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Rennertshofen/Neuburg

06.09.2019

Frische Milch aus Stepperg aus dem Automaten

„Nachbar’s Muh“ heißen die Milchzapfautomaten, mit denen Markus Sauer und seine Familie Frischmilch aus Stepperg anbieten. Die Automaten stehen in zwei Supermärkten in Neuburg. 
Bild: Michael Geyer

Plus Jungbauer Markus Sauer aus Stepperg bietet in zwei Supermärkten in Neuburg seine Milch an. Welche Vorteile das System für Kunden und für ihn selbst hat.

Milch zum Selbstzapfen? Das gab es bislang in den Supermärkten in Neuburg nirgends. Doch seit einer Woche ist das anders: Im neu gebauten Edeka-Markt an der Franz-Boecker-Straße in Neuburg steht im Eingangsbereich ein Frischmilchautomat. Dort können sich Kunden ihre Milch selbst in ein Glas abzapfen. Die Milch kommt von Markus Sauer aus dem Rennertshofener Ortsteil Stepperg. Der hatte auch die Idee für den Automaten, und mit Julian El-Mustapha einen Partner gefunden, der seinen Markt für seine kleine Milchstation mit dem Namen „Nachbar’s Muh“ zur Verfügung stellt. Am heutigen Samstag expandiert der Jungbauer bereits: Im Edeka-Markt in der Ingolstädter Straße wird ebenfalls ein Frischmilchautomat installiert. Dort lässt Markus Sauer heute die Kunden seine Milch probieren.

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Das Zapfsystem ist denkbar einfach: Die Kunden kaufen sich entweder eine pfandfreie und wiederverwendbare Flasche an der Kasse des Supermarkts oder bringen ihr eigenes Behältnis mit. Dann wählen sie die gewünschte Menge – ein Liter für 1,30 Euro oder ein halber Liter für 0,70 Euro. Bezahlt wird am Automaten. So können sich die Kunden frische Milch auch am Sonntag während der Öffnungszeiten des Backshops holen.

„Für eine Kuh gibt es nichts Besseres als Grünfutter“, sagt Markus Sauer und die Tiere langen kräftig zu.
Bild: Michael Geyer

Die Milchkühe von Markus Sauer bekommen im Sommer Grünfutter zu fressen

Die Milch kommt aus Stepperg von den Kühen des Sauer-Hofes. 38 Kühe und rund 30 Stück Jungvieh stehen zurzeit im Laufstall, die jetzt im Sommer überwiegend mit frischem Grünfutter gefüttert werden, betont Markus Sauer. Im Winter gebe es neben Heu auch Silofutter. Das Futter sei garantiert frei von Gentechnik, betont er. Die frische Milch mit einem Fettgehalt von mindestens 3,8 Prozent wird auf dem Hof bei 72 Grad möglichst schonend pasteurisiert, das heißt, sie wird etwa 20 Sekunden lang bei einer Temperatur von 72 Grad erhitzt. Dadurch werden Keime zum größten Teil abgetötet, die wertvollen Inhaltsstoffe bleiben aber erhalten. Vier Tage lang bleibt die Frischmilch dann bei vier bis sieben Grad haltbar.

Frische Milch aus Stepperg aus dem Automaten

Neben gesundheitlichen Aspekten hat die Milchstation aber noch zwei weitere Vorteile, die ganz den Zeitgeist treffen: Es entsteht kein Verpackungsmüll und die Transportwege sind kurz. Denn die Milch wird in Kühlbehältern ohne Umwege über eine Molkerei direkt zum Automaten gebracht. Alle zwei Tage werden die beiden Automaten von Markus Sauer mit frischer Milch bestückt.

Für die Familie Sauer, die in Stepperg etwa 70 Hektar bewirtschaftet, ist dieser Weg ein Versuch, der Unsicherheit des Milchpreises entgegenzutreten. Die Idee dazu hatte Sohn Markus, der eigentlich Mechatroniker gelernt und bei Audi gearbeitet hat, sich jetzt aber von seinem Arbeitgeber freistellen ließ und wieder die Schulbank drückt, um sich auf die Prüfung zum Landwirtschaftsmeister vorzubereiten. Denn in der Familie Sauer hat die Landwirtschaft eine lange Tradition. Die Eltern von Markus – Ernst und Theresia Sauer – stehen noch voll im Beruf und haben schon immer versucht, dem Preisverfall entgegenzuwirken: So zum Beispiel mit der Eigenvermarktung von Rindfleisch. Doch der Aufwand und vor allem die ausufernden Vorschriften machten diesem Weg ein Ende. „Die kleinbäuerliche Landwirtschaft hat nur Zukunft, wenn man auch davon leben kann“, sagt Markus und sieht in der Milchzapfstelle einen neuen Vermarktungsweg. Denn der Milchpreis schwanke, sei grundsätzlich zu gering und decke nicht die stetig steigenden Kosten für Produktion und Viehhaltung. „Man produziert einen Monat lang Milch und weiß erst am Ende des Monats, was man dafür bekommt“, kritisiert er die unsichere Lage am Milchmarkt.

Die Frischmilch aus dem Automaten schmeckt den Kunden

Die Milchzapfstelle in der Edeka-Filiale am Goldanger wird bereits gut angenommen. Eine Kundin spricht Markus Sauer an und sagt, dass sie von dem Geschmack, der Qualität und Frische der Milch begeistert sei – und dass sie darüber hinaus einen Beitrag zum Umweltschutz leisten könne, weil die Milch nur wenige Kilometer transportiert werde. Über solche Rückmeldungen freut sich Markus Sauer natürlich. Ganz besonders hat den Junglandwirt jedoch die Aussage einer betagten Dame beeindruckt, die seine Milch probiert hatte und meinte: „Da muss ich 82 Jahre alt werden, dass ich noch so eine gute Milch trinken darf!“

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