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Neuburg

17.05.2020

Familienanschluss für zwei Rehkitze

Ersatz-Mutter Ina lässt die Kitze aus der Flasche mit Ziegenmilch trinken. Das Böcklein heißt jetzt „Xaver“ und soll später zusammen mit seiner Schwester ausgewildert werden.
Bild: Winfried Rein

Plus Nachdem eine Geiß von einem Hund zu Tode gehetzt worden war, hat sich ein Neuburger Paar dem Nachwuchs angekommen. Das wird jetzt mit Ziegenmilch aufgezogen.

Die Mutter ist tot, doch ihre beiden Jungen leben. Eine Neuburger Familie zieht gerade zwei Rehkitze mit Ziegenmilch groß. Weil sie drei Liter davon täglich trinken, wachsen sie prächtig, springen im Garten herum und sind neugierig auf alles, was sich vor ihren Augen abspielt. Als „Erwachsene“ sollen sie wieder in den Wald zurückkehren.

Dieser besondere „Familienanschluss“ hat eine traurige Vorgeschichte. Eine Rehgeiß war am Stadtrand von einem Hund gehetzt worden, raste in Panik gegen einen Zaun und brach sich dabei das Genick. Anwohner fanden das Tier und stellten rasch fest, dass es Junge gehabt haben musste. Nach langer Suche fanden sie ein weibliches Kitz und nach drei Tagen ein kleines Böcklein. „Es schrie verzweifelt aus dem Wald“, erzählt die Finderin.

Die kleinen Rehe haben schon gut an Gewicht zugelegt

Sie ist alsbald zur „Ersatz-Mutter“ geworden und füttert ihre Schützlinge mehrmals am Tag (und in der Nacht) mit Ziegenmilch aus der Flasche. Der zuständige Jagdpächter ist einverstanden. Anfangs wogen die abgemagerten Kitze nur zwei Kilogramm, nach fünf Wochen bringen sie es schon auf acht Kilo. Fuchs und wilde Katzen sind wohl keine Gefahr mehr, jetzt dürfen sie auch nachts ins Freie.

Einfach zum Knuddeln: Die kleinen Rehe haben sich prächtig entwickelt.
Bild: Winfried Rein

Aus dem Internet und von der Rehkitzhilfe holen sich die Betreuer Rat. Außerdem haben sie das männliche Kitz in der Tierarztpraxis Schneemeier kastrieren lassen und freuen sich über 100 Liter Ziegenmilch, die von Lehramtsstudierenden der Katholischen Uni Eichstätt gespendet worden sind. Sie haben die richtige Nahrung gefunden („Katzenaufzuchtsmilch ist tabu“) und lernen wöchentlich dazu.

Die Rehkitze werden im Spätsommer ausgewildert

Sie wissen, dass es sich um einen Balanceakt zwischen Wildinstinkt und Zähmung handelt. Die Neugierde der beiden Rehkitze steigt, sie knabbern diverse Pflanzen an, besonders gern Birnbaumblätter, und erweitern ihren Aktionsradius. Sie sind nicht scheu, aber auch nicht zahm. Bald dürfen sie in den erweiterten Garten am Waldrand und im Spätsommer beginnt das Abenteuer Auswilderung. In etlichen vergleichbaren Fällen hat es funktioniert. Die Alternative wäre gewesen, dass die beiden kleinen Rehe verhungert oder vom Fuchs geholt worden wären.

Besonders in der Setzzeit der Rehgeißen im Mai sollten Hunde beim Spaziergang im Forst, am Waldrand und an nahegelegenen Wiesen an der Leine bleiben. Tierdramen spielen sich jedes Frühjahr bei der Heumahd ab, wenn sich frisch gesetzte Kitze regungslos ins hohe Gras ducken und von scharfen Mähmessern erfasst werden. Obwohl heuer die meisten Landwirte bereits Silogras gemäht haben, schätzt der Deutsche Wildtierbund wie in den Vorjahren, dass erneut annähernd 400.000 junge Hasen, Wiesenbrüter, Rebhühner und Rehe im Zuge der Gras- und Heuernte getötet werden. Die Landwirte sind verpflichtet, den Jägern zeitig den Mahdtermin mitzuteilen, damit das hohe Gras abgesucht werden kann. Vereinzelt setzen Revierinhaber Drohnen ein, die Rehkitze am frühen Morgen mit einer Wärmebildkamera aufspüren können.

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