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Neuburg

18.11.2018

Freie Wähler wollen Frauen an der Macht sehen

Die langjährige Landtagsabgeordnete Eva Gottstein gratuliert der neuen Frauenbeauftragten Sissy Schafferhans zu ihrem Amt im Kreisverband der Freien Wähler.
Bild: Annemarie Meilinger

Die Freien Wähler in Neuburg analysieren die Frauenquote in politischen Gremien – und wählen gleich eine Frauenbeauftragte.

Hundert Jahre, nachdem nach langem Kampf das Wahlrecht für Frauen endlich eingeführt worden war, sieht es so aus wie seit Jahrzehnten schon: Frauen in der Politik sind immer noch nicht ausreichend repräsentiert. Die Anteile der Frauen bei den Mandaten und erst recht in Führungsämtern hinken weit hinter den Forderungen von Frauenverbänden her. Nur 55 von 205 Sitzen im Bayerischen Landtag sind von Frauen besetzt, bei den Freien Wählern sind es sechs von 27 Sitzen.

Die Frauen der Freien Wähler, die sich derzeit landesweit organisieren, veranstalteten aus diesem Anlass im Jagdschlössl in Laisacker einen Abend zu „Frauen in der Politik“, zu dem sie Vertreterinnen aus der Politik eingeladen hatten: Eva Gottstein aus Eichstätt ist schon in der dritten Periode im Bayerischen Landtag, Ulrike Müller vertritt die Freien Wähler im Europaparlament. Nach 30 Jahren in der Politik, so die Allgäuerin, sei es kein Wunder, dass Frauen immer noch unterrepräsentiert seien: „Familie und Beruf zu vereinbaren, lastet in unserer männlich strukturierten Politik immer noch hauptsächlich auf den Schultern der Frauen.“ Frauen, die mitgestalten wollten, hätten außerdem oft keine Geduld, „ihre wertvolle Zeit mit endlosen Selbstdarstellungen in Gremien zu verplempern“. Frauen wollten nicht auf ihr Äußeres reduziert werden, sie wollten etwas erreichen, beispielsweise in Sachen soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Wertegemeinschaft. Sie müssten „nur“ lernen, Aufgaben zu übernehmen und sich durchzusetzen.

Eva Gottstein: Für Frauen in der Politik braucht es eine Frauenquote

Eva Gottstein sieht nach langer Landtagserfahrung „bessere Ergebnisse durch gemischte Teams“, doch bei der jüngsten Verteilung der Ämter auf der Bayerischen Regierungsbank hatten die Frauen wieder das Nachsehen. Schuld daran sei zum einen, dass sich Frauen nicht zur Verfügung stellen würden sowie der Regionalproporz, der eine „gerechte“ Verteilung der Posten nach Regierungsbezirken vorsieht. Für die Oberbayerin Eva Gottstein blieb jedenfalls kein Posten übrig, doch scheint sie zufrieden zu sein mit ihrem Amt der „Beauftragten für Ehrenamt und bürgerliches Engagement“. Dort seien die Frauen stark präsent, doch „für politische Wahllisten braucht es die Frauenquote, außerdem mehr Solidarität und Vernetzung“, so die Abgeordnete.

Sissy Schafferhans prangerte als dritte Rednerin die zu niedrigen Bildungsausgaben an, die Deutschland auf den drittletzten Platz der europäischen Länder rangieren lässt. Das Schulsystem sei zudem überholt und verkrustet, die Ganztagesbetreuung nicht ausreichend. Es mangele im Kindergarten zwar nicht an Praktikantinnen, doch Fachkräfte seien oft überlastet und abgewertet. „Soziale Systeme kosten und bringen keinen zählbaren Gewinn“, so die Kindergartenleiterin. Nach ihrer kämpferischen Rede gab es keinen Zweifel darüber, dass sie die neue Frauenbeauftragte im Kreisverband der Freien Wähler Neuburg-Schrobenhausen werden sollte. In der anschließenden Wahl wurde sie für dieses neue Amt bestimmt.

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