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Interview

06.01.2019

Gößl: „Ich möchte den Landkreis weiter entwickeln“

Fridolin Gößl ist seit 16 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Oberhausen. Am 20. Januar strebt der CSU-Politiker das Amt des Landrats an.
Bild: Gemeinde Oberhausen

Fridolin Gößl tritt am 20. Januar als Kandidat für die CSU an. Was der Oberhausener Bürgermeister auf der Agenda hat, was er anders machen möchte.

Eigentlich könnte es sich Fridolin Gößl leicht machen: Als Bürgermeister von Oberhausen, seit 16 Jahren ist er im Amt, könnte er die Erfolgsgeschichte seiner Gemeinde als Ort der Innovationen vorantreiben und öfter mal im Kaffeehaus vorbeischauen. Der beliebte Treffpunkt in der Ortsmitte gehört zu den kleinen, aber feinen Projekten, die die 3000-Einwohner-Gemeinde lebenswerter machen. Das ehrenamtlich geführte Lokal ist immer gut besucht, auch an diesem Vormittag. Die Menschen haben Zeit, in aller Ruhe zu frühstücken, zur Zeitungslektüre oder einfach für einen kleinen Ratsch. Heute wird mit Sekt angestoßen, die Eröffnung jährt sich zum siebten Mal. Fridolin Gößl bleibt trocken. Nimmt stattdessen Kaffee, mit Milch, ohne Zucker. Dann nippt er an der Tasse und legt los.

Herr Gößl, Sie haben mal geklagt, wie wenig Zeit sie für Ihr liebstes Hobby, das Fischen, hätten. Als Landrat wird die freie Zeit eher noch knapper werden. Was treibt Sie also an?

Fridolin Gößl: (Schmunzelt) Ich bin gerne Bürgermeister, das macht mir Spaß. Zu gestalten und den Landkreis weiterzuentwickeln, das ist eine Herausforderung, die ich gerne annehmen möchte. Als Bürgermeister weiß ich, welche zentrale Rolle der Zusammenarbeit von Landkreis und Kommunen zukommt. Was den Kreis voranbringt, das stärkt die Gemeinden und umgekehrt. Das möchte ich in den Kreistag einbringen. Wenn man in einer Kommune gearbeitet hat, weiß man um die Abläufe und Leistungen. Das heißt natürlich nicht, dass ich das Recht beugen werde. Für mich hat in dieser Rolle die Parteizugehörigkeit wenig bis gar keine Bedeutung. Wenn wir zum Beispiel bei uns im Oberhausener Gemeinderat auf Gruppierungen eingingen, dann hätten wir nix geschafft. Und auch beim Vorsitz im Bayerischen Gemeindetag ist die Parteizugehörigkeit unwichtig.

Bei Ihrer Kür als CSU-Kandidat wurden Sie als Idealbesetzung vorgestellt. Als Absolvent der Beamtenhochschule, ehemaliger Geschäftsleiter und langjähriger Bürgermeister mit allen kommunalen Belangen bestens vertraut, hätten Sie durch kreatives Handeln Ihre Gemeinde zum Vorreiter etwa beim Breitbandausbau, seniorengerechten Wohnen oder der Dorfkernerneuerung gemacht. So weit die Vorschusslorbeeren. Was haben Sie als Landrat vor?

Gößl: Die Digitalisierung ist mein Thema. Dabei geht es im eigentlichen Sinne nicht um den Glasfaserausbau. Bei diesem zukunftsweisenden Thema laufen alle Stränge zusammen, alles hängt mit allem zusammen. Kreativität ist der wichtigste Rohstoff unserer Volkswirtschaft. Wir dürfen in der Schule und bei der Weiterbildung diesen Megatrend nicht verschlafen. Wir müssen den Menschen Raum geben, sich zu entfalten.

Was heißt das konkret?

Gößl: Der Landkreis kann zwar nur beraten und Anreize bieten, aber er kann Entwicklungen anstoßen. Der THI-Campus in Neuburg ist so ein wichtiger Impuls. Das hat zum Beispiel Auswirkungen auf die Demografie. Studenten, die kommen, bringen vielleicht ihre Partner mit oder bleiben hier, werden Firmengründer und so weiter. Ziel muss es sein, mittelfristig ein Gründerzentrum in Kooperation mit der Technischen Hochschule zu installieren. Wenn Arbeitsplätze entstehen, partizipiert davon auch der Landkreis. Wir brauchen also gewisse Strukturen, damit sich die Kommunen weiter entwickeln können. Ein anderes Projekt wären sogenannte Fab-Labs. Das sind offene Fabrikationslabore, wo Freigeister unbürokratisch gefördert werden, sich ausprobieren können. In Oberhausen werden wir deshalb eine Kreativwerkstatt im Untergeschoss des Kindergartens bauen. Dort stehen Rechner und 3D-Drucker rum. Wir müssen Kindern die Möglichkeit geben, sich auszuprobieren, die Softwareentwicklung spielerisch in den Lernprozess miteinbinden.

