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Sexueller Missbrauch

16.07.2008

Freiheitsstrafe für Weilacher Pfarrer

Nach einem sechswöchigen Ermittlungsverfahren sind die Untersuchungen im Fall des Weilachers Pfarrers jetzt abgeschlossen. Ihm wurde vorgeworfen, Ministrantinnen sexuell belästigt zu haben. Wie die Staatsanwaltschaft Ingolstadt gestern mitteilte, haben sich die Anschuldigungen lediglich in einem Fall nachweisen lassen.

"Kein Bagatelldelikt"

Die Staatsanwaltschaft spricht von einem "Einzelfall", der dem Geistlichen Pater T. nachgewiesen werden konnte. Dabei handelt es sich nach Auskunft des leitenden Oberstaatsanwalts Dr. Helmut Walter um "kein Bagatelldelikt". Nähere Angaben zu dem betroffenen Mädchen wollte er aber nicht machen, um deren Identität zu schützen. Insgesamt wurden Dutzende Kinder und Jugendliche befragt, darunter auch Buben, die möglicherweise von den Mädchen etwas gehört oder erfahren haben könnten.

Der sexuelle Missbrauch, für den Pater T. jetzt angeklagt wurde, liegt inzwischen fast fünf Jahre zurück. Ein Mann aus der Pfarrei hatte Anfang Juni das Jugendamt auf die Vorfälle aufmerksam gemacht, der 54-jährige Geistliche wurde daraufhin sofort beurlaubt. Vor zwei Wochen hat die Diözese Augsburg mitgeteilt, dass ab 1. September die Pfarrei dauerhaft neu besetzt wird. Eine Rückkehr des Paters wurde demnach von der Diözese im Vorfeld ausgeschlossen, unabhängig davon, welche Ergebnisse die Untersuchungen gebracht hätten.

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Welche Konsequenzen der Strafbefehl für die Zukunft des Priesters hat, wollte Christoph Goldt, Pressesprecher beim Bistum Augsburg, gestern nicht sagen. "Wir müssen abwarten, wie sich der Pfarrer jetzt verhält." Solange der Geistliche den Strafbefehl nicht annehme, könne das Bistum auch keine endgültige Entscheidung treffen.

Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in Weilach steht indes nach wie vor hinter dem Pfarrer. "Ich kann das nach wie vor nicht glauben", sagt Rosa Grießer spürbar aufgebracht gegenüber unserer Zeitung. Zumal es sich bei dem betroffenen Mädchen um keine Ministrantin und nicht einmal um eine Kirchgängerin handeln soll. Wie der Kontakt in diesem Fall zwischen dem Mädchen und dem Pfarrer hergestellt werden konnte, ist der Pfarrgemeinderätin rätselhaft. "Das ist nicht normal", ist sie sich sicher und glaubt, dass hinter den Vorwürfen eine Intrige steckt.

Diese Meinung teilen allerdings nicht alle im Ort. "Er war nicht sehr beliebt", erzählt ein Mann aus dem näheren Kirchenumfeld. Pater T. hätte die Gemeinde in zwei Lager geteilt: in jene, die ihn anhimmeln, und andere, die ihm sehr distanziert gegenüberstanden. Immer wieder hätte man davon gehört, dass der gebürtige Inder zu intensiv und emotional mit Kindern umgegangen sei. "Manche Eltern haben ihm auch direkt gesagt, dass sie das nicht wollen", erzählt der Weilacher.

Der Ort braucht jetzt Ruhe

Deshalb ist es seiner Meinung nach auch besser - unabhängig vom Ausgang der Untersuchungen -, dass Pater T. in die Gemeinde nicht mehr zurückkehrt. "Weilach hat unter diesen Vorwürfen so gelitten, obwohl die Bürger nichts dafür können", so sieht er es. Was der Ort jetzt brauche, sei Ruhe - "und ein netter Pfarrer".

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