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Ingolstadt

10.01.2020

Hassknecht: "Menschen sagen: Aber bitte nicht anschreien!"

Hans-Joachim Heist wie ihn die meisten kennen: als Choleriker Gernot Hassknecht. Im Rahmen der Kabaretttage kommt der 71-Jährige am 18. Januar nach Ingolstadt.
Foto: Willi Weber

Hans-Joachim Heist kennen viele als Gernot Hassknecht aus der "heute show". Er spricht über seinen Blutdruck und verrät, wann er privat zum Hassknecht wird.

Herr Heist, wie hoch ist ihr Blutdruck gerade?

Hans-Joachim Heist: (lacht) Heute habe ich ihn noch nicht gemessen, aber üblicherweise liegt er bei 130/80 – also ganz normal.

Ist Ihr Arzt besorgt, wenn er Ihre Auftritte als Gernot Hassknecht in der "heute show" sieht?

Heist: Überhaupt nicht. Wir haben intensiv darüber gesprochen. Es ist wie bei einem Leistungssportler: Natürlich gehen Blutdruck und Puls hoch, wenn ich vor der Kamera stehe und mich aufrege. Aber das alles geht auch wieder runter.

Wie schwierig war denn das Jahr 2019 für jemanden wie Gernot Hassknecht, der sich bekanntlich sehr schnell aufregt?

Heist: Es war sehr leicht. Es gab sehr viele Aufregerthemen. Sie liegen förmlich auf der Straße. Schwieriger wäre es da gewesen, wenn es keine Aufreger gegeben hätte.

Wie ist überhaupt der fiktive Charakter Gernot Hassknecht entstanden?

Heist: "heute show"-Moderator Oliver Welke ist der Vater der Figur. Er war der Meinung, dass wir diese in der "heute show" brauchen. Zur Figur gekommen bin ich durch ein Casting in Köln.

Warum ist Ihrer Meinung nach der Charakter derart beliebt beim Publikum?

Heist: Die Figur ist für viele die Stimme der ungehörten Masse, das Sprachrohr für die Missstände in der Politik. Was an der Figur aber ganz entscheidend ist: Sie ist parteiübergreifend. Wenn’s sein muss, bekommt jeder sein Fett weg.

Dabei waren Sie ja selbst einmal als Stadtverordneter politisch tätig...

Heist: Ja, als Mitglied der SPD. Durch meine Tourneetermine wurde mir das aber zu stressig und es ließ sich zeitlich nicht mehr vereinbaren.

Werden Sie auf der Straße eigentlich oft als Gernot Hassknecht angesprochen?

Heist: Sehr oft und egal, wo ich bin. Menschen sagen auch öfter zu mir: "Aber bitte nicht anschreien!" Viele Veranstalter buchen mich sogar als Gernot Hassknecht ins Hotel ein. Aber das finde ich okay. Dadurch weiß ich, dass die Sendung gesehen und die Figur angenommen wird. Wäre ich jünger, hätte ich vielleicht ein Problem damit, so sehr auf die Rolle des Gernot Hassknecht beschränkt zu werden. In meinem Alter ist das aber kein Problem, schließlich mache ich noch viele andere Dinge.

Sie sagen es. Sie sind Schauspieler, Komiker, Satiriker und Regisseur. Was macht Ihnen davon am meisten Spaß?

Heist: Regie kann ich seit einiger Zeit leider nicht mehr führen, weil mir schlicht die Zeit fehlt. Grundsätzlich macht mir alles, was ich tue, sehr viel Spaß. Für den Pixar-Film "Alles steht Kopf" war ich die Stimme der Wut. Das war ein Riesenspaß. Außerdem habe ich abseits von Gernot Hassknecht noch das Bühnenprogramm "Noch’n Gedicht – der große Heinz-Erhardt-Abend". Auf das Fernsehen könnte ich verzichten, auf die Bühne aber nicht.

Dabei sind Sie erst über den Umweg eines abgebrochenen Ingenieurstudiums auf der Bühne gelandet. Wie kam’s dazu?

Heist: Ich war immer schon auf der Bühne gestanden, das war immer schon meins, früher allerdings mehr als Hobby. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass Zahlen und Zeichnungen nicht mein Ding sind. Auf der Bühne zu stehen, macht einfach mehr Spaß – und ich habe die Entscheidung bis heute nicht bereut.

Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem Bühnenprogramm "Hassknecht Live – jetzt wird’s persönlich"?

Heist: Ein sehr interessantes, humorvolles Programm. Am Anfang ist ein Video zu sehen, in dem Hassknecht aus seinem Alltag erzählt. Im Programm geht es um Dinge, die jeden persönlich angehen. Die Rechten, Infrastruktur, Bildung, die Diskrepanz zwischen privat und gesetzlich Versicherten – das alles sind Themen, die jeden persönlich betreffen. Aber es wird auch um Trump und den Brexit gehen. Ich freue mich auf Ingolstadt.

Gibt es eigentlich Momente im Alltag, in denen Gernot Hassknecht aus Ihnen herausbricht?

Heist: Da gibt es ganz klare Situationen, nämlich beim Autofahren. Ich bin viel mit dem Auto unterwegs, fahre 60.000 Kilometer pro Jahr. Auf den Straßen wird es immer schlimmer, es gibt immer mehr Baustellen, die Leute werden immer rücksichtsloser. Da kommt dann doch öfter der Hassknecht durch. Privat bin ich aber kein Choleriker.

Auftritt: Mit seinem Programm "Hassknecht Live – jetzt wird’s persönlich" ist Hans-Joachim Heist am Samstag, 18. Januar, im Rahmen der Ingolstädter Kabaretttage zu Gast im Kulturzentrum in Ingolstadt. Beginn ist um 20 Uhr.

Lesen Sie dazu auch: Haha? Gähn! Die ZDF-"heute-show" wirkt nach zehn Jahren müde

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