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Neuburg

05.02.2015

Freispruch oder Gefängnis?

Symbolbild
Bild: Alexander Kaya

Brutale Kneipenschlägerei in Neuburg. Gestern gab es die Plädoyers. Für die beiden Angeklagten geht es um viel

Freispruch oder Gefängnis? – Mit diesen beiden Extremen muss sich das Schöffengericht am Neuburger Amtsgericht jetzt befassen, um sein Urteil über zwei Angeklagte zu fällen. Es geht um die beiden Männer, 21 und 23 Jahre alt, die sich seit Dezember wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen eine gemeinsame Kneipenschlägerei von massiver Brutalität vor. An deren Ende lagen am 10. November 2013 zwei junge Männer bewusstlos am Boden vor einem Lokal in der Neuburger Innenstadt – mit Platzwunden, Nasenbeinbrüchen, Hämatomen und multiplen Schädelprellungen. Dem älteren Beschuldigten legt sie zudem zur Last, seine frühere Freundin mit Faustschlägen ins Gesicht, gegen Bauch, Oberkörper und Brust misshandelt zu haben.

Es ist ein Prozess, der für das Neuburger Amtsgericht vergleichsweise markante Eckdaten bietet: Sechs Verhandlungstage werden es am Ende sein mit hitzigen Debatten – auch zwischen zwei leicht reizbaren Rechtsanwälten, mit Abläufen, hinter denen trotz umfangreicher Beweisaufnahme noch immer viele Fragezeichen stehen, mit einer lebensgefährlichen Tat im Mittelpunkt und mit einem 100-minütigen Plädoyer-Marathon. Im Rahmen dessen stellten die Parteien gestern ihre Anträge.

Staatsanwältin Sophie Weber sieht die Schuld der Angeklagten nach der Beweisaufnahme bestätigt. Nach ihrer Rekapitulation kam es in der Tatnacht zwischen dem 23-Jährigen und einem anderen Gast vor einer Kneipe zu einem Streit und einer Rangelei. Umstehende griffen ein und beendeten die Auseinandersetzung zunächst – wenig später allerdings setzte sie sich dann auf der Straße fort. Der 23-Jährige rief seinen 21 Jahre alten Spezl zur Hilfe und dann eskalierte das Geschehen. Kratzwunden, Schläge, Kämpfe – ein Durcheinander entspann sich, das zu entwirren in der Hauptverhandlung nicht gelang. Schließlich aber lagen zwei Beteiligte am Boden, so schwer verletzt, dass unklar war, „ob nicht einer von beiden vielleicht schon hin ist“, so Staatsanwältin Weber. Sie sah die „Tritte gegen die am Boden Liegenden“ als das Entscheidende an und sieht die beiden Angeklagten in der Rolle der Täter. Auch im zweiten Fall geht sie von der Schuld des 23-Jährigen aus. Er soll an einem Abend in Gegenwart von drei Gästen seiner Freundin in deren Wohnung einen Schlag versetzt haben, so dass diese – wie sie sagt – durch den halben Raum geflogen sei. Zeugen haben dies allerdings nicht bestätigt. Auch nachdem die Besucher gegangen waren, soll sich der Streit fortgesetzt haben. Fotos zeigen erhebliche Verletzungen der jungen Frau. Sophie Weber forderte für den 23-Jährigen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten, für den 21-Jährigen eine von einem Jahr und acht Monaten – ohne Bewährung.

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Nebenkläger Franz Kobinger schloss sich im Namen seiner Mandantin, der damaligen Freundin des 23-Jährigen, diesen Ausführungen an und vermutete, dass sich die Zeugen abgesprochen haben, den Angeklagten nicht zu belasten. Das Strafmaß stellte er ins Ermessen des Gerichts.

Der Verteidiger des 23-Jährigen, Rechtsanwalt Franz Wittl, hielt die Darstellung der Staatsanwältin grundsätzlich für möglich. „So kann es gewesen sein. Es kann aber auch ganz anders gewesen sein“, sagte er. Schlussendlich gehe es darum, „dass das Gericht ohne jeden vernünftigen Zweifel Tatsachen feststellt, die die Hauptverhandlung eindeutig ergeben hat.“ Es gebe keine objektiven Beweise für die Schuld der Angeklagten. „Heute kann keiner mehr sagen, wer wen und wann geschlagen hat.“ Ausführlich legte er dann dar, weshalb er von Notwehr und Nothilfe bei seinem Mandanten und dessen Spezl ausgeht. Am Ende gebe es so viele Zweifel, dass der alte Grundsatz „in dubio pro reo“ gelten müsse. Er plädierte auf Freispruch im Falle der Schlägerei wie auch in der Auseinandersetzung seines Mandanten mit der früheren Freundin. „Sie hat angefangen, ist im Eifersuchtswahn auf ihn losgegangen und er konnte ihr nicht anders Herr werden, als tätlich zu werden.“ – Die Rangelei hatte der 23-Jährige zugegeben, für weitere Schläge, etwa mit der Faust, gebe es keine Zeugen. Und die Glaubwürdigkeit der Freundin stellte Rechtsanwalt Wittl in Frage.

Freispruch lautet auch der Antrag von Rechtsanwältin Anja Aringer, die den 21-jährigen Angeklagten verteidigt. Auch bei ihm liegen ihrer Meinung nach Nothilfe und Notwehr vor als Motive für ihre Beteiligung in der Kneipen-Schlägerei. Einen Zeugen, der anderes ausgesagt hatte, fand sie wegen seiner Widersprüchlichkeit unglaubwürdig. Weitere Zeugen hätten entweder nichts gesehen, könnten sich nicht erinnern, oder seien betrunken gewesen. Das Urteil soll am 25. Februar um 10.30 Uhr gefällt werden.

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