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Erziehung

03.11.2015

Hier können sich Kinder „dazuspielen“

Einen solchen Sandtisch hat im Integrationskindergarten in der Fünfzehnerstraße in Neuburg jede Gruppe. Dort können sich die Kinder begegnen, miteinander spielen und sogar mit ihren Händen etwas schaffen.
Bild: Dorothee Pfaffel

In Zeiten von Migration und sich verändernden Familienstrukturen werden Integrationskindergärten immer wichtiger. In Neuburg befindet sich Bayerns älteste Einrichtung

Der Neuburger Verein Frühförderung e. V. ist die älteste Integrationseinrichtung in Bayern. 1972 wurde er von einer Gruppe engagierter Eltern gegründet. Heute sind unter dem Dach des Vereins ein Integrationskindergarten, ein Integrations-Hort, eine Kinderkrippe mit Einzelintegration und die sozialpädagogisch orientierte Intensivgruppe „Neuland“ vereint. Aber was ist eigentlich ein sogenanntes „Integrationskind“? Und was macht eine Integrationseinrichtung aus?

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Integrationskinder sind körperlich, geistig oder seelisch behinderte Kinder. Sie sind oft verhaltensauffällig, haben zum Beispiel Wahrnehmungsstörungen oder Sprachentwicklungsstörungen. Diese Kinder werden im Neuburger Integrationskindergarten in der Fünfzehnerstraße zusammen mit anderen Kindern betreut. Von 16 oder 17 Kindern pro Gruppe sind drei bis vier Integrationskinder. 18 Integrationskinder sind es insgesamt. Wirft man einen Blick in eine der fünf Gruppen, lässt sich nur schwer sagen, wer ein Integrationskind ist – es sei denn das Kind ist sichtbar körperlich behindert. „Das heißt, wir haben alles richtig gemacht“, sagt Kindergartenleiterin und Sozialpädagogin Katherina Müller und lächelt.

Wie die Integration funktioniert? Müller und ihr Team legen viel Wert darauf, dass die Kinder den ganzen Raum zum Spielen nutzen können. Denn so könnten sie sich leichter zu anderen „dazuspielen“, sich annähern, erklärt sie das Konzept. Außerdem gibt es in jedem Gruppenraum einen „Sandtisch“. Dieser stammt ursprünglich aus dem Bereich der Kindertherapie. Er soll in besonderer Weise dazu beitragen, dass die Kinder miteinander ins Gespräch kommen, zusammen spielen, gemeinsam etwas bauen oder erschaffen, erzählt die Kindergartenleiterin. Begegnungsstätten für die Kinder zu schaffen, sei besonders wichtig. Müller: „Es ist aber nicht unser Ziel, dass ein Kind angepasst wird, sondern es soll durchaus auch seine eigenen Bedürfnisse befriedigen können.“ Integration werde nicht als fertiger Zustand verstanden, sondern als ständiger Prozess des gemeinsamen Spielens, Arbeitens und Lernens – auf freiwilliger Basis.

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Wer ein Integrationskind ist, wissen die Kinder voneinander nicht. Wieso auch? „Für die Kinder spielt das keine Rolle“, sagt die Sozialpädagogin. „Da gibt es vielleicht einen, der spricht nicht so gut, aber mit dem hat man trotzdem Spaß.“ Manchmal müsse auch ein Regelkind besser integriert werden. Dabei helfen unter anderem Projektarbeiten, bei denen die Gruppen gezielt nach bestimmten Gesichtspunkten zusammengesetzt werden.

Was die Integrationskinder aber doch von den anderen unterscheidet: Sie erhalten Förderungen durch Fachdienste, etwa durch Heilpädagogen, oder in der Musik- oder Sprachtherapie. Es sei aber keineswegs so, dass man die Kinder dazu zwingen müsse, berichtet Müller. Im Gegenteil: „Es ist etwas Besonderes. Sie freuen sich darauf.“

Als Kindergartenleiterin führt Katherina Müller regelmäßig Gruppenbeobachtungen durch. Das findet sie sehr wichtig. Als studierte Fachkraft würden sich ihr oft noch andere Blickwinkel eröffnen, erklärt sie. Sie könne beispielsweise Aspekte der Psychologie und Soziologie in die Erziehungsarbeit mit einbringen. Dies werde in einer heterogenen Gesellschaft – unter anderem im Hinblick auf Migration und die zunehmende Veränderung in den Familienstrukturen – immer wichtiger.

Die aktuelle Flüchtlingsproblematik hat momentan keinen Einfluss auf Müllers Arbeit. Derzeit werden im Integrationskindergarten keine Kinder von Asylbewerbern betreut. In der Vergangenheit war das aber laut Müller schon der Fall. Und sollte es wieder nötig werden, würde der Kindergarten auch – so weit es möglich sei – erneut Flüchtlingskinder aufnehmen.

Kinder mit Migrationshintergrund befinden sich bereits jetzt in den Gruppen. Wobei ein Kind mit Migrationshintergrund nicht automatisch als Integrationskind gelte, betont die Kindergartenleiterin.

Gemäß seiner Satzung ist die frühkindliche und außerschulische Förderung der Zweck des Vereins. Müller: „Jedes Kind hat ein Recht auf Förderung und Entwicklung. Bei uns greift alles ineinander. Kein Kind fällt nach unten durch.“

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