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Kabarett

27.04.2015

Gibt es Treuepunkte im Puff?

Anny Hartmann als Sprecherin der IWF-Pressekonferenz.
Bild: Doris Bednarz

Anny Hartmann gab sich politisch-sarkastisch

Dass auch Frauen politisches Kabarett beherrschen, wenngleich sie weit weniger oft in diesem Genre in Erscheinung treten als ihre männlichen Kollegen, bewies jetzt die Kölnerin Anny Hartmann. Sie gastierte am Freitagabend auf Einladung des Grünen Dorfkreises beim Daferner in Schönesberg. Der Auftritt der Kabarettistin stand unter dem Motto „Ist das Politik, oder kann das weg?“. Die studierte Diplom-Volkswirtin freute sich über die, die gekommen waren, denn „sie hätten heute ja auch Fußball schauen können“. Hartmann lud das Publikum zum Mitmachen ein und verteilte für jede richtige Antwort Schokolade, vor allem für einen „Nicht-Bayern-Fan“. Sie sei Dortmund-Anhänger, denn Fußball macht Spaß und ist total emotional. Hartmann lästerte nicht nur über SUVs – super unnütze Vehikel – sondern auch über den Magerwahn. „Ich bin ein Drei-Top-Model, weil ich Marzipankartoffeln und Blätterkrokant mag“, gestand die sympathische Fachfrau für Geldthemen, die nach dem Studium fünf Jahre bei einer Kölner Sparkasse arbeitete. Der Grund, weshalb sie dort gekündigt hatte, waren ihre leblos wirkenden Arbeitskollegen, die sie an den Thriller „The sixth sense“ erinnerte.

Rechenbeispiele à la Anny Hartmann

„Geld regiert die Welt“, behauptete sie und erklärte dem Publikum, dass Verdiener mit einem Jahreseinkommen über 72600 Euro durch die Beitragsbemessungsgrenze keinen Euro mehr an Sozialbeiträgen bezahlen müssten, egal wie viel sie mehr verdienen. Die Kabarettistin verdeutlichte, dass durch Peer Steinbrücks abgeschaffte Vermögenssteuer dem Staat viele Milliarden Euro durch die Lappen gingen.

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Sarkastisch erklärte sie, warum ein sterbender Reicher sein Geld nicht mitnehmen könne, „weil es schmelzen würde“. Ob EZB, NSU oder der IS – man sah, dass die redegewandte Diplom-Volkswirtin nicht nur was im „Hirn“ hat, sondern auch fast kein politisches Thema ausließ.

Anny Hartmann rechnete dem Publikum vor, dass die Vermögenssteuer keine Arbeitsplätze kosten würde, dafür aber einige Milliarden Euro in Deutschlands Kassen brächte.

„Wir waren alle Charlie“, erzählte Hartmann, „aber über die Ermordung der von Boko Haram getöteten 2000 Menschen fand man lediglich ein paar Zeilen in der Zeitung.“ Ebenso durfte die Überwachung durch die NSA nicht fehlen. „Die USA ist unser Freund“, betonte Hartmann „und weil sie mitbekommen, dass bei uns immer mehr Menschen an Demenz erkranken, zeichnen sie jetzt alles für uns auf.“

Die Kabarettistin kritisierte außerdem die Warteliste für Frauenhäuser und riet den Opfern, ihre gewalttätigen Männer um drei Wochen zu vertrösten. Einfach brillant war eine gespielte Pressekonferenz des IWF, in der Anny Hartmann als Pressesprecherin gekonnt arrogant nicht nur Schutzzölle erklärte, sondern auch die Prostituierten-Affäre des Dominique Strauss-Kahn veranschaulichte. Sie war sich allerdings nicht ganz sicher, ob es im Puff Treuepunkte oder sogar Payback gibt. Sie fand mit dem bedingungslosen Grundeinkommen einen Ausweg aus dem finanziellen Dilemma und würde jedem Bürger monatlich 1500 Euro zukommen lassen, weil laut einer Umfrage 80 Prozent eh weiterarbeiten würden.

Spritzig und selbstironisch

Das Publikum genoss die kabarettistische Meisterleistung Hartmanns, die spritzig und selbstironisch für fast drei Stunden beste Unterhaltung sorgte.

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