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Familienerlebnis

21.03.2015

Für Klein und Groß

Ein Spielzeugauto von anno dazumal – natürlich aus Metall und ohne Plastik.
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Ein Spielzeugauto von anno dazumal – natürlich aus Metall und ohne Plastik.

Das Spielzeugmuseum ist völlig neu gestaltet. Dort darf nicht nur geschaut, sondern auch gespielt werden. Neue Hingucker kommen aus einer Privatsammlung

Es soll eine Welt sein, in der Kinder ganz spielerisch für Museen begeistert werden. Und deshalb dürfen im Ingolstädter Spielzeug- und Kindermuseum nicht nur Ausstellungsstücke bewundert werden. Es darf auch gespielt werden.

Da gibt es einen Puppenwagen, eine Ritterburg oder ein Kasperltheater, das den Kindern zur Verfügung steht. „Alles, was bei uns frei herum steht, darf bespielt werden“, erklärt Beatrix Schönewald, die Leiterin des Stadtmuseums. Vor allem seit der Neugestaltung gleicht das Museum mehr denn je einem historischen Kinderzimmer. „Wir wollten hier die Kinderwelt von 1900 bis 1950 abbilden“, sagt Antonia Spranger-Fleckinger, Mitarbeiterin des Stadtmuseums und zuständig für das Spielzeugmuseum.

Sie war es auch, die die Wände mit Drachen, Trollen oder Eulen bemalt und dem Ganzen so den Charakter eines Spielzimmers verpasst hat.

Neben vielen beliebten Stücken, wie der großen Modelleisenbahn, die den Kindern regelmäßig vorgeführt wird und mit der sie auch unter Aufsicht spielen können, gibt es viele neue Exponate. Gleich beim Eingang steht eine Glasvitrine, in der Ausgrabungsfunde gezeigt werden - Tonfigürchen aus dem Mittelalter, Pfeifen und Spielzeugöfen aus dem 16. Jahrhundert, mit denen Ingolstädter Kinder damals gespielt hatten: „Solche Funde sind sehr selten. Spielsachen wurden oft aus Naturmaterialien gefertigt und wenn sie nicht mehr gebraucht wurden, wurden sie weggeworfen“, erklärt Schönewald. Das sei ja auch heute noch der Fall, denn Spielsachen seien immer noch Gebrauchsgegenstände. „Eigentlich hebt man ja nur Sammelobjekte auf“. Von diesen gibt es viele zu bestaunen, vor allem Blechspielzeug. Sammler Raimund Reibenspieß hat dem Museum einige seiner Schätze zur Verfügung gestellt: riesige Dampfer, die unter amerikanischer Flagge unterwegs sind, historische Fahrzeuge mit einer kleinen Figur am Steuer oder alte Lokomotiven sowie weitere Miniaturgegenstände wie Bahnhofslampen. Die wurden mit Spiritus oder Öl betrieben und verursachten so manchen Zimmerbrand: „Meistens waren es die Väter, die die Brände verursachten“, sagt Schönewald. Denn vor allem bei sehr hochwertigen Spielzeugen in adeligen Kreisen war es lange Zeit nicht üblich, dass Kinder damit spielten. Spielzeug war nur zum Anschauen da beziehungsweise für die Erwachsenen gedacht, die sich so ihre eigene kleine Miniaturwelt schaffen konnten – sei es nun eine Puppenstube, die sich Frauen eingerichtet hatten, oder ein ganzes Schiff mit Matrosen und weiteren Figürchen für die Männer.

Diese Rollenteilung verdeutlicht das Stadtmuseum in einem besonderen Schaukasten. Auf der einen Seite finden sich Spielsachen für Buben. Da gibt es Dinge, mit denen die Weiterbildung gefördert werden soll, wie etwa eine „Laterna Magica“ oder aber auch ein Mini-Altar, mit dem sie Pfarrer spielen konnten. Für die Mädchen war der Kaufmannsladen, die Puppenküche oder auch der kleine Schminktisch inklusive Parfüm reserviert.

Neben all den geschlechterspezifischen Spielsachen gibt es aber noch ein paar Gesellen im Spielzeugmuseum zu sehen, die Buben und Mädchen gleichermaßen erfreut haben dürften: Marionetten, die laut Antonia Spranger-Fleckinger ganz Europa bereist haben dürften. Wenn die Wanderbühnen in die Stadt kamen, dann sei das immer etwas ganz Besonderes gewesen. „Es gab ja noch keine Medien wie heute und die Marionettenspieler vermittelten Neuigkeiten oder brachten den Zuschauern Literatur näher. Das war schon etwas ganz Besonderes“, erklärt sie.

Wer dem neugestalteten Spielzeugmuseum einen Besuch abstatten möchte, hat dazu von Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr sowie am Samstag, Sonntag und Feiertag von 10 bis 17 Uhr Gelegenheit.

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