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Neuburg

28.12.2020

"Furchtbares Jahr": So blickt Neuburgs OB Bernhard Gmehling auf 2020 zurück

Anfang 2020 stand noch ein „Geburtstagsbaum“ im Amtszimmer von Oberbürgermeister Bernhard Gmehling, der kurz davor sein 60. Wiegenfest gefeiert hat. Da war die Welt noch in Ordnung, lief der Kommunalwahlkampf gerade richtig an, ehe es eine Woche vor dem Wahlgang am 15. März mit Corona losging und danach alles anders wurde. Nach einer Stichwahl begann für den alten und neuen Rathauschef seine vierte Amtsperiode.
Bild: Manfred Rinke (Archiv)

Plus Hinter Neuburgs OB Bernhard Gmehling liegt ein „außergewöhnliches, furchtbares“ Jahr. Im Interview spricht er über die Pandemie, eine Enttäuschung im Wahlkampf und große Projekte.

Wie werden Sie das Jahr 2020 in Erinnerung behalten?

Bernhard Gmehling: Dieses für die Stadt und den Landkreis außergewöhnliche, ja wegen der Corona-Pandemie furchtbare Jahr werde ich natürlich nie vergessen. Ab Mitte März hat uns dieses Thema ununterbrochen beschäftigt. Wie müssen wir reagieren? Was müssen wir anders machen? Wie schützen wir unser Personal? Fragen über Fragen. Dann folgten Absagen vieler Veranstaltungen, auch im kulturellen und sportlichen Bereich – das tat alles sehr weh.

Und wie erlebten sie das Corona-Jahr privat?

Gmehling: Es war auch für die Familie eine schwierige Zeit. Gott sei Dank blieben bisher alle gesund. Nur ich war einmal wegen des Kontaktes zu einer infizierten Stadtratskollegin in Quarantäne, hatte aber das Virus nicht. Neben viel Arbeit gab es nur eine Woche Urlaub im Sommer, kein Fußball, aber zumindest Tennis bis Ende November.

Wie sehr hat Corona das politische Wirken eingeschränkt?

Gmehling: Betroffen war natürlich vor allem die Kommunalwahl. Nach einem intensiven Wahlkampf im Januar und Februar ging es eine Woche vor dem Urnengang am 15. März mit Corona los. Danach gab es keine großen Veranstaltungen mehr und die spätere Stichwahl war eine reine Briefwahl. Ich musste natürlich in erster Linie darauf achten, dass organisatorisch alles geregelt ist. Der Wahlkampf lief ab da nur noch so nebenbei.

Corona lässt grüßen: Der obligatorische Handschlag der beiden Kontrahenten für die Stichwahl fiel aus. Bernhard Gmehling (CSU) und Gerhard Schoder (Grüne) hielten Abstand. 
Bild: Gloria Geißler (Archiv)

Sie waren also recht siegessicher?

Gmehling: Na ja, ich war schon der Meinung, dass es im ersten Durchgang knapp reichen würde. Dass es zur Stichwahl kam, hat mich schon ein wenig enttäuscht.

Warum denn?

Gmehling: Ich denke, dass ich 18 Jahre lang eigentlich nicht viel verkehrt gemacht, sondern viel Gutes für Neuburg geleistet habe. Aber scheinbar glauben manche Menschen Versprechungen und Visionen mehr, als das tatsächlich Geleistete zu sehen.

Wie stufen Sie das Jahr nach den Kommunalwahlen und mit den neuen Gesichtern im Stadtrat ein?

Gmehling: Ich wurde 1996 zum ersten Mal in den Stadtrat gewählt und habe seitdem natürlich immer wieder neue Gesichter in dem Gremium gesehen. Die sind in der Regel kritischer, wollen neue Ideen einbringen und sich profilieren. Das wollte ich damals ja auch. Aber ich habe den Eindruck, dass sich neben der Quantität mit 15 neuen Stadträten auch die Qualität verändert hat.

Was meinen Sie damit?

Gmehling: Es gibt eine Flut von Anträgen, viele betreffen Themen, die schon im Wahlkampf diskutiert wurden oder für die die Stadt nicht zuständig ist. Die zu beantworten, kostet der Verwaltung unnötig viel Zeit. Das ist schade. Da bekommt man das Gefühl, dass für manch einen noch immer Wahlkampf herrscht. Dabei wäre es zielführender, nicht zum 100. Mal das zu diskutieren, was längst beschlossen ist, sondern gemeinsam für Neuburg wichtige Projekte vorwärtszubringen.

Was sind die wichtigen Projekte in Ihren Augen?

