehrere zu Protokoll, dass in der Situation auf der Bahnhofstreppe durchaus Flaschen zerbrochen seien. Ein Polizist sagte auch aus, dass er einen Fan gesehen habe, der mit einer Bierflasche auf einen Polizisten losgegangen sei. Diese sei aber nicht zerbrochen gewesen. Auch sei diese Bedrohungssituation nicht dieselbe gewesen, die dann kurz darauf den Schlagstock-Einsatz des Angeklagten auslöste. Dieser Vorfall habe sich kurz davor etwas oberhalb auf der Treppe ereignet. Er könne sich zudem nicht mehr erinnern, ob der bedrohte Polizist der Angeklagte gewesen sei.

Nicht wenige Zeugenaussagen blieben gestern Stückwerke der Erinnerung. Manche der befragte Polizisten mussten ihre Aussage revidieren – nachdem ihnen das Video vorgeführt wurde. (kuepp)

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