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Obstanbau

29.06.2020

Erntezeit im Neuburger Kirschendorf Gietlhausen

Die Ernte schmeckt ganz gut: Elfriede Müller hat sich mit ihren Enkelinnen Paula und Hanna frische Kirschen in Gietlhausen geholt.
Bild: Winfried Rein

Plus Die Gietlhausener rücken derzeit zum Pflücken aus. Aber die Plantagen verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung. Georg Weingärtner ist der letzte Pionier.

Gietlhausen ist wieder ganz oben – auf hohen Leitern. Die Kirschernte hat begonnen und nach Lage der Dinge fällt sie heuer eher mäßig aus. Die Nachtfröste im Frühjahr durchkreuzten die Blütezeit, aber etliche Bäume leuchten jetzt trotzdem rot voller süßer Früchte.

Wie es so ist mit dem Wetter, war es im Mai zu trocken und zuletzt zu nass. Etliche Kirschen springen deshalb auf und beginnen zu faulen. Auf eine Rekordernte sind die Gietlhausener ohnehin nicht mehr scharf. Die Kirschbäume der Altvorderen sind zwar keine Last geworden, aber das Pflücken ist mühsam und der Verkauf geht ebenso wie das Interesse der Jungen zurück. Das Kirschendorf ist der Sache ein bisschen müde geworden.

Schwer behangene Äste biegen sich unter dem Gewicht der Früchte.
Bild: Winfried Rein

Die Kirschenernte bei Familie Reng läuft noch bis Juli

Aber es gibt Kirschen frisch vom Baum. Familie Ernst Reng nutzt den besten Verkaufsplatz und Kinder organisieren den „Straßenverkauf“. Das Kilo kostet heuer etwa vier Euro. Einige Plantagenbesitzer lassen die Kunden auf Wunsch selber pflücken, dann sinkt der Preis. Familie Reng lebt noch mit den Kirschen, die Kinder helfen mit und der Familienvorstand hat sich zwei Wochen „Kirschenurlaub“ genommen. Die Ernte ist derzeit mittendrin, sie wird nur noch einige Tage bis in den Juli hinein laufen.

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Einer der Pioniere, die in den 60er Jahren Kirschbäume gepflanzt und gehegt haben, ist Georg Weingärtner. Auf die hohe Leiter steigt der 92-Jährige nicht mehr, aber die Plantage am Jurahang ist noch tiptop in Schuss. „Das müssen jetzt die Jungen machen“, gibt er den Staffelstab an die nächste Generation weiter. Die dunkelroten süßen Herzkirschen ernten sie erst Anfang Juli. Eine Besonderheit im Weingärtner-Garten ist zweifellos ein uralter Kirschbaum. Der Hundertjährige trägt noch gut Früchte.

Die Bedingungen für den Anbau von Kirschen in Gietlhausen sind ideal

Die wenigsten Hausfrauen wecken noch ein, vor Jahren kauften sie zehn Kilo und mehr. Und Kirschen aus Spanien, Chile oder Peru gibt es heute das ganze Jahr über. „Früher war Kirschendiebstahl eine ernste Angelegenheit“, weiß Walter Wörle, heute regt sich keiner mehr darüber auf. Einst vertrieben Leuchtkugeln und Karbidschüsse die Stare, heute holen sich die Vögel ungestört die schönste Früchte von der Baumspitze. „Lass sie doch“, hat Dieter Maier stets gesagt, in seinem prächtigen Kirschgarten hat er seit Jahren nur noch das Nötigste geerntet. Der Gietlhausener ist vor wenigen Wochen mit 75 Jahren verstorben.

Georg Weingärtner zählt zu den Pionieren des Kirschenanbaus in Gietlhausen.
Bild: Winfried Rein

Das Kleinklima am Gietlhausener Juraausläufer fördert seit Jahrhunderten den Obstanbau. Die Bodenbeschaffenheit ist günstig und der Wald schützt die Plantagen vor späten Nachtfrösten. Dennoch hat die „Schafskälte“ der Kirschblüte oft genug im April/Mai den Garaus gemacht.

Anton Schäffler, Gartenbau-Fachberater des Landkreises in den 1950er und 1960er Jahren, hatte ein Faible für das Kirschendorf. Unter seiner Anleitung vergrößerten die Bauern ihre Plantagen. Wenn die Bäume im April erblühen oder im Winter Skilangläufer ihre Spuren durch die Gärten ziehen, dann zeigt sich der Ort wieder als „Perle unter den Stadtteilen“, wie OB Bernhard Gmehling den Gietlhausenern Komplimente macht.

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