Newsticker

Merkel warnt: "Wir riskieren gerade alles, was wir in den letzten Monaten erreicht haben"
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Fatale Viererbeziehung

Premiere

16.10.2017

Fatale Viererbeziehung

„Das lange Nachspiel einer kurzen Mitteilung“ im Studio des Stadttheaters Ingolstadt

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, gefangen in seinen Vorstellungen von Beziehung, Freundschaft, Liebe, und zufrieden damit – bis er einmal nachdenkt. Den schlagenden Beweis in einer geradezu hermetischen Versuchsanordnung liefert das Stück „Das lange Nachspiel einer kurzen Mitteilung“ der Niederländerin Magne van den Berg, das ihre Landsmännin Maaike van Langen für das Studio des Stadttheaters Ingolstadt in deutscher Erstaufführung inszeniert hat.

Wegwollen, sehen, ob man woanders wer anders ist, frei, glücklich und nicht nur zufrieden – das mag Jon durch den Kopf gehen, als er seine drei Freunde Johan, Sjon und Louise wissen lässt, er trage sich mit dem Gedanken wegzzugehen. Damit ist eine Emotions-Lawine aus Mutmaßungen, Verdächtigungen und Unterstellungen losgetreten, die alle Gewohnheiten und Gewissheiten unter sich begräbt. Auf der Suche nach Erklärungen fallen nach anfänglichem Abtasten mit jedem Satz auch nach und nach die Hemmungen, wahre Spreng-Sätze bringen das bislang feste Beziehungskonstrukt zum Einsturz. Nicht nur verbal schlagen die Vier einander Wunden.

In ihrem Schock darüber, je länger desto weniger zu wissen, wer der andere ist und was er einem bedeutet, in der großen Angst vor einer Änderung der Verhältnisse, erkennen sie schmerzlich – und offenbaren es den anderen ungewollt –, wer sie selbst auch oder eigentlich sind. Ein Lehrstück über Eifersucht und Begierde, Untreue und Betrug, Verrat und Verlust.

Fatale Viererbeziehung

Auch wenn es gelegentlich recht körperlich zur Sache geht und Bühnenblut zum Einsatz kommt, stört kein theatralischer Aktionismus die Wirkung des Wortes. Yael Ehrenkönig, Claudio Gatzke, Robert Naumann und Maik Rogge liefern hochkonzentriert die scheinbar simplen Dialoge ab. Ob das alles in einem oder mehreren Räumen spielt, bleibt unklar, die Protagonisten bewegen sich in einem kalt glänzenden Un-Raum. Ob sich die Gespräche im realen Zeitraum einer runden Stunde ereignen oder mit Unterbrechungen, ist nicht zu erkennen. Diese Ort- und Zeitlosigkeit ist aber Beleg dafür, dass jeder jederzeit an jedem Ort in eine solche Beziehungs- und Sprachschlacht geraten kann.

Bist du schon Mal in der Hölle gewesen, fragt Sjon jeden seiner Freunde einmal, scheinbar zusammenhangslos. Keiner weiß auf die Frage zu antworten. Vielleicht haben alle längst erkannt, was Sache ist: die Hölle, das sind die anderen. Diese Erkenntnis stammt aus einem anderen Vierpersonenstück.

16., 18., 19., 21., 22., 24., 26., 28. und 30. Oktober.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren