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Neuburg

21.11.2017

Gericht: Hat der Mann den Jungen vergewaltigt?

Am Amtsgericht Neuburg muss sich ein 39-Jähriger unter anderem wegen Vergewaltigung verantworten.
Bild: Maya Spitzer

Ein 39-Jähriger muss sich wegen schwerer Vorwürfe vor dem Neuburger Amtsgericht verantworten.

Eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis der heute 16-Jährige Junge sich überwinden konnte, das Schweigen zu brechen. Im April offenbarte er sich seiner Mutter, die sofort mit ihm zur Polizei ging. Ein enger Freund der Familie – ein entfernter Verwandter – soll ihn zwischen November 2015 und Februar 2017 mehrmals sexuell missbraucht haben. Seit Dienstag muss sich der beschuldigte 39-Jährige nun wegen Vergewaltigung, Nötigung und Verbreitung pornografischer Schriften vor dem Neuburger Amtsgericht verantworten.

„Ich hatte keine Freunde und er war so lieb zu mir“, beschrieb der Junge sein Verhältnis zum Angeklagten vor Gericht. Im November 2015 habe der Mann ihm zum ersten Mal angeboten, gemeinsam einen Pornofilm zu schauen. Der Angeklagte holte dabei sein Glied heraus, der damals 14-Jährige sollte es ihm gleichtun – und tat es auch. Den weiteren Schilderungen des Jungen zufolge, der nicht nur als Zeuge, sondern auch als Nebenkläger auftrat, war dies noch die harmloseste Szene dessen, was sich im Laufe der darauffolgenden 16 Monate zwischen den beiden abgespielt haben soll. Der Junge berichtete von Berührungen, von Oralsex und mehr. Aufgrund des engen Kontakts zur Familie habe der Angeklagte immer gewusst, wann die Eltern des Jungen nicht zuhause waren. Oder er fuhr mit ihm an abgelegene Orte wie Parkplätze oder Baustellen im Landkreis. Kurz nach seinem 15. Geburtstag habe er ihm deutlich gesagt, dass er das nicht mehr wolle, erzählte der Junge. Doch der Angeklagte habe das nicht akzeptiert und ihm stattdessen gedroht, seinen Eltern zu sagen, dass er homosexuell sei und alles von ihm ausgegangen sei. Aus Angst schwieg der Junge. Ein schriftlicher Chatverlauf, der im Gerichtssaal vorgetragen wurde und in dem der Geschädigte den Angeklagten als Pädophilen bezeichnet hatte, stützte die Aussage des 16-Jährigen. „Er hat mein Leben zerstört!“, fügte der Junge, der inzwischen eine Psychotherapie begonnen hat, später noch hinzu.

Der Angeklagte stritt alles ab: „Das sind falsche Behauptungen. Es gab keine sexuellen Handlungen.“ Lediglich einmal habe er dem Jungen einen Porno gezeigt. Im Rahmen eines Aufklärungsgesprächs habe er mit ihm über Mädchen gesprochen. Er lebe mit seiner Ehefrau und seinem Kind zusammen und lehne Homosexualität ab, sagte der Beschuldigte.

Die Mutter des Jungen sagte ebenfalls als Zeugin aus. Sie erzählte, dass ihr Sohn mit 15 plötzlich angefangen habe, sich zu ritzen, und dass auch seine Schulnoten letztes Jahr schlechter geworden seien. Außerdem sei ihr aufgefallen, dass der Angeklagte manchmal unverhältnismäßig lange mit ihrem Sohn unterwegs gewesen sei, zum Beispiel um einen Döner zu holen. Der Junge hatte das Verhältnis zu seinen Eltern als sehr gut beschrieben. Dennoch fragte der Verteidiger die Mutter, ob ihr Sohn, der nach eigenen Angaben seit drei Monaten eine Freundin hat, Angst davor hätte haben müssen, sich als homosexuell zu outen. „Wenn er so wäre, müssten wir ihn annehmen wie er ist“, sagte die Mutter und fügte dann noch hinzu: „Aber er weiß, dass Homosexualität keine gute Sache ist.“

Zu einem Urteil kam es noch nicht. Die Verhandlung wird im Dezember fortgesetzt.

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