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Neuburg

08.10.2019

Hat der Angeklagte Tochter und Ehefrau misshandelt?

Ein Mann muss sich wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen vor dem Amtsgericht Neuburg verantworten.
Bild: Isabella Tartamella

Ein 44-Jähriger soll seine Frau und seine zehnjährige Tochter geschlagen haben. Vor Gericht streitet er alles ab. Warum das Verfahren ausgesetzt wurde.

Er soll seine Ehefrau und seine Tochter misshandelt und den beiden dadurch nicht unerhebliche Schmerzen zugefügt haben. Deshalb stand ein heute 44-Jähriger am Dienstag vor dem Neuburger Amtsgericht. Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung und Beleidigung lautet die Anklage. Ein Urteil wird es allerdings so schnell nicht geben.

Staatsanwältin Miriam Hüller legte dem Angeklagten mehrere Taten im Jahr 2018 zur Last: Der Mann habe seine mittlerweile zehnjährige Tochter an verschiedenen Tagen mit dem Gürtel, einem Ladekabel oder einem Seil auf den Rücken geschlagen. Seiner Ehefrau soll er einmal mit der flachen Hand auf die Wange geschlagen haben, ein andermal mit der Faust gegen das Jochbein. Die Tochter soll sich schützend vor die Mutter gestellt haben. Außerdem habe der Angeklagte sowohl seine Frau als auch seinen Schwiegervater beleidigt, sagte die Staatsanwältin.

Amtsgericht Neuburg: Der Angeklagte streitet die Vorwürfe ab

Der Angeklagte stritt die Vorwürfe ab. Mittels Dolmetscher machte er deutlich: „Diverse Sachen sind falsch. Ich möchte mich verteidigen.“ Er habe seine Kinder – insgesamt hat er drei – nicht misshandelt, er habe ihnen höchstens mal Schläge angedroht. Mit Fotos von einem gemeinsamen Urlaub in Hamburg wollte er dem Richter zeigen, wie entspannt das Verhältnis sei. Grundsätzlich habe er mit seiner Ehefrau keine Probleme, doch gebe es immer wieder Diskussionen, die „ausarteten“ und vor ein paar Jahren während des Asylverfahrens habe sie ihn schon einmal als ihren „größten Feind“ bezeichnet. In ihrer ursprünglichen Heimat Afghanistan habe er seine Frau durchaus geschlagen, gab der Angeklagte zu, weil die Gesetzeslage dort anders gewesen sei – in Deutschland aber nicht. Über seine Schwiegereltern, die ihn angezeigt haben, berichtete der 44-Jährige, dass sie schon in Afghanistan versucht hätten, ihn und seine Frau auseinanderzubringen und dass sie Druck gemacht hätten, dass sie nach Deutschland fliehen sollen. Seine Ehefrau soll damals sogar gedroht haben, das gemeinsame Kind abzutreiben, wenn er nicht mit ihr nach Deutschland gehen würde.

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Ein interessantes Detail, das der Angeklagte noch erzählte: Vor Kurzem habe in Ingolstadt jemand versucht, ihn umzubringen. Wie die Staatsanwältin sagte, laufe deswegen derzeit ein Verfahren.

Die Tochter des Angeklagten verweigerte die Aussage vor Gericht

Die zehnjährige Tochter machte vor Gericht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Das heißt, das Mädchen muss aufgrund des nahen Verwandtschaftsverhältnisses ihren Vater nicht belasten. Stattdessen wird Jugendrichter Gerhard Ebner, der auch schon als Ermittlungsrichter fungierte, als Zeuge vernommen und das aussagen, was die Zehnjährige im Ermittlungsverfahren berichtet hat. Damit dies möglich ist, beantragte die Staatsanwältin, die Hauptverhandlung auszusetzen. Wann das Verfahren wieder aufgerollt wird, steht noch nicht fest.

Ebenso unklar ist, ob und wie lange der Angeklagte in Deutschland bleiben darf. Wie er vor Gericht erklärte, sei er in Deutschland derzeit lediglich geduldet. Der Mann lebt inzwischen in Rosenheim, die restliche Familie immer noch in Neuburg.

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