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Neuburg

05.01.2021

Heinz Enghuber: „An den Ruhestand musste ich mich gewöhnen“

Zuhause in seinem Büro bereitet Heinz Enghuber die Termine für die Hanns-Seidl-Stiftung vor. Aus dem politischen Geschehen an vorderster Front hat sich der 75-Jährige 2014 verabschiedet.
Bild: Gloria Geissler

Plus Heinz Enghuber war viele Jahrzehnte in der Neuburger Politik aktiv. Mit 70 Jahren sollte für ihn Schluss sein. Ein Einblick in sein politisches Rentner-Leben und wo das CSU-Urgestein noch mitmischt.

Herr Enghuber, das Wichtigste zuerst: Wie geht es Ihnen?

Heinz Enghuber: Danke der Nachfrage – sehr gut. Wenn es die nächsten 30 Jahre so weitergeht, habe ich nichts dagegen.

Von Corona wurden Sie am Rande berührt. Sie mussten einmal für zehn Tage in Quarantäne, weil Sie auf der Sitzung des Ausschusses Städtepartnerschaft waren, an der auch eine infizierte Stadträtin teilgenommen hatte. Wie war die Zeit?

Enghuber: Daheim bleiben zu müssen, ist etwas anderes, als daheim zu bleiben. Das war schon ein komisches Gefühl, ich war froh, als die Zeit vorbei war.

Daheim ist ein gutes Stichwort. Sind Sie als Polit-Rentner viel zu Hause?

Enghuber: Meine Frau und ich verreisen nicht viel. Unser direktes Umfeld bietet so viele Möglichkeiten, die freie Zeit zu gestalten. Wir gehen viel spazieren, entweder in unserem schönen Neuburg oder im Altmühltal. Wir besuchen gerne Museen und Ausstellungen, wir lieben Theater und Konzerte in Neuburg und anderswo.

Gemeinsamer Wahlkampf 2002: Heinz Enghuber (links) zusammen mit OB-Kandidat Bernhard Gmehling.
Bild: Winfried Rein

2014 haben Sie sich aus der Politik verabschiedet. Wie ging es Ihnen danach?

Enghuber: Ich habe meine Aufgabe und meine Verpflichtungen in diesen Funktionen sehr ernst genommen, was zur Folge hatte, dass sich der freie Zeitraum im privaten Bereich danach spürbar erweitert hat. Mein Terminkalender war von heut auf morgen fast leer.

Manch einer fällt deswegen in ein dunkles Loch. Ging es Ihnen auch so?

Enghuber: Ich bin ganz ehrlich, ich brauchte schon einige Monate, um mich daran zu gewöhnen. Es lagen immerhin 37 aktive Jahre hinter mir. Aber es hat nicht geschmerzt, weil ich mich ja bewusst dafür entschieden hatte. Ich war immer der Meinung, dass mit 70 Jahren Schluss sein sollte und das habe ich auch durchgezogen.

Sie gingen also Ihrer Frau zu Hause auf die Nerven?

Enghuber: Ich glaube nicht... (lacht). Meine Familie, zuvorderst meine Frau, waren ja vorbereitet. Die Verteilung der Aufgaben im Haus und im Haushalt waren keine unlösbare Aufgabe für mich, da wir dies schon praktizierten. Meine Frau war zu dieser Zeit noch Vollzeit im Schuldienst und kam jeden Tag erst nach 13 Uhr nach Hause. Ich richtete meine Termine stets dahingehend ein, dass ich die Aufgaben als Hausmann, einschließlich einkaufen und kochen, leisten konnte.

2008 leistete Heinz Enghuber (rechts), im Bild zusammen mit seinem Stadtratskollegen Michael Kettner, den Eid ab.
Bild: Winfried Rein

Und heute? Ihre Frau ist ja inzwischen auch in Rente, wie sieht ein üblicher Tag im Hause Enghuber aus?

Enghuber: Ich brauche einen strukturierten Tagesablauf und eine Aufgabe. Morgens aufstehen und warten, dass es Abend wird, das ist nichts für mich. Ich koche gerne und liebe die Arbeit im Garten. Ich bin Mitglied in 17 Vereinen Neuburgs und nehme gerne an deren Veranstaltungen teil. Außerdem bin ich seit vielen Jahren Regionalbeauftragter der Hanns-Seidel-Stiftung. Meine Aufgabe ist es, Verbindung zu Bildungseinrichtungen, Vereinen und Verbänden zu pflegen und auf Wunsch Seminare aus dem Bereich der politischen Bildung zu organisieren und durchzuführen. Letztes Jahr waren es 60, da bin ich dann ganz schön beschäftigt.

Sie haben 18 Jahre als Stadtrat hinter sich, zwölf davon als Zweiter Bürgermeister. Wie hat sich das politische Geschäft in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Enghuber: Durch die Vielzahl der elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten ist die politische Arbeit allgemein hektischer, an manchen Stellen vielleicht sogar getrieben. Wenn ich mir die sozialen Medien ansehe, werden leider immer mehr Einzelinteressen lautstark artikuliert und dabei das Große und Ganze nicht ausreichend im Blick behalten.

Als Ehrenvorsitzender des Ortsvereins und durch ihren politisch aktiven Sohn haben Sie ja immer noch Einblick in die Stadtpolitik. Was wünschen Sie sich für die Zukunft Neuburgs?

Enghuber: Die großen Entwicklungsthemen müssen zügig umgesetzt werden. Dazu gehört vor allem die Ostumfahrung mit zweiter Donaubrücke, die unsere Innenstadt spürbar entlasten wird. Neuburg hat ein breites kulturelles und sportliches Angebot, das auf vielen ehrenamtlichen Schultern ruht. Das muss auch durch die Politik gepflegt werden. Dann bleibt Neuburg auch in Zukunft lebens- und erlebenswert.

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