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Musik in Rennertshofen

08.10.2018

Frauenchor in Rennertshofen: Ende oder Beginn einer Ära?

Auch konzertant war La Musica immer gerne unterwegs – hier beim Frühlingskonzert der Marktkapelle im Jahre 2010.
Bild: Michael Geyer

Die Leiterin des Rennertshofener Frauenchors La Musica hat aufgehört. Die meisten Sängerinnen wollen weitermachen. Doch wer wird die Nachfolge von Ingrid Fischer antreten?

So wenig bemerkt von der Öffentlichkeit, wie der Frauenchor La Musica vor 18 Jahren aufgetaucht war, so unauffällig und leise hat sich diese kulturelle Institution Rennertshofens auch wieder aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Der vorläufig letzte Auftritt des Chores mit etwa 35 Sängerinnen fand kürzlich bei einer Hochzeit in Karlshuld statt. Doch schon Ende Juli hatte Ingrid Fischer die Sängerinnen über ihre Entscheidung informiert, dass sie die Leitung des Chores abgeben werde.

Frauenchor Rennertshofen: Ingrid Fischer hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht

„Wir sind im Guten auseinander gegangen. Es ist eine Entscheidung, die ich für mich ganz allein getroffen habe. Das geschah nicht spontan, sondern war ein Prozess, mit dem ich über ein dreiviertel Jahr gekämpft habe“, sagt Ingrid Fischer. „Ich brauche nach 18 Jahren einfach eine schöpferische Pause. Für mich ist das stimmig, denn bevor ich nicht mehr dahinter stehe und die Qualität leiden würde, gehe ich“, begründet sie ihren Entschluss und fügt hinzu: „Für mich stand der Chor immer an erster Stelle. Alle Termine, selbst die familiären wurden dem untergeordnet. Ich höre auf, nicht der Chor. Der bleibt bestehen. Die Frauen wollen nach wie vor singen. Ich bin überzeugt davon, dass irgendjemand das machen kann und auch machen mag. Vielleicht sucht jemand so eine neue Aufgabe. Wenn irgendetwas aufhört, fängt was Neues an.“

Der Chor wurde aus der Not geboren, erinnert sich Ingrid Fischer. Im Jahre 1999 gab es in der Pfarrgemeinde Rennertshofen einen Kinderchor, dessen Leiter aufgehört hatte. So wandte sich der damalige Pfarrer Richard Rietz an sie und sie übernahm den Chor. Die Mütter der Kinder waren begeistert, wie ihre Kinder unter der neuen Leitung Fortschritte machten und regten an, ob Ingrid Fischer nicht auch mit einem Mutter-Kind-Chor zur Firmung im Jahre 2000 singen wollte. Bei der Firmungsfeier setzte ein Chor aus 80 Stimmen mit einem Lied aus „Sister Act“ diese Idee erfolgreich um.

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Für Ingrid Fischer war das der entscheidende Impuls zur Gründung des Frauenchors. Nach nur vier Wochen Zeit für die Proben hatten die etwa 15 Mitglieder von La Musica ihren ersten Auftritt beim Herbstkonzert der Rennertshofener Chorgemeinschaft. Nach und nach vergrößerte sich das Repertoire, das auch von der Nachfrage bestimmt wurde. Am Anfang war es eher weltlich geprägt, der Chor umrahmte Hochzeitsjubiläen oder Geburtstage. Erst als Pfarrer Guggemos die Pfarreiengemeinschaft übernommen hatte, kam auch mehr geistiges Liedgut für die Gestaltung von Gottesdiensten hinzu. Als besondere Höhepunkte nennt Ingrid Fischer auch die Gemeinschaftskonzerte mit der Marktkapelle Rennertshofen oder mit der von ihrem Bruder Josef Polleichtner ins Leben gerufenen Rennertshofener Big Band im Jahre 2009. Sogar eine Weihnachts-CD hatte La Musica 2017 aufgenommen. Eine besondere Herausforderung für den Chor seien die vielen Hochzeiten gewesen, denn die Liederwünsche der Brautpaare seien immer auch Ansporn gewesen, etwas Neues auszuprobieren und einzustudieren.

Die meisten Sängerinnen des Frauenchors in Rennertshofen wollen weitersingen

„Es war für uns eine Schocknachricht, auf unserer What’s-App-Gruppe herrschte eine Woche lang betroffenes Schweigen. Ingrid war das Herzstück unseres Chors, eine starke Nummer, sie stand für ein ebenso buntes wie breites Repertoire und hat das Liedgut perfekt auf unseren dreistimmigen Chor zugeschnitten. Aber wenn man nachdenkt, muss man ihre Entscheidung respektieren“, fasst Sängerin Sieglinde Maillinger die Reaktionen der Chormitglieder zusammen. Die meisten seien auch bereit, weiter im Chor zu singen. Ob das jedoch so einfach werde, bleibe abzuwarten, schätzt Sieglinde Maillinger die Situation ein. Schließlich habe Ingrid die Chorleitung ehrenamtlich, das heißt ohne Honorar, ausgeführt.

Fischer selbst blickt mit ein bisschen Wehmut zurück, denn es war eine schöne Zeit. Ihr sei auch bewusst, sagt sie, dass ihre Entscheidung manchen Chormitgliedern hart ankäme, denn sie vermissten die Gemeinschaft der wöchentlichen Proben und Auftritte. Mit der Zeit hatten sich Freundschaften gebildet. Inzwischen habe man einen La-Musica-Stammtisch auf die Beine gestellt, erzählt Ingrid Fischer. Es könne also weitergehen. Ihr Abschied sei auch eine Chance für den Chor, sich von den gewohnten Gleisen auf neue zu begeben. Wer frisch komme, bringe neue Impulse, gebe andere Richtungen vor oder erschließe ein neues Repertoire, meint sie.

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