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Neuburg/Bertoldsheim

07.05.2015

Front machen gegen den Flutpolder

Deutlich hatten die Anlieger ihren Unmut gegen den geplanten Flutpolder in Bertoldsheim beim Runden Tisch in der Schlossgaststätte gemacht. Mit der Gründung einer Bürgerinitiative am 15. Mai nimmt der Widerstand gegen das Projekt konkrete Gestalt an.
Bild: Michael Geyer

In Bertoldsheim will sich am 15. Mai eine Bürgerinitiative gründen. Wer als Sprecher gehandelt wird

Neuburg/Bertoldsheim Peter von der Grün gilt als besonnener Zeitgenosse. Als Rechtsanwalt und Kreisrat (FW) hat der 42-Jährige zudem das Format, dringenden Anliegen das nötige Gehör zu verschaffen. Und als Betroffener hat der Bertoldsheimer zudem ausreichend Motivation, den Widerstand gegen den geplanten Flutpolder im Rennertshofener Ortsteil zu organisieren. Erster Schritt ist die Gründung einer gemeindeübergreifenden Bürgerinitiative. Termin ist am Freitag, 15. Mai, um 20 Uhr in der Schlossgaststätte in Bertoldsheim. Angesprochen sind auch die Nachbarn der betroffenen Gemeinde Marxheim. Designierter BI-Sprecher ist Peter von der Grün.

„Wir Anwohner haben ganz legitime Sorgen um unsere Häuser. Wir fürchten, dass die Keller voll Wasser laufen, wenn der Grundwasserspiegel bei einer gesteuerten Flutung des Polders ansteigt,“ fasst der Jurist die Meinung der Menschen vor Ort zusammen. Im Falle eines Extremhochwassers, eines sogenannten HQ 100 (hundertjährlicher Abfluss), stauen sich Millionen Liter Druckwasser hinter einem fünf bis sieben Meter hohen Damm. Ziel der BI sei es deshalb, das Projekt in der Planung zu verhindern.

Beim Besuch von Horst Seehofer vergangene Woche in Neuburg hatten die Polder-Gegner vor dem Landratsamt schon mal Flagge gezeigt und dem Ministerpräsidenten ihre Transparente entgegengehalten. Der Wahlkreisabgeordnete versprach, sich des Themas anzunehmen. An ihrer Seite können die Betroffenen Landrat Roland Weigert wissen. „Ich fand es gut, was er am Runden Tisch gesagt hat“, erinnert sich Peter von der Grün an die Dialogveranstaltung des Wasserwirtschaftsamtes vor eineinhalb Wochen in Bertoldsheim. Weigert zog in Zweifel, dass eine Hochwasserwelle der Donau nur mit gesteuerten Flutpoldern zu kappen sei, wie es die Studie der TU München für das Aktionsprogramm 2020 plus der Staatsregierung empfiehlt. Andere Varianten wie eine Rückverlegung der Deiche oder die Rolle natürlicher Retentionsräume, konkret das Donaumoosentwicklungskonzept, seien nicht ausreichend geprüft worden, so der Tenor der Veranstaltung. Der Landkreischef hatte die Kritik zum Anlass genommen, Umweltministerin Ulrike Scharf einen Brief zu schreiben. Roland Weigert kritisiert darin grundsätzlich die starke Belastung der Marktgemeinde Rennertshofen durch das Bayerische Flutpolderkonzept, das im Abstand von nur vier Kilometern zwei Flutpolder vorsieht.

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In dem Schreiben, das der Neuburger Rundschau vorliegt, bittet der Landrat, von der „Vorläufigen Sicherung“ des Polderareals abzusehen, weil damit die Qualität des Dialogs „extrem belastet“ werde. Ein derartiger Prozess müsse fair, transparent und ergebnisoffen geführt werden. Das gelinge aber nur, wenn Betroffene, die um ihr Hab und Gut fürchten, zu Beteiligten gemacht würden. Eine „Vorläufige Sicherung“ der Zielflächen sei kontraproduktiv, da man mit diesem „Dirigismus“ vollendete Tatsachen schaffe. Hochwasserschutz, so der Landrat, sei eine wichtige Aufgabe der Daseinsvorsorge. Die Akzeptanz könne aber nicht verordnet werden, sie beruhe vielmehr auf Freiwilligkeit. Dazu müsse das lokale Umfeld auf Augenhöhe miteinbezogen werden.

„Ich persönlich stehe zu konstruktiv geäußerter Kritik“, betont Peter von der Grün. Neben der Vielzahl an technischen und naturschutzfachlichen Aspekten des Hochwasserschutzes kommt ihm in der Diskussion das Anliegen der Menschen vor Ort zu kurz. „Ich begrüße es, dass der Prozess offen gestaltet werden soll. Doch unsere Meinung geht bisher ein wenig unter. Deshalb müssen wir die Kräfte bündeln.“ Mit einer BI könne dem Anliegen der Anwohner eine Stimme gegeben werden. Immerhin, so die Erkenntnis des Runden Tischs, habe der Dialog schon Wirkung gezeigt. „Es hat mich sehr gefreut, dass der Leiter des Ingolstädter Wasserwirtschaftsamtes (Anm. d. Red.: Christian Leeb) die Tür für eine Grundsatzdiskussion geöffnet hat.“ Nur so könne man die nötige Akzeptanz für den Hochwasserschutz schaffen.

Ihre Einwände gegen den Flutpolder könnten die beiden Kommunalpolitiker Roland Weigert und Peter von der Grün übrigens bald persönlich an höherer Stelle vorbringen. Horst Seehofer hat am Rande seiner Stippvisite in Neuburg die örtlichen Vertreter zum Dialog in die Staatskanzlei eingeladen.

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