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20.06.2016

Früher Glaubenszeuge

Verleger Christoph Konrad (rechts) überreicht Reinhard H. Seitz die erste Ausgabe seines Buches.
Bild: Elke Böcker

Reinhard Seitz präsentiert seine Forschungsarbeit

In feierlichem Rahmen wurde der Kirchenführer „Die Schloßkapelle zu Neuburg a. d. Donau – Einer der frühesten evangelischen Kirchenräume“ am Wochenende der Öffentlichkeit vorgestellt. Im gut besuchten Rittersaal des Neuburger Schlosses, umrahmt von den Neuburger Hofmusik, führte der Autor Reinhard H. Seitz, der dieser Tage 80 Jahre alt wird, in die Geschichte der bedeutenden Schlosskapelle ein. Im Anschluss wurde ihm von Verleger Christoph Konrad das erste Exemplar des kleinen, feinen Bandes übergeben. Das hübsche Buch zeigt nicht nur inhaltlich interessante Aspekte der Forschungen rund um die Schlosskapelle, sondern rückt mit ansprechendem Bildmaterial auch die bedeutsamen Fresken – einer Bilderpredigt gleich – ins rechte Licht.

Die Anfänge der Kapelle reichen bis ins Jahr 1537 zurück. Damals war Pfalzgraf Ottheinrich gerade aus Krakau zurückgekehrt, wo er das ausstehende Heiratsgut seiner Großmutter eingefordert hatte. Jetzt konnte mit dem Bau des Westflügels begonnen werden. Dafür und für die geplante Kapelle war das Beste gerade gut genug. Man orderte wertvollen Rotmarmor aus dem Salzkammergut für Fenster- und Türstürze, aber man verwendete auch bereits vorhandene Bauteile des alten Schlosses. Das ist auch der Grund für die Unterkellerung der Kapelle und das damit verbundene Fehlen einer Gruft. Mutterboden war dort nicht vorhanden. Da das Geld aus Polen für die hochfliegenden Pläne des Pfalzgrafen nicht ausreichte, sprang auch die Stadt Lauingen in die Finanzierung mit ein. Trotzdem war Ottheinrich irgendwann bankrott und andere mussten seine Pläne vollenden.

So wechselvoll wie die finanzielle Schloss- und Kapellengeschichte ist auch die religiöse. So wurde die Kapelle zwar durch den Reformator Andreas Osiander eingeweiht und erhielt das erste speziell für das evangelische Bekenntnis ausgestattete Bildprogramm – die Boxberger Fresken. Doch die Gegenreformation machte auch vor der Schlosskapelle nicht halt. In Lauf ihrer spannenden Geschichte diente sie jedoch nicht nur als Gotteshaus wechselnder Konfessionen, sondern auch als Wohnung für den Schlosspförtner und als Archiv für Kulturgüter.

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Reinhard H. Seitz, der so kenntnisreich in die Geschichte der Kapelle einführte, hat viele Jahre in ihrer engsten Nachbarschaft verbracht. Von 1976 bis 1989 leitete er das Staatsarchiv in Neuburg an der Donau, das dann nach Augsburg verlegt wurde. Schon damals beschäftigte ihn der ungewöhnliche Sakralbau und als nach seiner Pensionierung der Neuburger Pfarrer Gerhard Steiner an ihn herantrat, stand weiteren Forschungen nichts im Wege. Herausgegeben wurde der Band nun vom Anton H. Konrad Verlag aus Weißenhorn, der sich damit einmal mehr um die Geschichte Neuburgs verdient gemacht hat.

„Die Schloßkapelle zu Neuburg a. d. Donau – Einer der frühesten evangelischen Kirchenräume“ kostet 9,95 Euro. ISBN: 978-3-87437-572-6.

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