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Neuburg

20.11.2019

Gericht: Ist es Rache oder tatsächlich eine Vergewaltigung?

Das Amtsgericht muss derzeit viele Fälle bearbeiten. 
Foto: Alexander Kaya

Plus Wie weit die Enttäuschung über Untreue gehen kann, musste Richter Veh herausfinden. Das war gar nicht so leicht.

Es geht um Liebe – wie so oft im Leben. Um unerwiderte und enttäuschte Liebe, um Verlassenwerden und Versöhnung und um Lügen und Intrigen. Richter Christian Veh hatte es gestern nicht leicht, durch das Dickicht aus all diesen Parametern zu blicken. Aber der Vorwurf, der im Raum stand, wog schwer. Eine Frau aus einer westlichen Landkreisgemeinde soll behauptet haben, vergewaltigt worden zu sein, obwohl das nicht stimmt.

Im Zentrum der Geschichte steht ein Mann, 46 Jahre, aus Ingolstadt. Redegewandt und vermutlich auch durchaus charmant, denn er hatte viele Jahre lang mehrere Beziehungen und Affären gleichzeitig. Die eine ging acht Jahre, die mit der Angeklagten fast vier Jahre. Während er es eher als loses Verhältnis betrachtete, wie er vor Gericht angab, scheint es für die Angeklagte die große Liebe gewesen zu sein. Sie hätte sich auch vorstellen können, den 46-Jährigen zu heiraten, sagte sie Richter Veh.

Der Mann hatte sie schon des Öfteren betrogen

Schon seit einiger Zeit keimte in ihr allerdings der Verdacht, nicht die einzige Frau im Leben des Ingolstädters zu sein. In seiner Wohnung fand sie Haarspangen und Unterwäsche anderer Frauen. Darauf angesprochen, habe der 46-Jährige abgewiegelt und Affären abgestritten. Ob sie ihm glaubte oder es einfach glauben wollte? Fakt ist, dass die Beziehung des Öfteren beendet wurde, die beiden aber immer wieder zusammenfanden.

Am 6. Oktober vergangenen Jahres war wieder einmal Schluss, dennoch „tyrannisierte“ (so drückte es der Ingolstädter aus) ihn die 50-Jährige mit Anrufen, Nachrichten und Sprachmitteilungen. Sie war derart hartnäckig, dass die andere Frau im Leben des 46-Jährigen, bei der er sich zu dem Zeitpunkt aufhielt, davon mitbekam, ihn zur Rede stellte und die Beziehung beendete.

Er soll sie gegen ihren Willen zum Sex gezwungen haben

Es war Aufgabe von Richter Veh, herauszubekommen, was am nächsten Tag passierte. War der Mann zu der 50-Jährigen gefahren, über die geöffnete Terrassentüre ins Wohnzimmer eingedrungen, um sie dort gegen ihren Willen zum Sex zu zwingen? Die Angeklagte beschrieb unter Tränen ihre Sicht der Dinge so, während der Angeklagte sagte, sie habe ihn durch die Türe eingelassen und sie hätten einvernehmlich Geschlechtsverkehr gehabt. Im Gegenteil: Sie habe ihm mehrmals angedroht, dass sie sein Leben zerstören wird, sollte er sie verlassen. Und auch dass sie ihn wegen Vergewaltigung anzeigen wird, sollte er nicht sofort eine weitere Frau anrufen, von der die 50-Jährige ausging, dass er mit ihr ebenfalls eine Affäre hat. „Ich sollte ihr sagen, dass ich gerade bei ihr bin.“ Das habe er aber nicht getan und kurz darauf die Beziehung tatsächlich beendet. „Ich habe gemerkt, dass sie mir nicht guttut und zu viel in meinem Leben herumpfuscht“, sagte der Mann. Nachdem sie viele Male Nacktbilder von ihm an vermeintliche Affären geschickt hatte und ihn auch über Facebook verunglimpfte, war das Maß voll. Er zeigte sie deswegen an. In der polizeilichen Vernehmung berichtete die 50-Jährige schließlich von der angeblichen Vergewaltigung. So kam der Stein ins Rollen.

Anfang Dezember wird der Prozess fortgesetzt. Es sollen die Vernehmungsbeamten gehört werden. Die Frau aus der anderen Beziehung war gestern die einzige Zeugin. Sie hatte den Mann nie aggressiv erlebt. Auch Gewalt habe es in ihrer Beziehung nie gegeben. Abgesehen von seinem fragwürdigen Charakter in Bezug auf Frauen, sei er ein netter Kerl, mit dem sie acht Jahre ihres Lebens verplempert habe.

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