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Gute Freunde kann niemand trennen – von wegen!

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Kommentar Von Claudia Stegmann
15.10.2018

Warum die CSU im Stimmkreis prozentual so viele Wähler wie sonst nirgends in Bayern verloren hat.

Es war ein guter Tag für die CSU im Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen. Als Sonntagabend kurz nach halb zehn feststand, dass Matthias Enghuber das Direktmandat für den Landtag gewonnen hatte, brandete im Café Zeitlos Jubel auf. An einen solch deutlichen Sieg hatten im Vorfeld wohl nur hartgesottene Optimisten gedacht, schließlich stand mit Landrat Roland Weigert ein starker Konkurrent mit im Ring. Es war aber auch ein schlechter Tag für die CSU im Stimmkreis. Denn in ganz Bayern haben die Christsozialen prozentual nirgends so viele Wähler verloren wie in Neuburg-Schrobenhausen. Im Vergleich zu 2013 haben dieses Jahr 26,9 Prozent weniger Wähler der CSU ihre Erststimme gegeben. Rechnet man die Zweitstimmen dazu, kommt sie auf ein Minus von 20,6 Prozent. Wie ist dieser eklatante Einbruch zu erklären? Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe:

Punkt 1: Der Kandidat. 2013 hatte die CSU mit Horst Seehofer den amtierenden Ministerpräsidenten ins Boot geholt. Der war damals noch nicht der Buhmann der Nation, sondern der Heilsbringer, der nach schmachvollen Jahren der schwarz-gelben Koalition die CSU wieder in die Alleinregierung hievte. Seehofer war ein Pfund, gleichermaßen bekannt und beliebt. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass er mit 61,5 Prozent der Wählerstimmen aus der Landtagswahl hervorging.

Diesen Selbstläufer-Bonus hatte Matthias Enghuber nicht. Als CSU-Mann konnte er zwar auf eine treue Wählerschaft bauen – selbst wenn diese bröckelt –, doch sein Gewicht und seine Bekanntheit waren nicht annähernd mit Seehofers Ausgangslage vor fünf Jahren zu vergleichen.

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Punkt 2: Der Gegenkandidat. Es war 2013 eine undankbare Aufgabe, in den Wahlkampf mit Horst Seehofer zu treten. Sein Sieg galt von Anfang an als sicher – wer hätte ihm auch ernsthaft die Stirn bieten können? Die SPD versuchte es mit Horst Winter, die Freien Wähler mit Peter von der Grün. Doch die konnten nichts etwas gegen den mächtigen Kandidaten der CSU anrichten. Horst Winter holte 12,5 Prozent, Peter von der Grün 10,4 Prozent. Die AfD war noch kein Thema und für die restlichen Parteien, inklusive den Grünen, interessierten sich die Wenigsten.

Das war dieses Jahr ganz anders. Enghuber und Weigert waren zwei Konkurrenten auf Augenhöhe, die sich gegenseitig die Stimmen „klauten“. Enghuber holte gute 20000 Stimmen, Weigert knapp 17000 Stimmen. Zum Vergleich: Seehofer konnte damals fast 32000 Stimmen für sich allein verbuchen.

Punkt 3: Die Grundstimmung. Dass die CSU schon bessere Tage hatte, ist unbestritten – genauso wie die Tatsache, dass Bayern schon mal bequemere Zeiten hatte. Die Flüchtlingswelle, die 2015 über die Meere nach Europa, Deutschland und Bayern schwappte, stellte die Regierung vor Fragen, die sich nicht so schnell beantworten ließen, wie sich das mancher Bürger gewünscht hätte. Antworten hatte nur die AfD, wenngleich sie keine Lösungen beinhaltete. Nichtsdestotrotz fühlte sich eine immer größer werdende Gruppe in ihrer Geisteshaltung der AfD näher als etablierten Parteien – und wanderten ab, auch von der CSU. Dazu kamen (unnötige) interne Querelen, die nur für eines gut waren: genügend Stoff für den nächsten Nockherberg zu liefern. 2013 wurde Seehofer noch dafür gefeiert, dass er die CSU wieder groß gemacht hat. 2018 ist er der Prügelknabe, der für das Abrutschen seiner Partei wesentlich mit verantwortlich gemacht wird. Selbst in seinem ehemaligen Heimatstimmkreis, wo es bei öffentlichen Auftritten „nicht freundschaftlicher hätte zugehen können“, wie er 2013 kurz nach seinem Wahlsieg sagte, hat ihm offenkundig so mancher Wähler nach all dem Hickhack die „Freundschaft“ aufgekündigt. Davon profitierten nicht nur die AfD’ler, sondern auch die Grünen und die Freien Wähler. Und die haben wiederum ihrerseits einen Rekord zu verbuchen: Prozentual gesehen hat Roland Weigert bayernweit das beste Ergebnis aller FW-Kandidaten erhalten.

Lesen Sie dazu auch den Bericht "Der (Noch-)Landrat steht im Rampenlicht"

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