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Ingolstadt

26.05.2019

Fliegen und flitzen bei der Langen Nacht der Unternehmen und Wissenschaft in Ingolstadt

Auch die Gunvor-Raffinerie in Kösching nahm wieder an der Veranstaltung teil. Im vergangenen Jahr kamen 1500 Menschen in den Ingolstädter Norden.
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Auch die Gunvor-Raffinerie in Kösching nahm wieder an der Veranstaltung teil. Im vergangenen Jahr kamen 1500 Menschen in den Ingolstädter Norden.
Bild: Thomas Balbierer

Am Freitag erlaubten Unternehmen und Einrichtungen aus Ingolstadt und Eichstätt bei der Langen Nacht einen Blick hinter ihre Kulissen. In der Gunvor-Raffinerie nutzten Anwohner die Veranstaltung, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Fliegen ist ein Kinderspiel. Zumindest für den neunjährigen Sebastian, der gerade am Steuerhebel eines Flugzeugs sitzt und auf der Startbahn zum Abheben ansetzt. Dazu muss er den Steuerhebel an sich heranziehen, während das Flugzeug immer schneller wird. Sebastians Kumpel landete bei seinem Flug wenige Minuten zuvor auf dem Gras neben der Landebahn. Macht nichts – im kleinen Flugsimulator der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) kann man sich schon mal einen Fehler erlauben. Außerdem steht ohnehin der Spaß im Vordergrund bei der „Langen Nacht der Unternehmen und Wissenschaft“ am vergangenen Freitag.

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40 Einrichtungen haben bei der Langen Nacht der Unternehmen und Wissenschaft teilgenommen

40 Einrichtungen aus dem Raum Ingolstadt und Eichstätt nahmen an der Veranstaltung der Initiative Regionalmanagement Region Ingolstadt (IRMA) teil und öffneten ihre Türen für einen Blick hinter die Kulissen. So wie Sebastian und sein Freund machten sich viele auf den Weg, um zum Beispiel bei der THI einen hautnahen Einblick in aktuelle Technik und Forschung zu bekommen. Auf dem Campus sausten Besucher in Elektro-Gokarts herum, stiegen in Rennwagen oder unternahmen eine Führung durch die Hochschule. Auch in das Crashtest-Center „Carissma“ konnte man einen Blick werfen. Dort werden zum Beispiel Autounfälle simuliert – innerhalb des 120 Meter langen Gebäudes lassen sich Regen oder Nebel in vielen Variationen erzeugen. Erforscht werden an der THI auch intelligente Fahrassistenzsysteme und das autonome Fahren.

Der 9-jährige Sebastian nutzte die Lange Nacht der Wissenschaft und Unternehmen, um an der THI Pilot zu spielen.
Bild: Thomas Balbierer

Die Gegenwart des Autos wird derweil noch vom Verbrennungsmotor geprägt. Er braucht Benzin oder Diesel. Das kommt zum Beispiel aus dem Ingolstädter Norden. In Kösching, nur wenige Minuten vom Ingolstadt Village entfernt, verarbeitet eine Raffinerie seit 1963 Erdöl zu Benzin, Diesel und Gas. Lange wurde sie von Esso betrieben, seit 2012 ist die Raffinerie in der Hand der Gunvor Group. Rund 350 Mitarbeiter arbeiten laut Unternehmensangaben dort. Bei der letzten „Langen Nacht der Unternehmen und Wissenschaft“ besuchten rund 1500 Menschen die Raffinerie. Und auch am Freitag war das Interesse sehr groß. Zum Beispiel am Stand der Köschinger Feuerwehr.

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Besucher konnten sich mit der Drehleiter der Feuerwehr in die Höhe fahren lassen

Mit einer Drehleiter hoben die Feuerwehrler Kinder bis zu 30 Meter in die Luft. Wie riesig das Firmengelände tatsächlich ist, lässt sich vom Boden aus nur schwer erahnen. Viele kennen zwar die Schlote und Kühltürme, die man von der Autobahn aus sieht. Doch einen Eindruck von der wahren Größe des Geländes bekommt man erst, wenn man aus 30 Metern Höhe draufblickt. Das Areal gleicht von oben einem Labyrinth aus Rohren, Stahl, Türmen, Treppen, Lagern, Pumpen und Generatoren. Ein undurchdringliches Gebilde, denkt man. Doch es gebe tatsächlich Menschen, die jedes Rohr und jede Schraube der Raffinerie kennen würden, sagte Gunvor-Mitarbeiter Thomas Bär während einer Busführung durch das Gelände.

Knapp fünf Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet das Unternehmen in Kösching. Der Rohstoff wird über die Transalpine Ölleitung (TAL) aus dem italienischen Triest nach Bayern gepumpt und im benachbarten Tanklager Lenting deponiert. Die Raffinerie, so Bär, arbeite „365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche“.

Die Raffinerie gibt es seit 1963. Sie verarbeitet im Jahr rund fünf Millionen Tonnen Rohöl.
Bild: Thomas Balbierer

Mitglieder der Aktionsgruppe "Uns stinkt's" waren vor Ort

Das gefällt nicht allen. Die öffentliche Einladung von Gunvor nutzten auch die Mitglieder der Aktionsgruppe „Uns stinkt’s“. Die Anwohner aus Kösching, Lenting, Unter- und Oberhaunstadt sowie aus Gaimersheim beschweren sich seit Jahren über den „Gestank“, der nach ihrer Meinung von der Raffinerie ausgehe. Sie fühlten sich mit ihrem Anliegen bislang nicht ernst genug genommen. Sie wollten wissen, das sagten im Vorfeld mehrere Mitglieder der Gruppe, weshalb es immer wieder zu „starken Geruchsbelästigungen“ komme. Am Freitag übergaben sie dem Raffineriebetreiber einen Fragenkatalog, der die Unsicherheit der Anwohner verdeutlicht. „Welche und wie viele Emissionen werden freigesetzt?“, lautet eine der Fragen. Oder: „Warum kommt es gerade zu bestimmten Tageszeiten immer wieder zu besonders starken Geruchsbelästigungen?“ Am Freitag kam es dann zu einem mehrstündigen nicht-öffentlichen Gespräch zwischen Gunvor und der Gruppe.

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