Mehr Wachstum und Einwohner heißt noch mehr Verkehr. Nicht nur in der Stadt Neuburg, auch auf den überörtlichen Verkehrsachsen scheinen die Kapazitäten überschritten...

Gößl: Natürlich steht der weitere Ausbau der Bundesstraßen 300 und 16 ganz oben auf der Agenda. Aber auch bei den Staats- und Kreisstraßen muss etwas passieren. Dass es zwischen den Städten Neuburg und Schrobenhausen keine schnelle Verbindung gibt, ist nicht zeitgemäß. Im kommenden Jahr wird der Ausbauplan fortgeschrieben. Alle diese notwendigen Maßnahmen müssen da rein.

Beim Stichwort demografischer Wandel denkt man zuerst an die ältere Generation...

Gößl: Selbstbestimmtes Wohnen im Alter ist ein gutes Stichwort. Der Landkreis muss die Kommunen dabei unterstützen, um Wohnformen für Senioren zu schaffen. Schon wegen des Pflegekräftemangels werden wir künftig versuchen müssen, die Menschen möglichst lange im wohnortnahen Bereich zu halten. Das ist auch das, was die Leute wollen, nämlich so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben.

Welche Rolle spielt die Gesundheitsversorgung in Ihrer Agenda?

Gößl: Das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen muss so aufgestellt sein, dass es als Regelversorger erhalten bleibt. Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Als Vorsitzender des Gemeindetags sitze ich auch mit im Fachbeirat. Die Probleme sind erkannt und man versucht, gegenzusteuern und Maßnahmen zu ergreifen. Ein Problem ist die Kassenärztliche Vereinigung, die Verhandlungen sind schwierig und langwierig.

Noch ein paar weitere Stichworte. Wie wichtig ist für Sie Umweltschutz? Sie galten als erklärter Gegner eines Nationalparks Donau-Auen...

Gößl: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir im Umweltschutz nur da vorankommen, wo wir die Akzeptanz der Betroffenen haben. Ich denke, wir müssen da eher viele kleine Schritte tun, statt den Leuten Großprojekte überzustülpen. Zum Beispiel weiß jeder, dass das Donaumoos absackt. Ich denke, es ist auch jedem klar, dass man was tun muss. Aber es müssen sozial verträgliche Lösungen gefunden werden. Dazu zählt nicht, große Moorflächen wieder zu vernässen. Oder nehmen Sie das Problem Insektensterben. Die Kommunen sollten dieses Problem sehr ernst nehmen und versuchen, im Kleinen zu wirken. Mit großen Ausgleichsflächen sind da weniger Erfolge zu erzielen. Es gibt bei uns im Frühjahr auf den Rapsfeldern ein Überangebot an Bienenfutter. Nach der Ernte droht den Bienen aber der Hungertod. Mir hat ein Imker erzählt, er muss Zuckerlösung zufüttern. Wir haben deshalb Blühstreifen in unserer Gemeinde angelegt, damit es übers Jahr verschiedenste Flächen gibt, die die Insekten anfliegen können.

Und Ihre Strategie zur Energiewende?

Gößl: Die Braunkohleverstromung kann sicher nicht so weiter gehen, das ist kein Konzept für die Zukunft. Für mich hat Power-to-Gas, also die Methanisierung von Wasser und spätere Rückverstromung, großes Potenzial. Man trennt Wasserstoff und Methan und speist es ins Erdgassystem ein. Die Infrastruktur ist schon da und ich kann es da rausnehmen, wo ich es brauche. Wir müssen auf intelligente, grüne Netze setzen.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage. Auf Wahlkampfveranstaltungen anderer Parteien wurde Ihre Wohnortwahl thematisiert. Sie sind in Meilenhofen (Gemeinde Nassenfels) im Landkreis Eichstätt zuhause...

Gößl: Das hat bisher keine Rolle gespielt und bleibt so. Ob Bürgermeister oder Landrat, mit einem Acht-Stunden-Tag ist es sowieso nicht getan. Ich werde also nicht umziehen. Das überhaupt zu thematisieren, ist absurd. Von meinem Haus zur Landkreisgrenze sind es Luftlinie 300 Meter. Ich finde es außerdem gar nicht so schlecht, wenn man eine gewisse Außensicht hat.

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