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05.06.2009

Grünes Bewusstsein

Auf dem Wochenmarkt einkaufen, in der Mensa das Bio-Gericht wählen und mit dem Rad zur Uni fahren: Umweltbewusstsein ist für viele Studenten fester Teil ihres Lebens. Statt mit dem Auto oder per Flugzeug zu verreisen, steigen junge Leute in die Bahn, den Bus oder aufs Rad.

Doch trotz aller Bio-Supermärkte, die es in Großstädten inzwischen gibt: Zwischen der Entscheidung, Bio einzukaufen und sich öffentlich als Verfechter eines alternativen Lebensstils zu bekennen, liegen Welten. Denn immer noch wird eine ökologische Überzeugung mit von Naturfarben gebatikter Kleidung, Jesuslatschen (auch bei einstelligen Temperaturen) und von Hand geschrotetem und individuell nach den Mondphasen gemischtem Müsli in Verbindung gebracht. Bio mag zwar gesund sein, sexy ist es aber nicht. Anders in den USA. "Go Green!" lautet das Lebensgefühl einer Generation, die in dem Land der unbegrenzt kostenlosen Plastiktüten verrückt genug ist, eine Jutetasche zu verwenden auf der auch noch "Use me twice" steht. Die New York Times widmet dem ökologischen Fortschritt, genauer: der Abschaffung von Tabletts in Uni-Mensen, gar mehrspaltige Artikel. Umweltschutz ist das neue It-Accessoire, Grün das neue Schwarz. Auch die omnipräsente Coffeeshop-Kette Starbucks verkündet auf ihren Pappbechern stolz, dass in jedem Becher rekordverdächtige zehn Prozent recyceltes Material stecken. Und es geht sogar noch weiter: Respektable zehn Cent Nachlass verdient sich die treue Seele, die sich ihren Kaffee in eine mitgebrachte Tasse schenken lässt. Diese Bemühungen sind zwar ein kleiner Anfang, doch sie sind massentauglich und fügen sich mit iPhone, Jutetasche und einem Milchshake - natürlich aus organischer Milch - nahtlos in den Lifestyle der Twentysomethings ein.

Noch spielen die USA in Sachen Umweltschutz zwar in der Kreisklasse (die Hummer-Geländewagen vor dem Bioladen lassen tief blicken), das deutsche Umweltbewusstsein schlägt derweil in der Oberliga Wurzeln. Eine gesunde Mischung aus deutschem Pflichtbewusstsein und amerikanischer Lässigkeit würde dem Umweltschutz zu einem zweiten Frühling verhelfen.

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