Newsticker

Carneval in Rio fällt wegen Corona-Pandemie aus
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Herrenlose „Fundhunde“

13.02.2015

Herrenlose „Fundhunde“

Wer kann ein solches Tier nur im Stich lassen? Welpe Jule wurde ausgesetzt und befindet sich nun im Neuburger Tierheim.
Bild: Raphael Beck

Das Tierheim muss immer mehr ausgesetzte Hunde aufnehmen

Charlie hat die Kälte gut überstanden: Der rotbraune Pinscher-Mischling kommt im Schweinsgalopp angeschossen und begrüßt seinen Besuch freudig kläffend. Sein altes Herrchen oder Frauchen hatte ihn am Mittwoch auf der Bertoldsheimer Donaubrücke angebunden und zurückgelassen. Noch schlimmer erging es der kleinen Jule: Sie wurde im Alter von nur etwa sechs Wochen in einem Karton an der Autobahn ausgesetzt. Nach ihrer Rettung kamen beide im Neuburger Tierheim in Riedensheim unter, das in den letzten zwei Monaten ungewöhnlich viele zurückgelassene Hunde aufnehmen musste.

„Die momentanen Temperaturen halten die kurzfelligen Hunde nicht lange aus“, sagt Heimleiter Gerhard Schmidt. „Angefangen hat es Ende Dezember. Da hat jemand nachts um 23 Uhr eine Dogge am Tor des Tierheims angebunden. Nach vier Stunden haben wir das mitgekriegt und die Polizei verständigt.“

Es hätte aber auch schlimmer kommen können: „In zehn Minuten kann ein Hund die Leine durchgebissen haben. Und wenn er dann auf die Straße läuft und einen Unfall verursacht oder ein Kind beißt, das ihn streicheln will, muss man den Besitzer zur Rechenschaft ziehen können“, findet Schmidt. Bereits beim Züchter sollten die Tiere deshalb gechipt werden.

Viele Hundebesitzer würden auch die Anmeldung beim Zentralen Haustierregister vergessen und könnten dann trotz Chip nicht mehr ermittelt werden. Der ehrenamtliche Leiter des Tierheims findet: „Da muss die Politik tätig werden.“

Wer ein Haustier aussetzt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Tiere wie ein Stallhase oder eine Bartagame sind bei uns in freier Wildbahn nicht lebensfähig. Der Besitzer nimmt also den Tod der Tiere in Kauf, wenn er sie freilässt. „Für solche Fälle hat der Vereinsvorstand beschlossen, dass wir Strafanzeige gegen Unbekannt stellen.“ Dass der Besitzer von Jule oder von Charlie gefunden wird, ist ohne Chip recht unwahrscheinlich. Aber man müsse „ein Zeichen setzen“ gegen eine solche Verantwortungslosigkeit, sagt Schmidt.

Charlie sitzt derweil ganz still da und stellt die Lauscher auf. Dass jemand mit dem Pinscher-Mischling überfordert gewesen sein könnte, ist schwer vorstellbar.

„Oft sind die Besitzer zu stolz, ihren Hund persönlich abzugeben und sich einzugestehen, dass sie die Probleme nicht selbst lösen können“, erzählt Schmidt. Das bedeutet Kosten für den Verein, aber vor allem ärgert sich der Heimleiter darüber, wie gedankenlos manche Besitzer das Leben ihrer Haustiere aufs Spiel setzen. Es gebe ja auch eine Dunkelziffer an Hunden, die nicht gefunden würden und schließlich verhungerten oder im Straßenverkehr umkämen.

Wenn ein Hund anonym abgegeben wird, weiß das Personal nichts über das Tier. Das bedeutet einerseits, dass alle Impfungen noch einmal durchgeführt werden müssen, andererseits aber auch, dass dann das Fundrecht greift und der frühere Besitzer theoretisch ein halbes Jahr Zeit hätte, den Hund zurückzufordern. Das behindert die Weitervermittlung.

Der Doggenrüde war gechipt und hat bereits ein neues Zuhause gefunden. Und vielleicht werden Charlie und Jule ja schon bald von einem neuen Herrchen adoptiert, bei dem sie kein Hundeleben führen müssen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren