1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Flüchtlinge: Die Zahlen steigen und steigen

Neuburg-Schrobenhausen

25.09.2015

Flüchtlinge: Die Zahlen steigen und steigen

Die noch zu erwartenden Ströme an Asylbewerbern bringen auch Neuburg-Schrobenhausen an die Belastungsgrenze. Am Donnerstag nahm Landrat Roland Weigert zur aktuellen Lage Stellung.
Bild: Symbolbild, Sven Hoppe (dpa)

Das Landratsamt hat durch die Flüchtlingswelle die Belastungsgrenze erreicht. Doch es werden mehr Asylbewerber kommen. Das jetzige Personal kann die Arbeit dann nicht mehr stemmen.

Landrat Roland Weigert hat am Donnerstag die ungeschönte Wahrheit auf den Tisch gelegt. Zumindest fast. Denn als es darum ging, das Fazit aus der aktuellen Asylsituation zu ziehen, da hat er dann doch die politisch korrekte Schönwetter-Variante gewählt. Eitel Sonnenschein war deshalb aber noch lange nicht zu spüren. Im Gegenteil: Die Flüchtlingswelle bringt den Landkreis personell wie finanziell an den Rand der Belastungsgrenze. So sagte er denn auch unverblümt: „Was wir jetzt erleben, spottet jeder Beschreibung.“ Im Folgenden sind die wesentlichen Daten und Fakten zur Asyllage im Landkreis zusammengetragen.

Wie viele Asylbewerber kommen wöchentlich in den Landkreis?

Die Zwangszuweisung der Regierung von Oberbayern steigt stetig. Im Juni waren es 15 pro Woche, ab 20. Juli waren es 28 und seit 24. Juli sind es 30. Das Landratsamt rechnet damit, dass die Zuweisung ab Oktober auf mindestens 45 steigt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wie viele Asylbewerber muss der Landkreis noch unterbringen?

Wenn die Prognose eintrifft, dass bis Ende dieses Jahres mindestens eine Million Flüchtlinge in Deutschland sein werden, würde das bedeuten, dass Neuburg-Schrobenhausen bis dahin 1500 Asylbewerber aufnehmen muss. Bis Ende 2016 rechnet das Landratsamt mit rund 3700 Personen.

Woher kommen die Asylbewerber?

Die Menschen kommen hauptsächlich aus Albanien, Syrien, Afghanistan, Pakistan, Jordanien, Eritrea, Uganda, Somalia, Nigeria sowie aus dem Senegal und der Demokratischen Republik Kongo.

Wie viele Asylbewerber sind derzeit im Landkreis dezentral untergebracht?

Insgesamt sind es aktuell 326: 61 Familien mit zusammen 225 Personen sowie 101 Einzelpersonen.

Wie viele dezentrale Wohnungen/Häuser stehen aktuell zur Verfügung?

Zwölf. Diese Zahl ist angesichts von 233 angebotenen Objekten eine magere Ausbeute. Allein 53 Vermieter haben ihr Angebot wieder zurückgezogen, weil beispielsweise Nachbarn interveniert haben. 104 Angebote müssen dagegen noch geprüft werden.

Wenn es keine Wohnungen/Häuser mehr gibt: Welche Alternativen kommen infrage?

Aufgrund der hohen Nachfrage ist der Markt für Wohncontainer leer gefegt. Außerdem sind sie eine relative teure Variante: Allein für das Containerdorf in Schrobenhausen werden in den kommenden Jahren zwei Millionen Euro Leasinggebühren anfallen. Traglufthallen sind in den Gesamtkosten sogar noch teurer. Deshalb tendiert der Landkreis seit einiger Zeit zu Fertighäusern in Holzständerbauweise. Langfristig steht auch zur Diskussion, eine Wohnbau-Gesellschaft zu gründen, um günstige Mehrparteien-Häuser zu bauen.

Wie sieht die aktuelle Situation bei der Noterstaufnahme aus?

