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Oettingen

15.02.2014

Frauenleichen im Wald: Fall nimmt spektakuläre Wende

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3 Bilder
Ein Luftbild vom Tatort, 1995: Hier im Wald bei Oettingen fanden die Ermittler damals zwei unbekannte Frauenleichen. Wer die Opfer des Doppelmords waren, ist völlig unklar - wieder.
Bild: Archiv/Polizei

Sie dachten, sie hätten den Durchbruch geschafft - doch von wegen. Im Fall der Frauenleichen, die 1995 bei Oettingen gefunden wurden, stehen die Ermittler wieder am Anfang.

Herber Rückschlag für die Kripo Dillingen im Fall des Doppelmords an zwei unbekannten Frauen im Jahr 1995: Waren die Ermittler im Oktober 2011 noch fest davon überzeugt, die eine der beiden Leichen als die Rumänin Oltea Marlena Butan identifiziert zu haben, so zeigt sich jetzt, dass diese vermeintlich heiße Spur wohl ein Irrtum war.

Ein zunächst als positiv eingestufter Abgleich des Erbguts der Toten mit der DNA von Olteas Mutter hat sich inzwischen als nicht ausreichend herausgestellt. Die ersten acht DNA-Merkmale waren zwar übereinstimmend, wie Dillingens Kripo-Chef Peter Timko auf Nachfrage unserer Zeitung sagte, die weiteren acht jedoch nur teilweise. „Und dann stimmt das Ergebnis nicht. Dabei waren wir uns so sicher, denn die Ähnlichkeit mit dem Phantombild und die Lebensgeschichte der vermissten Oltea Butan – das alles hat einfach gepasst.“

Polizei konnte die Vorgeschichte teilweise rekonstruieren

So aber weiß man jetzt noch immer nicht, wer die beiden Toten sind, die in einem namenlosen Grab auf dem Oettinger Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben. Der erhoffte Durchbruch in diesem brutalen Kapitalverbrechen, das die Bevölkerung bis heute nicht loslässt, ist damit also wieder in die Ferne gerückt.

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Der Kripo Dillingen ist es in den vergangenen knapp 19 Jahren gelungen, die Geschichte des Doppelmordes teilweise zu rekonstruieren. So viel ist bekannt: Um den vermuteten Tatzeitpunkt, Ende Juli 1995, hatte in Ingolstadt ein Taxifahrer die beiden Frauen um 2 Uhr nachts aufgenommen. Sie wollten zunächst zur Autobahn gebracht werden, entschieden sich dann aber für die Ecke Gaimersheimer-/Richard-Wagner-Straße. Eine halbe Stunde später beobachtete der Taxifahrer noch, wie die Frauen in einen dunklen Mercedes älterer Bauart stiegen, in dem zwei Männer saßen.

Auch in Neuburg an der Donau wurden die beiden Frauen, die um die 20 Jahre alt waren, noch gesehen. Im fraglichen Zeitraum nahm eine Frau die späteren Mordopfer als Anhalterinnen am Stadtrand auf. Sie brachte sie bis kurz vor Rain und ließ sie dort aussteigen. Wie die beiden Frauen erzählten, wollten sie über Donauwörth nach Oettingen weiterreisen. Dort hätten sie Bekannte, erzählten sie der Autofahrerin. Ein letztes Mal wurden die jungen Frauen in Wassertrüdingen gesehen. Danach gab es kein bekanntes Lebenszeichen mehr von ihnen.

Die nächste Spur tauchte dann im Waldgebiet „Heiligenholz“ nördlich von Oettingen in unmittelbarer Tatortnähe auf: Am 23. Juli 1995 machte eine Frau nachts um ein Uhr dort eine verdächtige Beobachtung: Sie sah aus dem Waldweg, der zum 150 Meter entfernten späteren Leichenfundort führt, ein dunkles Auto kommen. Das Nummernschild trug das Kennzeichen „HS“ für Heinsberg bei Köln.

Wald gibt sein makabres Geheimnis preis

Rund zwei Monate später gab der Wald dann sein makaberes Geheimnis preis: Ein Ehepaar, das am 19. September 1995 zum Pilzesammeln aufgebrochen war, stieß im Unterholz auf die teilweise skelettierten Leichen der beiden Frauen. Ihr Mörder hatte Zweige von den Bäumen abgerissen und die Toten notdürftig mit dem Reisig abgedeckt.

Bei den Leichen fand die Kriminalpolizei weder Ausweise noch sonstige Hinweise auf deren Identität. Dennoch gelang es ihr, einiges über sie in Erfahrung zu bringen: Die Frauen stammen wohl ursprünglich aus Osteuropa und könnten dort in Heimen aufgewachsen sein. Innerhalb der letzten zwei Jahre ihres Lebens waren sie – möglicherweise auf illegalem Weg – nach Deutschland gekommen. Dort könnten sie als Prostituierte gearbeitet haben, etwa in Wassertrüdingen oder in Ehingen bei Oettingen. Schon 1995 hat die Kripo Vermissten-Dateien in Osteuropa überprüfen lassen – ohne Erfolg. Doch die Ermittler lassen nicht locker.

Personenbeschreibung: Die eine Frau war 18 bis 20 Jahre alt, 1,70 Meter groß und schlank mit längerem, mittelblonden bis hellbraunem Haar. Im Oberkiefer hatte sie eine auffällige Zahnstellung und am linken Oberarm eine laienhafte Tätowierung, die nur noch teilweise erkennbar war: zwei Querstreifen, dazwischen die Großbuchstaben A und D, darunter einen Winkel mit der Spitze nach unten. Sie trug ein kurzes Oberteil mit Rundkragen sowie Shorts mit Gummizug und grober Zierspitze am Beinabschluss – Massenware, wie sie auf osteuropäischen Märkten angeboten wird.

Die andere Frau, von der man geglaubt hat, sie sei Oltea Marlena Butan, war 1,60 Meter groß, schlank und etwa 20 Jahre alt. Ihr Haar war dunkelbraun bis schwarz, sie trug ein langärmeliges, kurzes Strickkleid in Violett und Dunkelblau.

Neues Erbgut-Material aus Rumänien

Irgendwo lebt ein Mörder unerkannt und nach außen hin vielleicht gänzlich unbescholten. Ob ihn sein Gewissen plagt? Ob er manchmal im Schlaf von den Ereignissen jener schrecklichen Juli-Nacht heimgesucht wird? Die Polizei hat den Fall nie zu den Akten gelegt. Sie ermittelt weiter, lässt jetzt nochmals neues DNA-Material von Olteas Mutter aus Rumänien kommen. Vielleicht bekommen sie ja dann doch eines Tages ihre Identität zurück – jene beiden Frauen, deren Grabstein auf dem Oettinger Friedhof noch immer keine Namen trägt.

Hinweise Die Polizei fragt: Wer hat die Frauen gesehen oder kann Angaben zu ihren Kontakten und Begleitern machen? Für Hinweise, die zur Aufklärung dieses Verbrechens führen, ist eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt. Zuständig ist die Kripo Dillingen, Telefon 09071/56302.

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