1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. FDP-Mann geht am Badeweiher fremd

Weichering

19.06.2013

FDP-Mann geht am Badeweiher fremd

Bernd Sandner (links) kann offenbar nicht aus seiner Haut: In dem FDP-Vize-Kreisvorsitzenden (hier im Kreise seiner Vorstandskollegen) schlägt immer noch ein Herz für die Satirepartei "Die Partei".
Bild: Dittenhofer

Der Vize-Kreisvorsitzende der FDP Bernd Sandner wirbt am Weicheringer See mit Eierlikör für die Satire-Partei "Die PARTEI". Er wollte seine Bekannte unterstützen, sagt er.

Dass Bernd Sandner, der stellvertretende Kreisvorsitzende der FDP im Landkreis Neuburg „sehr liberale Ansichten“ hat, das hat FDP-Chefin Bettina Häring bereits gewusst. Dass ihr Vize und Bezirkstagskandidat allerdings so liberal ist, dass er über die FDP hinaus auch noch für eine andere Partei Werbung macht, nämlich für die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI)“, das versetzt Häring dann doch in Erstaunen.

Von Badetuch zu Badetuch sammelte der FDP-Mann Unterschriften

Es war am vergangenen Sonntag, als Bernd Sandner mit einem weißen T-Shirt, einem roten Käppi und einem Ausweis der PARTEI um den Hals am Weicheringer Badesee erschien. In der hinteren Hosentasche des 40-jährigen Weicheringers steckte die Flasche irgendeines Fruchtlikörs, in seiner Hand hielt er einen Eierlikör und an seiner Seite stand die Kreis- und Landesvorsitzende Andrea Schagalkowitsch, die für die PARTEI in den Bundestag einziehen möchte. Mit einer Schreibmappe bewaffnet, zogen die beiden von Badetuch zu Badetuch und sammelten Unterschriften für die 25-Jährige. Die Aussicht auf ein Gläschen Likör sollte dabei die Bereitschaft zur Unterschrift erhöhen.

„Wir haben festgestellt, dass man den Leuten was zum Trinken geben muss, sonst unterschreiben sie nicht“, gab Sandner ganz unverblümt gegenüber einem Badegast zu. Der nahm’s mit Humor und trug sich in dem „Formblatt für eine Unterstützungsunterschrift“ mit Name, Adresse und Unterschrift ein. Sein Einwand „Ich geb’s ganz offen zu: Eigentlich habe ich davon keine Ahnung!“, kam Sandner gerade recht: „Macht nix, dann sind Sie genau richtig bei uns! So was unterstützen wir!“ Zur Belohnung gab’s einen Lutscher obendrauf.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Dass Sandner als führendes FDP-Mitglied im Landkreis gleichzeitig Werbung für eine satirische Splitterpartei macht, die unter anderem die Mauer wieder aufbauen möchte, findet der 40-Jährige alles andere als befremdlich. Er wollte seine Bekannte unterstützen, die für den Einzug in den Bundestag notwendigen 200 Unterschriften zu sammeln.

„Sie hat sich nicht getraut, die Leute allein anzusprechen“, rechtfertigte er sich. Er ist zwar seit 2011 kein PARTEI-Mitglied mehr, wie er sagt. Doch das sei für ihn kein Grund gewesen, seine Unterstützung zu verwehren. „Ich stehe dazu und ich würde es jederzeit wieder machen – auch für die Piraten oder sonst wen. Denn ich finde dieses Wahlsystem dämlich“, sagte er und meinte damit die Hürde, nach der Parteien, die im Bundestag oder in einem Landtag seit deren letzten Wahl nicht ununterbrochen mit mindestens fünf Abgeordneten vertreten sind, für ihre Vorschläge Unterstützungsunterschriften von 200 Wahlberechtigten vorweisen müssen. Der Freundschaftsdienst sei aus einer „Bierlaune“ heraus entstanden, doch dass die Sache jetzt so „aufgeblasen“ würde, finde er „unspaßig“ – „weil die FDP jetzt verschnupft ist und der Leser sowieso nicht kapiert, worum’s geht.“

Überläufermanöver kommt bei FDP-Führungsspitze nicht gut an

In der Tat kam das Überläufermanöver des stellvertretenden Kreisvorsitzenden bei der FDP-Führungsspitze alles andere als gut an. „Das ist ja übel!“, reagierte Kreisvorsitzende Bettina Häring, und auch Lothar Klingenberg zeigte sich enttäuscht, weil er angenommen habe, dass Sandner mittlerweile ernsthafte Politik machen wolle. Er war es, der den Weicheringer zu den Liberalen gebracht hat; beide waren in den 1990ern Mitglieder bei den Grünen. „Bei den Grünen gab es früher schon unangepasste Typen. Dass uns FDPlern das jetzt ähnlich widerfährt, ist natürlich schade“, sagte Klingenberg. Mit Sandner habe er über den Vorfall gesprochen, der habe die Sache aber „leider“ recht locker gesehen. „Bei der Kommunalwahl werden wir das zu würdigen wissen.“

Die PARTEI ist eine satirische Splitterpartei, die 2004 von den Machern des Satiremagazins „Titanic“ gegründet wurde. Entsprechend provozierend und polemisch sind auch ihre Forderungen, die sich mitunter an nationalsozialistisches Gedankengut anlehnen (die Jugendgruppe nennt sich „Hintner-Jugend“). Das Logo der PARTEI erinnert an das Zeichen der Terrorgruppe RAF. Ansonsten denken die politischen Satiriker aber eher weniger über ihre Parteiziele nach. „Darüber machen wir uns Gedanken, wenn wir im Bundestag sind“, ließ Bernd Sandner die Badegäste in Weichering wissen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren