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KU Eichstätt-Ingolstadt

24.06.2017

Forschen und helfen

Das Team des „Zentrums Flucht und Migration“ an der KU: Geschäftsführerin ist Julia Devlin (Zweite von links). Die wissenschaftliche Leitung haben Klaus-Dieter Altmeppen und Rita Rosner (mittig).
Bild: mad

Das „Zentrum Flucht und Migration Eichstätt-Ingolstadt“ will neben der wissenschaftlichen Arbeit auch bei der praktischen Arbeit helfen

Was ist fremd? Eine zentrale Frage, die das „Zentrum Flucht und Migration“ an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) beschäftigt. Ein Zentrum, das auf jeden Fall mehr sein will als eine Forschungseinrichtung. Zur Eröffnung stellten Laienschauspieler der Uni- Theatergruppe die Frage „Was ist fremd?“ immer wieder und sehr eindringlich. Die Theatergruppe umrahmte die Eröffnungsfeier des Zentrums, in dem, finanziert für die kommenden fünf Jahre, nicht nur Forschungsprojekte gebündelt werden sollen. Ein Alleinstellungsmerkmal erreicht das Zentrum durch die Arbeit mit und für Flüchtlinge.

Auf drei Säulen ist es aufgebaut: In der Forschung führt es eigene Erhebungen durch und entwickelt Programme für forschende Studierende. Im Bereich „Bildung und Coaching“ befasst sich das Zentrum sowohl mit der Ausbildung der Trainer als auch mit fremdsprachigen Studenten. Angebote für Lehrer im Bereich Flucht und Migration werden gebündelt. Und zur Integration von internationalen Studenten, die selbst einmal auf der Flucht waren, wurde ein Gesamtkonzept entwickelt. In der dritten Säule „Dialog und Transfer“ schließlich wird das erworbene Wissen ausgetauscht. Mitarbeiter werden fortgebildet und es werden religiöse und wissenschaftliche Dialoge organisiert.

„Die Keimzelle des Zentrums war die studentische Initiative. Die Kirche sieht in dem Thema des Zentrums zudem einen wichtigen Schwerpunkt. Und vor Ort haben wir ein starkes ehrenamtliches Engagement“, erzählte die wissenschaftliche Leiterin Rita Rosner. Und schließlich habe die Präsidentin der KU, Gabriele Gien, das Zentrum initiiert.

Der Tag der offiziellen Eröffnung in dieser Woche war mit Bedacht gewählt, wie Dorey Mamou, Syrer und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Flucht und Migration, in seiner Einführungsrede hervorhob: Es war der Weltflüchtlingstag. Über 60 Millionen Menschen, so Mamou, seien weltweit auf der Flucht. An sie alle solle dieser Gedenktag erinnern und ein Zeichen setzen.

„Das Zentrum will einen Beitrag leisten, damit das Zusammenleben der Vertriebenen mit der heimischen Bevölkerung besser und reibungsloser verläuft“, erklärte Klaus-Dieter Altmeppen. Er ist – wie auch Rosner – wissenschaftlicher Leiter des Zentrums und stellte das Team des Zentrums vor. Es ist international aufgestellt und in den drei Arbeitsfeldern zum Teil auch regional tätig. Professor Altmeppen: „Wir fühlen uns als sehr lokale Institution, die zu allen anderen wichtigen Einrichtungen in Eichstätt und in der Region für die Thematik Migration Verbindung hält. Wir möchten eine Schlüsselposition in diesem Thema erreichen.“

Pro Jahr fließen 1,1 Millionen Euro in das Zentrum. Die Finanzierung ist für die kommenden fünf Jahre gesichert. Dauerhaft werden Drittmittel notwendig sein, um die Arbeit weiter am Laufen zu halten. Aber, da ist sich nicht nur Altmeppen sicher, das Thema Flucht, Vertreibung und Migration wird bleiben. „Positiv ist, dass die Politik inzwischen ernsthaft bemüht ist, Integration voranzutreiben.“

Im Zentrum laufen schon einige Forschungsprojekte. Professorin Rosner stellte ihre Arbeit für Kinder vor, die unter posttraumatischer Belastungsstörung leiden. Migrationsbedingte Schrecken müssen verarbeitet werden. Dabei hilft die Lehrstuhlinhaberin für klinische und biologische Psychologie, indem sie mit ihrem Team die Therapeuten trainiert, Materialien für die Therapie entwickelt und anbietet und auch deren Effektivität fortlaufend überprüft. Professor Fisher stellte zur Eröffnung die „Initiativgruppe FluchtMigration“ vor, die aus dem abgeschlossenen Graduiertenkolleg hervorging. Anschließend sprach Kerstin Kazzazi über ihr gemeinsames Projekt zusammen mit Angela Treiber. Die beiden beschäftigen sich mit dem Thema, inwiefern Dolmetscher den Prozess von Interviews beeinflussen können. Erkenntnisse aus diesen Forschungen fließen direkt in die Praxis ein. Und dazu werden fremdsprachige Professoren, Dozenten und Studenten mit Migrationshintergrund unterstützt.

Wie wichtig diese Arbeit ist und noch sein wird, zeigt das Interesse auch aus dem Ausland. Englische und amerikanische Universitäten wünschen bereits eine enge Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Flucht und Migration.

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