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Ingolstadt

13.11.2019

Herzkammer-Flimmern bei der Ingolstädter IG Metall

Bernhard Stiedl, Erster Bevollmächtigter der IG Metall rechnete mit der Politik ab.
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Bernhard Stiedl, Erster Bevollmächtigter der IG Metall rechnete mit der Politik ab.
Bild: Manfred Dittenhofer

Die regionale Wirtschaft rund um Ingolstadt schwächelt, nur ein Unternehmen wächst und wächst. Der Audi-Vorstand wird von der Gewerkschaft IG Metall scharf kritisiert.

Einmal im Jahr lädt die IG Metall Ingolstadt zur großen Seniorenversammlung. Dann ist das Stadttheater proppenvoll. Denn die Rentner wollen hören, wie es ihrer ehemaligen Branche so geht. Dieses Mal bekamen sie nichts Rosiges zu hören. Die Automobilwirtschaft schwächelt und mit ihr der Ingolstädter Platzhirsch Audi. Und damit auch die Herzkammer von Audi, der Standort Ingolstadt.

Dem Audi-Vorstand wurde die Leviten gelesen

Ein direktes Kammerflimmern konnte Jörg Schlagbauer, stellvertretender Audi-Betriebsratsvorsitzender, zwar noch nicht verzeichnen, las aber, auch schon Tradition bei dieser Veranstaltung, dem Vorstand gehörig die Leviten.

Ja, die Situation bei Audi sei alles andere als erfreulich. Aber der Vorstand mache nichts, um den Mitarbeitern die Unsicherheit zu nehmen. „Ganz im Gegenteil. Der Vorstand traut sich nicht zu sagen, wie weit er den Mitarbeitern in die Tasche greifen will.“ Dabei gebe es eine, wie sie Schlagbauer bezeichnet, Giftliste. In der stehe beispielsweise, dass die Ergebnisbeteiligung abgeschafft werden solle. Über die nächsten zehn Jahre erhoffe sich das Unternehmen damit Einsparungen von zwei Milliarden Euro – direkt aus den Taschen der Mitarbeiter. Außerdem sollen die Mitbestimmungsrechte eingeschränkt werden, wenn es um Versetzungen gehe. Schlagbauer forderte eine Beschäftigungssicherung bis 2030. Das sei ein Zeichen in Richtung Mitarbeiter. Außerdem soll sichergestellt sein, dass die deutschen Standorte bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder und Produkte nicht leer ausgehen.

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Noch tiefer ist das Stimmungsbarometer bei Ledvance und bei Osram. Die Lichtindustrie sei in einem harten Wandel, der Markt hart umkämpft, wie Hubert Rosskopf, Betriebsratsvorsitzender bei Ledvance Eichstätt, berichtete. In Deutschland seien Standorte entweder schon geschlossen worden, wie in Augsburg die Produktion und das Zentrallager. Oder sie stünden zur Debatte. Reiner Helmschmidt, bei Osram Betriebsratsvorsitzender, geht davon aus, dass mit AMS aus Österreich der Kleine den Größeren schluckt, sprich übernimmt. Und er denkt auch, dass diese Übernahme noch dieses Jahr stattfindet. Gutes erwartet am Standort Eichstätt niemand.

Rieter produziert nicht mehr in Ingolstadt

Gibt es denn Rieter in Ingolstadt noch? Diese Frage bekomme er jedes Jahr gestellt, wenn er zur Seniorenversammlung komme, erzählte Betriebsratsvorsitzender Gerhard Hyna. Seine Antwort: „Ja, aber nicht in der ursprünglichen Form. Wir sind eine reine Entwicklungsbude.“ Wollen die Entwicklungsingenieure mit den Kollegen aus der Produktion reden, müssten sie nach Tschechien, China oder Indien reisen. Denn dorthin sei die Fertigung inzwischen ausgelagert worden. Und das Werksgelände sei verkauft. „Wir ziehen demnächst in ein neues Bürogebäude und sind dann dort zur Miete.“ Nachhaltige Zukunftsplanung sehe anders aus als ein Mietvertrag auf sieben Jahre.

Da klang der Bericht von Tobias Weber über Airbus in Manching wie aus einer anderen Welt. Dort brummt es. Auch dieses Jahr wieder über 250 neue Kollegen, damit über 5000 Mitarbeiter. Aber: Auch der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende hat eine Forderung. Für das Nachfolgemuster des Kampfflugzeugs Tornado solle bitte nicht in die USA geschielt werden. Die Wertschöpfung dafür, das Know-how und die Arbeitsplätze sollen in Europa und Deutschland bleiben. Harte Zeiten, das befand auch Bernhard Stiedl, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ingolstadt und mit 50.000 Mitgliedern der größten IG Metall-Geschäftsstelle in Bayern. Die Politik gefährde Arbeitsplätze und es scheine, als ob die Autoindustrie gerade die Welt vor dem Klimakollaps retten solle. In Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen hätte in die Mobilitätswende investiert werden müssen. Und wenn die Politik die Spielregeln ändere, müsse sie auch dafür sorgen, dass sie eingehalten werden können.

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