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Weichering

01.06.2017

Geballter Widerstand gegen einen Nationalpark in den Donau-Auen

Dieses Bild bot sich Umweltministerin Ulrike Scharf, als sie gestern nach Weichering kam, um im Gasthof Vogelsang mit Verbands- und Interessensvertretern über einen möglichen Nationalpark in den Donau-Auen zu diskutieren. Zu der Demonstration hatte der Bayerische Bauernverband aufgerufen.
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Dieses Bild bot sich Umweltministerin Ulrike Scharf, als sie gestern nach Weichering kam, um im Gasthof Vogelsang mit Verbands- und Interessensvertretern über einen möglichen Nationalpark in den Donau-Auen zu diskutieren. Zu der Demonstration hatte der Bayerische Bauernverband aufgerufen.
Bild: Claudia Stegmann

Umweltministerin Ulrike Scharf kam nach Weichering, um mit Verbänden über einen Nationalpark zu sprechen. Empfangen wurde sie von Hunderten Demonstranten.

„Kein Nationalpark Donau-Auen! Kein Nationalpark Donau-Auen!“ Aus Hunderten von Kehlen schallte dieser Satz immer und immer wieder Umweltministerin Ulrike Scharf gestern entgegen, als die – flankiert von Weicherings Bürgermeister Thomas Mack und Landrat Roland Weigert – in Weichering ankommt. Auf diese knappe, aber klare Botschaft hatte BBV- Kreisobmann Ludwig Bayer die Demonstranten zuvor eingeschworen. Notwendig wäre das allerdings nicht gewesen, denn alle, die an diesem Nachmittag mit oder ohne Plakat vor dem Gasthaus Vogelsang in Stellung gingen, hatten dasselbe Ansinnen: die Ausweisung eines Nationalparks in den Donau-Auen zu verhindern.

Grundstücksbesitzer, Landwirte, Forstwirte, Jäger und Fischer aus den Landkreisen Neuburg-Schrobenhausen, Donauwörth, Eichstätt und der Stadt Ingolstadt waren auf Einladung des Bauernverbands nach Weichering gekommen, um Flagge zu zeigen. Insgesamt dürften es wohl 300 bis 400 Menschen gewesen sein, die sich von dem Vorhaben der bayerischen Staatsregierung übergangen, bevormundet, in ihrer Funktion nicht wertgeschätzt oder in ihrer Arbeit oder Lebensqualität eingeschränkt sehen. Markus Müller, der Leiter der BBV-Hauptgeschäftsstelle in Schwaben, fungierte gestern als Moderator und ließ zahlreiche Demonstranten zu Wort kommen. So sagte etwa der Vorsitzende der Waldgenossenschaft Weichering, Georg Lanzl: „Unser Wald steht dank unserer Arbeit gut da. Und jetzt sollen wir ihn in die Hände von irgendwelchen Leuten geben, die im Büro sitzen!?“ Auch Marxheims Bürgermeister Alois Schiegg kritisierte die Entscheidungsträger im Umweltministerium, als er sagte: „Es wird mit allen geredet, nur nicht mit denen, die es angeht.“

Die Demonstration des BBV nutzte auch die Bergheimer Waldgenossenschaft, um erneut ihren Unmut gegen das Vorhaben zu bekunden. Kassier und Schriftführer Theo Weidacher war sich sicher, dass die Mehrheit der Bürger einen Nationalpark überhaupt nicht wolle. „Nur wegen ein paar Pilzen und Moosen sollten wir unseren Wald nicht aufgeben.“ Die Bergheimer haben mittlerweile auch eine Bürgerinitiative unter dem Namen „Kein 3. Nationalpark Donau-Auen“ gegründet, wie sein Verbandskollege Engelbert Winter bekannt gab. Wer sich dieser anschließen möchte, könne dies per E-Mail an die Adresse keinnp3@web.de tun.

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Das Schlusswort der rund eineinhalbstündigen Demo oblag Ludwig Bayer. Im Ton sachlich, aber in der Aussage unmissverständlich brachte er die wesentlichsten Bedenken der Demonstranten auf den Punkt: Für eine internationale Anerkennung als Nationalpark sind mindestens 10000 Hektar Fläche notwendig, derzeit seien aber gerade einmal um die 3300 Hektar eingeplant. Daraus resultiere die Frage: Wo sollen die restlichen Flächen herkommen, wenn private und kommunale Flächen nicht mit einbezogen werden sollen?

Auch als die Umweltministerin neben Bayer auf dem Podium stand und er seine Argumente direkt an sie richten konnte, blieb der Kreisobmann fair und sachlich. Bei ihrem letzten Besuch im April hätte sie einen Wald „ohne Geschwirr“ erlebt. Doch so lauschig sei es dort nicht immer, weshalb Bayer die Ministerin – auf recht charmante Weise in Form eines Reims – zu einem Besuch in den Sommermonaten einlud. „Kommen Sie im Sommerkleid / die Stechmücken sind zum Empfang bereit / Sie werden erleben Sommerauen-Landschaft pur / plus kostenfreie, biologische Akupunktur.“ Welche Spaziergänger und Radfahrer würden unter diesen Bedingungen dort Erholung suchen, fragte er in Richtung Ulrike Scharf. „Ich verrate es Ihnen: Kein Schwein will hier in den Auwald, höchstens Schwarzwild.“ Im Auwald würde seltene Fauna und Flora bereits jetzt nach europäischen Recht strengstens geschützt werden, was der Verdienst von Bauern, Forstwirtschaftlern, Jägern und Fischern durch deren verantwortungsvolles Handeln sei. „Und das können wir auch weiterhin, dazu brauchen wir keinen Nationalpark.“

Als Ulrike Scharf ans Mikrofon trat, ließen die Besucher sie durch ein Pfeifkonzert wissen, was sie von ihr halten. Pfiffe und Buh-Rufe gab es auch, als sie davon sprach, dass die Staatsregierung von Anfang an den Dialog gesucht habe – so wie an diesem Tag. Mehrfach betonte sie, dass die Donau-Auen einer von vier Nationalparks seien, die sich naturschutzfachlich eignen würden. Derzeit sei noch nichts entschieden. Die Regierung werde niemandem etwas überstülpen, niemanden enteignen und schon gar keine privaten Flächen überplanen. „Es geht ausschließlich um Staatsflächen. Sie können sich darauf verlassen.“

Im Anschluss wurden beim Verbändegespräch im Gasthof Vogelsang offene Fragen der Gesprächsteilnehmer beantwortet. Eingeladen waren rund 120 Vertreter aus Reihen der Grundeigentümer, Nutzer, Rechtler und Kommunalverwaltungen. Eine ausführliche Berichterstattung dazu gibt es in der morgigen Ausgabe. Weil die Versammlung nicht öffentlich war, hatten Landrat Roland Weigert und sein Donau-Rieser Kollege Stefan Rößle gegenüber Umweltministerin Scharf eine Bürgerinformationsveranstaltung angeregt. "Landkreis Seite 33

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