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München/Neuburg

11.07.2019

Für das Klima: Donau-Auen sollen doch unter Schutz gestellt werden

Die Donau-Auen bei Neuburg sollen nun doch bald unter besonderen Schutz gestellt werden.
Bild: Armin Weigel/dpa

Plus Die Staatsregierung legt einen Klimafahrplan vor. Ministerpräsident Markus Söder möchte dazu die ökologisch wertvollen Auwälder im Landkreis besonders schützen. Was Politiker und Experten dazu sagen.

Die Donau-Auwälder im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen könnten bald doch einen besonderen Schutzstatus erhalten – und zwar als Nationales Naturmonument (NNM). Das hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt, um den Klimaschutz voranzutreiben. Neben dem Umbau der Staatsforsten, wo 30 Millionen Bäume gepflanzt werden sollen, gehört der Schutz „wilder und sehr alter Wälder“ zur Strategie. Bereits im September möchte die Staatsregierung ein eigenes Klimaschutzgesetz vorlegen. Politiker und Experten aus der Region halten die Idee für gut.

Söder hatte die Pläne seines Amtsvorgängers Horst Seehofer, die Auwälder als dritten Nationalpark in Bayern auszuweisen, nach seinem Amtsantritt einkassiert. Naturmonumente sind kleinere Schutzgebiete, für die weniger strenge Regeln gelten als in Nationalparks. Landrat Peter von der Grün (FW) freut sich prinzipiell darüber, „dass der Ministerpräsident beim Thema, was kann man für den Klimaschutz tun, gleich an uns gedacht hat. Es ist eine schöne Überraschung, man muss aber abwarten, was das konkret bedeutet. Die Pläne sind noch frisch und alles ist offen.“

Schon vor der Klimadiskussion für den Erhalt der Donau-Auen eingesetzt

Sein Parteikollege, Vorgänger im Amt und Landtagsabgeordneter Roland Weigert ist in München nah dran an der Staatsregierung. Er habe sich in seiner Zeit als Landrat vehement für den Erhalt und Schutz der Auwälder ausgesprochen. „Ob Nationalpark oder Naturmonument, am Ende sind Namen Schall und Rauch. Wichtig ist der Schutz dieses in Deutschland einzigartigen Naturerbes“, findet Weigert. „Mich freut es außerordentlich, dass der Ministerpräsident sich öffentlich dazu bekennt und politische Initiative ergreift.“ Zu hoffen sei, dass aus Fehlern der Vergangenheit gelernt werde. „Bei der Umsetzung müssen die Diskussionen mit den Bürgern vor Ort laufen. Das ist ein ganz wesentliches Element, um Akzeptanz zu schaffen.“ Ein wichtiger Aspekt ist für Roland Weigert noch das Thema Hochwasserschutz. Den Auwäldern zwischen Neuburg und Ingolstadt komme eine ganz besondere Rolle bei der Retention, also dem Wasserrückhalt, zu.

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Klimadiskussion: An die Rolle des Waldes hat niemand gedacht

Professor Dr. Bernd Cyffka, Leiter des Aueninstituts und Inhaber des Lehrstuhls für Angewandte Physische Geografie an der KU Eichstätt, wundert sich, das bislang in der Klimadiskussion das Naheliegendste außen vor blieb: „An die Fotosynthese, also die Rolle des Waldes als Kohlenstoffspeicher, hat niemand gedacht.“ Den Klimaschutz könne man aus politischem Blickwinkel regional sehen, weltklimatisch freilich greife das zu kurz, sagt der Wissenschaftler. Ein Drittel Deutschlands sei jetzt schon von Wald bedeckt und der Waldanteil wachse seit Jahren. Wichtig sei neben der internationalen Zusammenarbeit die Rolle der Auwälder und Moore, dort kumuliere das CO2 am Boden. Cyffka findet, „grundsätzlich ist ein geschützter Wald immer sehr gut für die Artenvielfalt und Biodiversität.“ Dass die Wälder längs des Stroms schon jetzt als FFH-Gebiete ausgewiesen seien, ist für ihn kein Indiz für ausreichenden Schutz. „Es gilt das Verschlechterungsgebot. Jede Nutzung ist also wie bisher erlaubt.“

Josef Egginger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Pfaffenhofen ergänzt dazu: „ Ältere Bäume sind ein besserer Kohlenstoffspeicher als jüngere. Nur wenn Bäume verrotten, wird wieder Kohlendioxid freigesetzt.“ Zudem seien viele Arten an alte Bäume und ihre Zerfallsformen gebunden. „Alte Eichen sind besonders wertvoll, etwa für Spechtarten. Die Auwälder sind die Wälder, die in den letzten 100, 200 Jahren am stärksten gelitten haben durch Rodungen und die Uferverbauungen und Eindeichungen.“

Erreichen möchte Ministerpräsident Söder die ehrgeizigen Klimaziele nicht nur mit dem Schutz alter Wälder, sondern einer radikalen Änderung der Nutzung staatlicher Wälder. Die Bayerischen Staatsforsten sind seit 2005 auf Geheiß des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ein gewinnorientierter Betrieb. Zuletzt wurde bei einem Jahresumsatz von 372 Millionen nur rund 20 Millionen Euro Gewinn gemacht. Künftig sollen im Staatswald ökologische Ziele im Mittelpunkt stehen. Zehn Prozent des rund 755.000 Hektar großen Staatswaldes – immerhin zehn Prozent der Landesfläche – sollen zudem für den Artenschutz stillgelegt werden.

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