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Bayernoil-Raffinerie

27.11.2018

Explosion in Vohburg: Bürger melden hunderte Schadensfälle

Die Explosion in der Bayernoil-Raffinierie von Vohburg hat die gesamte Region erschüttert.
Bild: dpa

Fast drei Monate nach der verheerenden Explosion in der Bayernoil-Raffinerie von Vohburg laufen die Ermittlungen. Und die Unglücksursache steht noch nicht fest.

Fast drei Monate nach der Explosion in der Vohburger Bayernoil-Raffinerie laufen nach wie vor die Ermittlungen zur Unglücksursache. Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord auf Anfrage mitteilte, sei diese nach wie vor unklar. Die „sehr komplexe Arbeit“ der Kripo und des Landeskriminalamtes (LKA) würde sich auch noch bis in das kommende Jahr hineinziehen. Derzeit würden bestimmte Anlagenteile von LKA-Spezialisten sowie externen Gutachtern untersucht.

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Nach der Explosion in der Vohburger Raffinerie war es zu einem Großeinsatz gekommen.
Bild: Lino Mirgeler, dpa

Es gibt einen auffälligen Riss in einem Teil der Vohburger Anlage

Einer der beiden Bayernoil-Geschäftsführer, Karl Strummer, sagte: „Tatsache ist, wir wissen nicht, was die Explosionsursache ist. Wir gehen aber davon aus zu wissen, wo das Produkt ausgetreten ist.“ Und zwar in einer Benzinentschwefelungsanlage. In einem Reaktor sei ein auffälliger Riss. Allerdings stünden auch hier die Ergebnisse der metallurgischen Untersuchungen noch aus, so Strummer. Bei Bayernoil geht man nach wie vor von einer Schadenssumme im dreistelligen Millionenbereich aus. Außerdem habe das Unternehmen wegen der Explosionsfolgen unter den Produktionsausfällen zu leiden. Vor dem Unglück, erklärte Strummer, habe man zwei Drittel des bayerischen Marktes versorgt. Derzeit produziere man ein Drittel weniger.

In Vohburg ist man nach wie vor mit der Schadensinspektion beschäftigt

In der Raffinerie sei man nach wie vor mit der Schadensinspektion und den Aufräumarbeiten beschäftigt. Zugleich liefen die Vorbereitungen, damit die Anlage im kommenden Jahr nach und nach wieder in Betrieb genommen werden kann. Im Frühjahr 2019 soll es losgehen, damit in den dann folgenden Monaten alle nicht beschädigten Betriebsteile wieder ins Laufen kommen. Strummer rechnet auch mittelfristig nicht damit, dass Arbeitsplätze wegen der Explosionsfolgen in Gefahr seien. Im Augenblick gebe es sogar mehr Arbeit in der Raffinerie.

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Explosion hatte Vohburg und die gesamte Region erschüttert

Am 1. September war um 5.09 Uhr bei der Werksfeuerwehr von Bayernoil Gasalarm ausgelöst worden. Wenig später erschütterte eine heftige Explosion die ganze Region. Die Druckwelle war kilometerweit zu spüren und zerstörte zahlreiche Gebäude. 16 Personen waren laut Polizei verletzt worden. Fünf von ihnen schwerer. Tote hatte es keine zu beklagen gegeben. Nach der Explosion wurde im Landkreis Pfaffenhofen zwischenzeitlich Katastrophenalarm ausgelöst. Teile von Vohburg waren evakuiert worden. Etwa 2000 Bewohner hatten ihre Häuser verlassen müssen. Rund 600 Rettungskräfte waren im Einsatz. Wie die Integrierte Leitstelle Ingolstadt (ILS) nachgezählt hat, waren innerhalb der ersten 45 Minuten nach der Explosion allein im Bereich der ILS 258 Notrufe eingegangen.

Nach der Explosion kam es Anfang September zum Großbrand in der Bayernoil-Raffinerie in Vohburg. Die Suche nach der Ursache dauert an.
Bild: Lino Mirgeler, dpa

900 Schadensfälle sind beim Vohburger Bürgermeister gemeldet

Besonders betroffen von der Explosion war der Vohburger Ortsteil Irsching. Wie der Vohburger Bürgermeister Martin Schmidt sagte, seien für die gesamte Stadt rund 900 Schadensfälle gemeldet. Ein Großteil davon „wurde und wird unbürokratisch von Bayernoil ersetzt“, betonte der Rathauschef. Es gebe allerdings rund ein Dutzend Härtefälle für die von der Stadt ein neutraler Gutachter bestellt wurde. Das liege aber nicht an Bayernoil, sondern an den Versicherungen. „Viele Bürger sind mit denen und mit deren Schadensregulierung sehr unzufrieden.“ Schmidt geht davon aus, dass in Vohburg die Schadenssumme am Ende im unteren siebenstelligen Bereich liegen wird.

Die Explosion von Vohburg hat die Region nachhaltig erschüttert. Erst 17 Tage danach war die letzte Flamme auf dem Bayernoil-Gelände gelöscht, der letzte Rest kontrolliert abgefackelt. (kuepp)

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