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Amtsgericht

30.06.2009

Erpresservideo vom Homo-Treff

Einen in mehrfacher Hinsicht ziemlich delikaten Fall hatte gestern Amtsrichter Michael Fein: Er verhandelte gegen einen Eichstätter Studenten, der bei einem Treffen mit einem Homosexuellen heimlich ein Video aufgezeichnet hatte.

Der junge Mann hatte sich im Jahr 2006 erstmals mit dem Homosexuellen aus Eichstätt in München getroffen. Danach soll es laut Anklage zahlreiche weitere Treffen gegeben haben, bei der es nach Angaben des Eichstätters auch regelmäßig zu sexuellen Handlungen kam. Als der deutlich ältere Mann seinen jüngeren Gefährten dann im vergangenen Jahr auch einmal in dessen Wohnung in Eichstätt besuchte, lief eine Videokamera mit. Tage danach sei er von seinem Geschlechtspartner dann mit diesen Aufnahmen erpresst worden. Der Student habe 6000 Euro verlangt, andernfalls werde er alles seiner Ehefrau erzählen, sagte der Zeuge danach bei der Polizei und jetzt auch vor dem Amtsrichter aus.

Das Video zeigt den Angeklagten und seinen Besucher auf einem Sofa. Mindestens zweimal stand der Angeklagte auf, um die Kamera auf dem kleinen Tisch gegenüber unauffällig in die richtige Position zu rücken, waren Richter Fein und Staatsanwältin Verena Kikut überzeugt. Da der Angeklagte in akuter Geldnot ist und bald von der Uni Eichstätt fliegen könnte, weil er mit seinen Studiengebühren im Rückstand ist, ergab sich für die Vertreterin der Anklage ein rundes Bild.

Der Student stritt hingegen alle Vorwürfe der versuchten Erpressung und der Verletzung des höchst persönlichen Lebensbereiches durch Bild- und Tonaufnahmen ab. Die Kamera sei zufällig mitgelaufen, nicht er habe den Zeugen, sondern jener ihn erpresst, weil er den Mann zurückgewiesen habe, sagte er.

Erpresservideo vom Homo-Treff

Nun droht die Abschiebung

Sein Eichstätter Anwalt spricht von einer perfiden Taktik des Zeugen und ist von der Unschuld seines Mandanten überzeugt. Laut Verteidiger wird der junge Mann seit Jahren von ihm selbst, Anwaltskollegen aus Eichstätt und Ingolstadt sowie den Kapuzinern in Eichstätt unterstützt. Ein Kapuzinerpater verfolgte die Verhandlung auch interessiert.

Das Gericht verhängte sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit. Weil der Angeklagte Marokkaner ist, droht ihm laut Rechtsanwalt jetzt die Abschiebung.

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