Seit Mittwoch ist die Descartes-Turnhalle als Erstaufnahmestelle aufgelöst. Die Betten wurden abgebaut und in circa ein bis zwei Wochen soll die Turnhalle für den (Schul-)Sport wieder einsatzfähig sein. Noterstaufnahmestelle ist jetzt das Gebäude 4 auf dem Lassigny-Areal. Dieses wurde zuletzt für rund 250000 Euro ertüchtigt. Ob die Kosten dafür der Freistaat übernimmt, ist immer noch nicht sicher, scheint aber nach Intervention von MdB Reinhard Brandl als aussichtsreich. Weil die momentan vom Freistaat geforderten 300 Plätze für die Erstaufnahme allein durch das Gebäude 4 nicht gedeckt werden können, muss demnächst auch das Gebäude 5 hergerichtet werden. Kosten: etwa 500000 Euro.

Wie viele Asylbewerber kann der Landkreis noch aufnehmen?

Die Kapazitätsgrenzen sind eine Frage des staatlichen Zwangs, sagt Landrat Roland Weigert. Möglicherweise müssten irgendwann öffentliche Einrichtungen beschlagnahmt werden. Auch Zwangsvermietungen von leer stehenden Wohnungen werden mancherorts als Option betrachtet. Für Weigert ist aber klar: Derlei radikale Maßnahmen müssen von Bundesebene diktiert werden, ehe er sie im Landkreis umsetzt.

Wie viel Geld bekommen die Asylbewerber?

Ein alleinstehender, erwachsener Flüchtling bekommt 359 Euro pro Monat. Davon werden 33,39 Euro für die dezentrale Unterbringung abgezogen. Familien bekommen pro Person weniger: Die Eltern kommen je 323 Euro, Kinder 217 Euro (bis sechs Jahre), 249 Euro (7 bis 14 Jahre) und/oder 283 Euro (15 bis 18 Jahre).

Wie viele unbegleitete Minderjährige sind derzeit im Landkreis untergebracht?

Aktuell werden 41 Jugendliche betreut. Bis Ende dieses Jahres muss der Landkreis weitere 71 Minderjährige aufnehmen, ein Teil von ihnen (46) wird in Wohncontainern auf dem Lassigny-Areal untergebracht. Die Kosten für die Betreuung (etwa in heilpädagogischen Gruppen) können sich monatlich auf bis zu 3500 Euro pro Jugendlichem belaufen.

Welche Konsequenzen hat die Asylsituation für das Landratsamt?

Wenn die Prognose eintrifft und bis Ende 2016 wirklich 3700 Asylbewerber im Landkreis sind, dann braucht das Landratsamt sage und schreibe 93 Stellen mehr, um die damit verbundene Mehrarbeit stemmen zu können. Darunter fallen unter anderem Hausmeisterstellen sowie Personal im Ausländerwesen, Sozialwesen, im Kreisjugendamt und im Jobcenter. Letztere sind dadurch begründet, dass davon auszugehen ist, dass im Jahr 2016 etwa ein Drittel der 3700 Asylbewerber Anspruch auf Sozialhilfeleistungen hat. Und diese etwa 1250 Anträge müssen bearbeitet werden. Allein die Personalkosten sowie die neu zu schaffenden Räume für diese Mitarbeiter liegen im Millionenbereich.

Welche Auswirkungen gibt es im Bildungswesen?

Im Landkreis gibt es aktuell 52 schulpflichtige Kinder von Asylbewerbern. Wie Informationen von Schulamtsdirektorin Ilse Stork ist die Beschulung von Kindern mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen für die Lehrkräfte aber nichts Neues. Denn im Landkreis gibt es seit Jahren einen hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund. Aktuell sind es 1173.

Welche Konsequenzen ergeben sich für den Landkreis?

Die finanziellen Auswirkungen können derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Anfang November beginnen die Vorgespräche für den Kreishaushalt 2016. Dann werden auch erste Eckzahlen genannt.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Funny_Girl_18-10-18_021.tif
Stadttheater

Lustig sein ist eine ernste Sache

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket