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Karlshuld

09.10.2017

Es geht um die Zukunft des Donaumooses

Das Donaumoos schafft ungewöhnliche Lichtmomente im Herbst. Diesen Augenblick von Pöttmes aus ins Moos hat Silvia Eckert-Wagner bei Frühnebel festgehalten. Bäume, Sträucher und Nebelschwaden, die leichte Röte am Morgenhimmel und die Abwechslung von Acker und Wiese schaffen einen abwechslungsreichen Anblick.
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Das Donaumoos schafft ungewöhnliche Lichtmomente im Herbst. Diesen Augenblick von Pöttmes aus ins Moos hat Silvia Eckert-Wagner bei Frühnebel festgehalten. Bäume, Sträucher und Nebelschwaden, die leichte Röte am Morgenhimmel und die Abwechslung von Acker und Wiese schaffen einen abwechslungsreichen Anblick.
Bild: Silvia Eckert-Wagner

Die Schorner Röste, ein torfmächtiges Gebiet zwischen Pöttmes und Ehekirchen, soll renaturiert werden. Das Modellprojekt wird kontrovers diskutiert.

Die Mahnungen sind bekannt, allerdings verhallten sie bislang stets ungehört in den Weiten des Donaumooses. Ernüchtert hatten etwa vor Jahresfrist Experten vom Moorzentrum der Universität Greifswald festgestellt, dass kein Niedermoorgebiet in Deutschland derart drastisch auf Trockenlegung ausgerichtet sei. „Mit der Wasseraustreibung im Donaumoos ist irgendwann Schluss. Dann sind die Böden wertlos, das muss endlich auch in die Köpfe der Landwirte“, formulierte es Ulrich Mayer, Kreisgruppenvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), gestern auf der Sitzung des Donaumoos-Zweckverbands (DZV) an die Adresse der Gegner eines umstrittenen Modellprojekts. Bei privaten Grundbesitzern ist die Renaturierung der Schorner Röste, einem rund 339 Hektar großen Gebiet mit noch großer Torfmächtigkeit an der Bezirks- und Landkreisgrenze, höchst umstritten.

Angestoßen hat die Diskussion eine Machbarkeitsstudie der Regierung von Schwaben, drei Viertel des Untersuchungsgebiets liegen auf Pöttmeser Flur. Bodenproben haben dort Moormächtigkeiten von bis zu 6,60 Meter vorgefunden. Überwiegend sei der Torfkörper jedoch durch starke Zersetzung gekennzeichnet. Die untersuchte Fläche wird zu drei Vierteln als Grünland genutzt. 25 Prozent sind Ackerland, der große Rest Wald und Gehölze. Aus fachlicher Sicht, schlussfolgern die Macher der Studie, sei das Gebiet für eine Wiedervernässung geeignet. Wegen der Topografie, das Gebiet liegt in zwei Talsenken, sei dies auch ohne Beeinträchtigung der benachbarten Siedlungen möglich.

In den Gemeindeverwaltungen stehe man den Plänen sehr positiv gegenüber, versicherte gestern der Pöttmeser Bürgermeister Franz Schindele. Seine Marktgemeinde möchte gemeinsam mit Zweckverband und Grundstückseigentümern die Schorner Röste renaturieren. Ähnlich positive Signale gebe es auch in Ehekirchen, fügte Landrat Roland Weigert an. Um die Renaturierung attraktiver zu machen, lockt der Staat mit Fördergeldern von bis zu 90 Prozent. „Das ist eine einmalige Chance, die Klimaziele der Staatsregierung zu erreichen“, warb Schindele für eine Umsetzung. Darüber hinaus könnten Hochwasserschutz, Naherholung und eine zukunftsorientierte Landwirtschaft von dem Projekt profitieren. „Allerdings“, ist dem Rathauschef klar, „wir müssen die Grundbesitzer erreichen.“

Den Hinweis griff Willi Riß vom Landratsamt auf und betonte, niemandem solle etwas aufgezwungen werden. Bisher sei stets das Prinzip der Freiwilligkeit verfolgt worden. „Das soll so bleiben.“ Eine „nasse Enteignung“ werde es nicht geben. Erika Meyer, Geschäftsstellenleiterin beim Bayerischen Bauernverband (BBV) in Ingolstadt, mahnte an, die öffentliche Hand solle bei der Bereitstellung von Flächen mit guten Beispiel vorangehen, ehe man Privateigentümer angehe. Rund 100 Hektar des Untersuchungsgebiets gehören Kommunen, dem DZV oder der Kirche, der Rest ist in privatem Eigentum. Für Gerhard Edler, Verbandsrat aus Königsmoos, stellte sich deshalb vor allem die Frage nach dem Quadratmeterpreis. Er warnte davor, ohne eine konkrete Zahl in Verhandlung mit Grundeigentümern zu gehen. „Das ist nämlich immer eine sehr sensible Sache.“ DZV-Mitarbeiter Michael Hafner verwies auf die zu gründenden Arbeitskreise, die sich unter anderem damit beschäftigen werden. Einen Pauschalpreis könne man nicht festlegen, „der wird sich am Marktpreis, der Bonität sowie Angebot und Nachfrage orientieren.“

Bis ins ausgehenden 18. Jahrhundert war das Donaumoos ein unzugänglicher Sumpf. Dann kolonisierten die Menschen das Moor und machten es urbar. Das blieb nicht ohne Folgen. Mehr als 200 Jahre Entwässerung über Gräben und Kanäle haben dem Torfkörper zugesetzt. Mancherorts ist der ausgetrocknete Boden durch Mineralisierung, also Abbau der organischen Substanzen, vollständig verschwunden. Damit verbunden sind klimaschädliche Ausgasungen, starker Bodenschwund und hoher Nitrateintrag ins Grundwasser. Jährlich löst sich eine rund 1,5 Zentimeter dicke Torf-schicht in Luft auf. Durch die Zersetzung werden über 400000 Tonnen Kohlendioxid sowie Lachgas und Methan freigesetzt, erklärte Michael Hafner den Verbandsräten. Insgesamt machen Moore fünf Prozent des Treibhausgaseffektes aus. Die von der Bundesregierung ausgerufenen Klimaschutzziele, vermutet er, würden einen „enormen politischen Druck“ erzeugen, der in Förderprogramme münde. Davon könne auch die Landwirtschaft profitieren: „Ziel sind keine überstauten Flächen. Ideal wären zehn bis 15 Zentimeter Wasser im Unterflur. Man kann da noch Gründland nutzen oder Vernässungskulturen wie Schilf anbauen.“ Diese Maßnahmen passen gut zum Entwicklungskonzept des DZV, der schon zur Jahrtausendwende ein Leitbild für die Perspektiven des Gebiets und die Schonung der Ressourcen festgelegt hat.

Auf Bürgerversammlungen in Ehekirchen und Pöttmes sollen die Bürger noch diesen Herbst über das Projekt informiert werden.

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