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Burgheim-Straß

17.09.2020

Familie aus Straß pflegt Kriegergrab seit 75 Jahren

Irmgard Müller am Grab der vier Soldaten, die am 26. April 1945 in Straß fielen. Ihre Familie übernimmt die Grabpflege seit 75 Jahren. 
Bild: Christian Felbermeir

In Straß werden 1945 vier gefallene Soldaten begraben. Weil sich die Angehörigen darum nicht kümmern können, übernimmt die Pflege Irmgard Müllers Großmutter.

Im Burgheimer Ortsteil Straß pflegt seit 75 Jahren eine Familie ein Kriegergrab – und zwar ehrenamtlich. Irmgard Müller ist nach ihrer Mutter und ihrer Großmutter bereits die dritte Generation, die diese Aufgabe übernimmt. Dafür wird sie demnächst mit der Costermano-Medaille des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge ausgezeichnet.

Von dem Kriegsgrab in Straß hat Christian Felbermeir, Kreisbeauftragter des Volksbundes, bei einer Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge im Landratsamt Neuburg erfahren. „Im Archiv des Volksbundes war dort kein Kriegsgrab verzeichnet, daher habe ich mich auf die Suche nach der Familie gemacht, die das Grab seit 75 Jahren pflegt“ berichtet Felbermeir. Irmgard Müller zeigte ihm das Grab und erzählte dessen Geschichte.

In dem Grab in Straß liegen vier gefallene Soldaten

In Straß sind am 26. April 1945, wenige Tage vor Kriegsende, vier Soldaten gefallen, darunter Major Konstantin Kleinknecht. Seine Witwe wollte, dass ihr Mann und seine Kameraden vor Ort eine letzte Ruhestätte erhalten, weshalb sie auf dem örtlichen Kirchfriedhof ein Grab kaufte. Da sie selbst aber in Stuttgart wohnte, übertrug sie die Pflege der Großmutter von Irmgard Müller aus Straß. Sie hatte selbst zwei Söhne im Osten verloren, die allerdings nicht in Straß begraben waren. „Sie hat sich daher um das Grab der vier Gefallenen gekümmert, da sie nicht das Grab ihrer Söhne Vinzenz und Josef pflegen konnte“, erklärt Irmgard Müller die Intention ihrer Oma.

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Seitdem wird die Grabpflege von Generation zu Generation weitergegeben. Dafür wird Christian Felbermeir demnächst Irmgard Müller die Costermano-Medaille überreichen. „Die kriegt nicht jeder“, macht der Kreisbeauftragte den Wert der Auszeichnung deutlich.

Irmgard Müller erhalt die Costermano-Medaille für ihr Engagement

Im Gegenzug für die jahrzehntelange, ehrenamtliche Arbeit half Christian Felbermeir bei der Suche nach den beiden gefallenen Söhnen. Der Volksbund hat die Daten von über 4,8 Millionen Toten und Vermissten im Internet auf www.volksbund.de/graebersuche.html eingestellt. So konnte er herausfinden, dass Vinzenz Schober mittlerweile auf der Volksbund-Kriegsgräberstätte Rakvere in Estland ruht; Josef Schober wurde noch nicht umgebettet. Christian Felbermeir wird nun bei der Bundesgeschäftsstelle des Volksbundes ein Bild des Grabes von Vinzenz Schober anfordern und sich erkundigen, ob und wann geplant ist, Josef Schober auf eine Kriegsgräberstätte des Volksbundes umzubetten. (nr)

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