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Neuburg

18.02.2015

Häftling hat sich weinend dem Wachmann anvertraut

Symbolbild
Bild: Alexander Kaya

Vergewaltigung, Nötigung, Körperverletzung: Am zweiten Verhandlungstag nennt das Opfer Details

Zweiter Verhandlungstag gegen die beiden 19 und 22 Jahre alten Häftlinge wegen Freiheitsberaubung, Vergewaltigung, Nötigung und Körperverletzung. Gestern sagten zwei Justizvollzugsbeamte aus der JVA Herrenwörth zu den angeblichen Misshandlungen des Zellengenossen aus.

Beide Beamte schilderten, dass das 22-jährige Opfer bei den Mitgefangenen nicht besonders beliebt gewesen sei. Er galt als „nervig“ und „biederte sich bei allen möglichen Situationen an“. „Er war der Punshing-Ball, um sich abzureagieren“, erklärte ein Wachmann vor Gericht. Bei den Wachleuten sei der junge Häftling des Öfteren gewesen und habe einfach „nur gerne über nichts Wichtiges geredet“. „Deshalb“, so der Zeuge, „hat man ihn vielleicht auch nicht sehr ernst genommen.“ Von den Vorfällen wollen beide Beamte erst im Nachhinein erfahren haben. Nur einmal habe der Zeuge Lärm im Haftraum der drei Gefangenen gehört. Bei der Kontrolle habe man ihm jedoch versichert, dass alles in Ordnung sei.

An einem Sonntag war dem zweiten Wachmann das veränderte Verhalten des 22-jährigen Opfers aufgefallen. Mehrmals am Tag habe ihn der Mann besucht und den Tränen nahe aber nur über Belangloses gesprochen. Auf Nachfrage wollte er sich ihm jedoch nicht anvertrauen. Als man am nächsten Tag den jungen Mann weinend vorfand, öffnete er sich endlich den Beamten.

Der Häftling erzählte von den angeblichen Schikanen seiner beiden Zellengenossen. Mit Spülmittel habe er sich die Zähne putzen, einen Cocktail aus Knoblauch, Spülmittel und Sanitärreiniger oder Salzwasser trinken müssen, bis er sich übergeben hatte. Seine Einkäufe seien ihm abgenommen und Schuhcreme in die Augen und Zahnpasta in die Nase gerieben worden. Als absoluten Höhepunkt der Tortur sollen ihm die beiden Männer die Hose ausgezogen, ihn mit dem Finger vergewaltigt und an den Genitalien misshandelt haben.

In der ersten Verhandlung hatte das Opfer weitere Misshandlungen vor Gericht aufgezählt. Demnach sollen de beiden Angeklagten den 22-Jährigen in einem Bettbezug über den Zellenboden geschleift und mit heißem Wasser übergossen haben. Ein anderes Mal sollen die Männer ihr asthmakrankes Opfer in die Toilette gesperrt und brennendes Papier unter dem Türspalt durchgeschoben haben. Mit einer Rasierklinge, so hatte der 22-Jährige angegeben, sollen ihm die beiden in das Handgelenk geschnitten und anschließend Salz in die Wunde gestreut haben.

Die Angeklagten wollten sich vor Gericht auch gestern nicht zu den Vorwürfen äußern. In der JVA waren die Männer jedoch befragt worden. Der 22-Jährige habe die Sache nicht so ernst genommen, schilderte der Zeuge. In einer achtseitigen Erklärung hatte der Angeklagte die Vorfälle bestritten oder sie als Mutproben oder Wetteinlösungen beschrieben. Der 19-Jährige hatte in der JVA die Gewalttaten gegen seinen Mitinsassen ganz bestritten. Der Beamte, der bereits seit 33 Jahren im Vollzug tätig ist, hatte vor Gericht auch ausgesagt, dass der 19-Jährige wohl die treibende Kraft in der Zellengemeinschaft war. Denn das Verhältnis zwischen dem 22-Jährigen und dem vermeintlichen späteren Opfer sei „gut“ gewesen, bevor der 19-Jährige in die Zelle verlegt wurde.

Der Prozess wird am 10. März fortgesetzt.

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