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Neuburg-Schrobenhausen

05.09.2019

Ganz automatisch zum Führerschein?

Fahrlehrer Josef Libal betreut Aphitsara Bockelmann am Steuer. Da in ihrem Heimatland Thailand mehr mit automatischer Schaltung gefahren wird, hat sie sich für den Automatikführerschein entschiedenFalls die Beschränkung fällt, dürfte sie nach zusätzlichen Fahrstunden alle Autos fahren. 

Bundesverkehrsminister Scheuer will die Beschränkungen des Automatikführerscheins aufheben. Wie Fahrlehrer den Vorschlag und die Zukunft der E-Autos bewerten.

Ins Auto steigen, sich anschnallen, Gas geben. Früher noch als unnötiger Komfort belächelt, ist die Automatikkupplung heute oft als Erleichterung selbstverständlich. In den Fahrschulen dagegen ist die Nachfrage nach Automatikfahrstunden relativ gering. Das hat auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erkannt, der damit eine Gelegenheit für die Förderung der E-Mobilität in Deutschland wittert. Dessen Vorhaben erntet allerdings nicht nur Zustimmung.

Konkret geht es darum, die Beschränkungen für den Automatikführerschein aufzuheben. Bis jetzt dürfen Personen mit Automatikführerscheinen nur Automatikautos fahren. Wer einen Wagen mit manuellem Getriebe nutzen will, muss neben weiteren Fahrstunden noch eine zusätzliche Prüfung ablegen. Das soll laut Scheuer bald der Vergangenheit angehören. Mit der neuen Regelung könnten ergänzende Fahrstunden ausreichen, um mit Automatikführerschein alle Autos fahren zu dürfen. Noch steht ein endgültiger Beschluss aus, Meinungen dazu fallen sowohl bei den Verbänden als auch unter den Fahrlehrern unterschiedlich aus.

Automatikführerschein: Das sagen Fahrlehrer aus Neuburg

Ein Befürworter des Vorschlags ist der Neuburger Fahrlehrer Josef Libal. „Wir brauchen eine neue Automatikregelung, aber wir brauchen dafür eine klare Regelung des Gesetzgebers“, sagt er. Das sei mit Blick auf ein Nachbarland möglich: In Frankreich muss eine Bescheinigung der Fahrschule über die Teilnahme an umgerechnet circa neun Fahrstunden mit Kupplungspedal vorgelegt werden.

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Ralf Fleißner, Fahrlehrer der gleichnamigen Fahrschule in Neuburg.
Bild: privat

Für Ralf Fleißner, Fahrlehrer aus Neuburg, würde durch das Vorhaben keine neue Situation entstehen: „Für die Fahrschulen ändert sich womöglich nicht viel, eventuell brauchen wir ein zusätzliches Automatikauto.“ Zwar ist der Automatikführerschein in der Regel für Fahrschüler einfacher, da das Schalten wegfällt, äußerst beliebt ist er dennoch nicht: „Bis jetzt war die Nachfrage nach dem Automatikführerschein gleich null, niemand will zweimal die Prüfung machen, nur um dann mit Gangschaltung fahren zu dürfen“, merkt er an. Auch preislich gäbe es nur minimale Unterschiede. Libal bestätigt die geringe Nachfrage, allerdings fügt er hinzu, dass immer mehr Fahrschüler Autos mit Automatikschaltung ausprobieren wollen.

Auch wenn die Schulung für den Fahrlehrer angenehmer werden könnte, ist Fleißner von den Änderungen nicht komplett überzeugt. Zwar sei es aus Sicht eines Ausbilders entspannter, da die Schüler meistens weniger nervös seien, persönlich halte er es aber nur bedingt für sinnvoll. „Ein paar zusätzliche Stunden reichen oft nicht aus, um den Umgang mit manueller Schaltung zu lernen“, erklärt der Fahrlehrer. Eine ähnliche Haltung hat auch der TÜV-Verband, der die Idee des Bundesverkehrsministers im Hinblick auf die Sicherheit im Straßenverkehr als Bärendienst beschreibt und massiv kritisiert.

Wann ein E-Auto in Fahrschulen Sinn macht

Libals Ansichten decken sich dagegen mit der Aussage des Bundesverband der Fahrlehrerverbände: Die Fahrassistenzsysteme können nur in Fahrzeugen ohne Schaltgetriebe ihre volle Wirkung entfalten. „Die Technik der Autos hat sich in den letzten 100 Jahren so verbessert, dass die Anforderungen an den Fahrer steigen. Dahingehend müssen wir die Schüler auch mitnehmen.“

Dass die Beschränkungen aufgehoben werden, halten beide Fahrlehrer für relativ wahrscheinlich. Fleißner sieht hierbei aber eher eine politische Motivation, vor allem um Elektroautos in Fahrschulen sowie auf den Straßen salonfähiger zu machen. Dabei kann er die Bemühungen nicht nachvollziehen: „Das Fahrgefühl ist sehr angenehm, verkaufen würde ich sie selbst allerdings nicht“, sagt der Fahrlehrer. Für ihn ist neben dem Bau der Fahrzeuge besonders ihre Entsorgung bedenklich. Auch die notwendige Stromversorgung und ein möglicher Wertverlust spielen eine Rolle. Viel mehr solle man sich auf alternative Technologien wie Wasserstoff konzentrieren. Für seine Fahrschule ist deshalb in Zukunft auch kein E-Auto im Angebot geplant.

Entscheidung über Automatikführerschein noch nicht gefallen

Falls Scheuers Vorhaben gelingt, kann sich Libal den Kauf eines E-Autos dagegen durchaus vorstellen: „Das Elektroauto in Fahrschulen steht und fällt mit der Automatikbeschränkung“. Ähnlich problematisch bewertet er neben der noch geringen Akkuleistung aber wie sein Kollege die Umweltbilanz. „Die Elektroauto-Technik fährt aktuell in eine Sackgasse. Das Fahren an sich ist umweltfreundlich. Dahinter steht aber eine bedenkliche Produktion – der notwendige Strom und die Entsorgung noch gar nicht mitgezählt“, führt er aus. Wie Fleißner sieht er die Zukunft des Antriebs im Wasserstoff.

Ob die Beschränkung fallen wird, ist nach aktuellem Stand noch nicht entschieden. Falls ja, dann wird die Nachfrage nach dem Automatikführerschein wohl steigen. Aktuell laufen Vorabstimmungen zwischen dem Verkehrsministerium und der EU-Kommission. Was sich die Fahrschulen schon jetzt wünschen, ist vor allem eines: Planungssicherheit für die Zukunft.

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