Gmehling: Natürlich die Ostbrücke, der Campus, die Fortführung der Nahwärme mit Augenmaß und nicht zuletzt der soziale Wohnungsbau. Im Juni werden die ersten Mieter am Siedlerweg in Feldkirchen einziehen und wir beginnen mit der Erschließung des „Heckenwegs“, wo neben anderen auch 150 bis 180 günstige, mit Nahwärme beheizte Wohnungen zu Quadratmeterpreisen von 7,50 und 8 Euro entstehen werden.

Apropos Campus: Asylbewerberunterkunft und Obdachlosenheim werden im Gewerbegebiet Grünau platziert. Ist das nicht zu dezentral gelegen?

Gmehling: Den Plänen nach entsteht eine wirklich ordentliche Obdachlosenunterkunft, für die wir immerhin zwei Millionen Euro eingeplant haben. Was das Asylbewerberheim angeht, haben wir der Regierung von Oberbayern drei Standorte genannt. Einmal im geplanten, neuen Bahnhofsquartier, dann ein Grundstück in der Paul-Winter-Straße und schließlich am Ochsengründlweg in Grünau. Entschieden hat es die Regierung, wir als Stadt hatten keinen Einfluss darauf. Letztlich wird die Unterkunft mit dann 250 Plätzen für Asylbewerber in meinen Augen aufgewertet. Es werden Regierungsbeamte und ein Hausmeister vor Ort sein, die Versorgung ist vor Ort und es gibt eine für die Asylbewerber kostenlose Stadtbuslinie in unmittelbarer Nähe.

Was das Dauerthema zweite Donaubrücke im Osten angeht: Wie stehen aktuell die Realisierungschancen?

Gmehling: Dass eine Ostbrücke mit Osttangente für Neuburg den größten positiven Effekt in vielerlei Hinsicht hätte, ist längst keine Frage mehr. Natürlich wird nach der Überprüfung der achten Variante das Für und Wider noch abgewogen. Doch für eine Westlösung gibt es, bis auf den geringeren ökologischen Eingriff, kein überzeugendes Argument. Neuburg braucht für seine Weiterentwicklung dringend eine zweite Donaubrücke und, dass überhaupt eine kommt, ist leider noch nicht sicher.

Luise Kober aus Neuburg ist die erste Impf-Kandidatin im Landkreis. Die kleine Spritze von Dr. Shahram Tabrizi nimmt sie gelöst entgegen, im Hintergrund sehen (von links) OB Bernhard Gmehling, Bürgermeister Harald Reisner, Landrat Peter von der Grün,MdL Matthias Enghuber und Staatssekretär Roland Weigert zu.
Bild: Winfried Rein

Wie beeinflusst Corona das neue Haushaltsjahr für die Stadt?

Gmehling: Natürlich gibt es heftige Einbrüche bei der Gewerbesteuer und dem Anteil an der Einkommenssteuer und leider gibt es noch keine Garantie von Bundesseite für die Steuerausfälle im kommenden Jahr. Schade – allein schon wegen der Symbolik – ist es, dass die Kreisumlage nicht bei 49,5 sondern 50 Prozentpunkten gelandet ist, was heuer leicht möglich gewesen wäre. Es können zwar 2021 keine neuen Projekte angegangen werden und wir haben eine Kreditaufnahme von sechs Millionen Euro vorgesehen. Dennoch ist letztlich ein ordentlicher Haushalt mit einem neuen Rekordvolumen aufgestellt worden.

Was wünschen Sie sich für 2021, ... was die Pandemie angeht?

Gmehling: Ich hoffe natürlich, dass bald wieder halbwegs normale Zustände herrschen. Deshalb wünsche ich mir auch eine hohe Impfquote. Ich werde mich, sobald dies möglich ist, impfen lassen und habe auch keinerlei Bedenken. Persönlich bedaure ich auch die zahlreichen Veranstaltungen, die ausfallen müssen, allen voran das Schloßfest, von dem ich ein absoluter Fan bin.

… was ihre Arbeit als OB angeht?

Gmehling: Ich wünsche mir mehr Sacharbeit im Stadtrat, mehr Zusammenarbeit, dass wir die großen Themen gemeinsam anpacken, auch wenn es, wie bei der Ortsumfahrung mit Donaubrücke, unterschiedliche Meinungen gibt. Und ich hoffe auf weniger nicht notwendige Anträge, die die Verwaltung nur ungemein aufhalten. Wir werden, so bald es möglich ist, eine Klausurtagung abhalten, wo wir alle auch mal persönlicher miteinander reden können. Vielleicht wird es ja danach besser laufen.

… privat?

Natürlich Gesundheit für die Familie, einen „gscheidn“ Urlaub und wieder mehr Sport.

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