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Neuburg/Donau

05.11.2018

Ernst-Toller-Preis für Wolf Biermann

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Für seine herausragenden Leistungen im Grenzbereich von Literatur und Politik erhält Wolf Biermann als Zehnter den Ernst-Toller-Preis.
Bild: Hans Scherhaufer

Liedermacher und Schriftsteller Wolf Biermann erhält den 10. Ernst-Toller-Preis. Er reiht sich damit nahtlos in die Liste der bislang Ausgezeichneten ein.

 Es war einer der Wünsche, der bei der Preisverleihung an Roman Ehrlich vor zwei Jahren geäußert worden war – und er geht in Erfüllung: Am 1. Dezember, dem Tag, an dem Ernst Toller seinen 125. Geburtstag feiern würde, wird im Stadttheater zum zehnten Mal seit 1997 der nach ihm benannte Literaturpreis verliehen. Der diesmal Geehrte reiht sich nahtlos in die Liste der bisher ausgezeichneten Autoren ein, zu denen unter anderem der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass sowie Kabarettist, Schauspieler und Autor Gerhard Polt zählen: Es ist der Liedermacher und Schriftsteller Wolf Biermann.

Wolf Biermann siedelte 1953 in die DDR über, 1976 wurde er ausgebürgert

Biermann wird am 15. November 82 Jahre alt. In Hamburg als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren, siedelte er 1953 in die DDR über. 1960 komponierte und schrieb der scharfe Kritiker des dortigen Systems erste Lieder und Gedichte. 1965 wurde gegen ihn ein Auftritts- und Publikationsverbot verhängt und 1976 wurde ihm eine spätere Wiedereinreise aus der Bundesrepublik Deutschland nach einer zuvor genehmigten Konzerttour verweigert. Seine Ausbürgerung löste bei Intellektuellen in Ost und West breite Proteste aus. Biermann kritisierte auch in der Bundesrepublik weiter die DDR und kämpfte nach der Wiedervereinigung für die Aufarbeitung des SED-Unrechts. Er wurde bereits mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Seine Gedichtbände zählen zu den meistverkauften der deutschen Nachkriegsliteratur. 2016 erschien seine Autobiographie mit dem Titel „Warte nicht auf bessre Zeiten!“

Als Dr. Dieter Distl, Vorsitzender der Ernst-Toller-Gesellschaft und langjähriger Kulturamtsleiter der Stadt Neuburg, das Buch gelesen hatte, „wurde mir erst bewusst, was wir alles bereits wieder vergessen haben.“ Er bewundert das Schaffen von Wolf Biermann bereits seit vielen Jahren und war schon auf dessen zweitem Konzert nach seiner Ausbürgerung 1976 in München. „Das war irre. Er musste damals nur mit den Zugaben aufhören, weil sonst keine S-Bahn mehr gefahren wäre“, erinnert sich Distl.

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Der Lions Club Neuburg finanziert den Ernst-Toller-Preis von Beginn an

Seit die Ernst-Toller-Gesellschaft die Auszeichnung verleiht, so lange steht ihr der Lions Club Neuburg zur Seite. Mit dem Erlös aus seinem Bücherbasar stattet der Lions Club nämlich seit der ersten Verleihung den Literaturpreis finanziell aus. Über 50000 Euro sind mit dem Sammeln, Ordnen und dem darauffolgenden Wiederverkauf von gebrauchter Lektüre im Rahmen des Lions-Bücherbasars mittlerweile zusammengekommen. Erhielt der erste Preisträger, Albert Ostermaier, 1997 noch 2500 D-Mark, gab es für die folgenden Geehrten jeweils 5000 Euro Preisgeld.

Der Preis soll das Schaffen des Schriftstellers Ernst Toller am Leben halten, der am 1. Dezember 1893 geboren wurde und sich am 22. Mai 1939 im New Yorker im Exil erhängte. Die bedeutendsten Werke Tollers sind während seiner fünfjährigen Haftzeit, die er für seine Beteiligung an der Bayerischen Räterepublik zu verbüßen hatte, in den Haftanstalten Eichstätt und Neuburg, aber vor allem in der in Niederschönenfeld entstanden.

Als politischer Redner und Autor war Toller der international am meisten geachtete deutsche Dichter der ersten Hälfte der Zwanzigerjahre. Der einzige Literaturpreis eines deutschen Lions Clubs wird genau aus diesem Grund für herausragende Leistungen im Grenzbereich von Literatur und Politik verliehen.

Gold- und Silberschmied Rudolf Bott verleiht dem Ernst-Toller-Preis von Beginn an eine angemessene materielle Gestalt. Er formte dazu aus Silber ein Blatt mit leicht abgeknicktem Stiel.

Wolf Biermann ist der zehnte Preisträger am „Silberbaum“ der Geehrten

Die Preisträger nehmen „ihr“ Blatt bei der Verleihung in Empfang, geben es aber danach zurück. Es wird Teil eines „Silber-Baumes“, dessen Blätter symbolisch alle Preisträger repräsentieren. Die zehnte Preisverleihung findet am Samstag, 1. Dezember, ab 18 Uhr im Stadttheater Neuburg statt. Die Laudatio auf Wolf Biermann wird Prof. em. Dr. Wulf Segebrecht halten. Die Begründung der Jury trägt einmal mehr Literaturwissenschaftlerin und -kritikerin Kirsten Reimers vor. Außerdem soll, „wenn alles gut geht“ (Dieter Distl), am Samstag auch der Band aller zehn Toller-Preis-Reden mit Bildern aller Preisträger aufliegen. Damit würde auch der zweite 2016 ausgesprochene Wunsch in Erfüllung gehen.

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