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Schrobenhausen

17.05.2019

Heilpraktikerin soll sich an Patientin bereichert haben

Hat sich eine Schrobenhausener Heilpraktikerin an einer Krebspatientin bereichert?
Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa (Symbolfoto)

Der Privatsender RTL berichtet über einen Fall in Schrobenhausen. Dort soll sich eine Frau an einer Krebspatientin bereichert haben.

Die Sache ins Rollen gebracht hat das RTL-Magazin Stern TV. In der Sendung des Privatsenders lief am Mittwochabend der Beitrag „Das Geschäft mit dem Krebs“. Dabei ging es um eine Patientin aus Norddeutschland, die auf Empfehlung einer Schrobenhausener Heilpraktikerin ihre Chemotherapie abgebrochen und dafür das Präparat BG-MUN eines Ingolstädter Anbieters eingenommen hatte. Doch das vermeintliche Wundermittel half nicht, die Metastasen wucherten weiter. Aufgrund der Berichterstattung prüft die Staatsanwaltschaft Ingolstadt eine mögliche strafrechtliche Relevanz des Falls, wie eine Sprecherin auf Nachfrage bestätigte. Ein Ermittlungsverfahren sei aber noch nicht eingeleitet worden. Wir haben die Heilpraktikerin am Freitag zwar telefonisch erreicht, zu einer Stellungnahme war sie jedoch nicht bereit.

Das Landratsamt in Neuburg seinerseits hat die Heilpraktikerin für kommende Woche zur Anhörung einbestellt. Die Zulassung ihrer Naturheilpraxis ist nach Auskunft von Sprecherin Sabine Goos korrekt. Die Erlaubnisurkunde zur Ausübung ihrer Tätigkeit hat die Frau im Jahr 2008 dem Gesundheitsamt in Neuburg vorgelegt. Ebenso habe sie im Ordnungsamt ein Gewerbe angemeldet. „Den Termin bei uns hat sie noch nicht bestätigt. Hinsichtlich einer möglichen Aberkennung der Zulassung haben wir die zuständige Regierung von Oberbayern informiert“, sagte Goos.

Fall in Schrobenhausen: Ärztesprecher greift Scharlatane an

Wie die Schrobenhausener Zeitung in ihrer Ausgabe vom Freitag berichtete, habe die betroffene Krebspatientin insgesamt drei Packungen des Medikaments für 15.000 Euro erworben. Ein Stern TV-Experte habe die Kosten für die Herstellung des Präparats, für das er keine Studien fand, mit wenigen Euro beziffert, und zweifelte dessen Wirkung an. Ob sich die Heilpraktikerin bereichert hat, sei aber noch unklar.

Für den Neuburger Ärztesprecher, Dr. Uli Kurutz, ist das nicht nachvollziehbar: „Wenn ich auf Kosten kranker Menschen ökonomisch denke und das Vertrauen missbrauche, dann ist das menschlich absolut verwerflich.“ Ansonsten sieht er die Rolle der Heilpraktiker ausgewogen. Grundsätzlich sei das medizinische Wissen von Krankenpflegern nach der Ausbildung höher als das von Heilpraktikern. „Die Ausbildungsstandards sind in diesem Bereich nicht definiert.“ Trotzdem spricht er Heilpraktikern die Daseinsberechtigung nicht ab: „Manchmal hilft auch das Gespräch. Patienten müssen überlegen, wem sie vertrauen.“ Gerade bei schweren Erkrankungen sei es aber wichtig, die Kontrolle in medizinische Hände zu geben.

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